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Neuer Job, falsche Entscheidung: Was jetzt zu tun ist

  • Autorenbild: Christian Asperger
    Christian Asperger
  • vor 11 Minuten
  • 7 Min. Lesezeit

Um 6 Uhr 40 liegt das Diensthandy schon auf dem Nachttisch, obwohl der erste Termin erst um neun beginnt. Seit drei Wochen ist das so, seit dem ersten Arbeitstag im neuen Job. Die neue Kollegin hat sich vorgestellt, das Team wirkt freundlich, das Gehalt ist besser als vorher. Trotzdem meldet sich morgens ein Gefühl, für das es noch keine rechte Erklärung gibt: dass hier etwas nicht passt.


Wer diesen Job erst vor Kurzem angenommen hat, oft nach reiflicher Überlegung, manchmal nach einem längeren Bewerbungsprozess, steht vor einer unbequemen Frage: War die Entscheidung falsch? Und wenn ja, was macht man jetzt, nach drei Wochen oder drei Monaten, mit einer Kündigungsfrist, einem neuen Titel auf der Visitenkarte und dem Gefühl, gerade erst angefangen zu haben?


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Business Coaching Gespräch zu einer beruflichen Entscheidung in Wien

Neuer Job, falsche Entscheidung: Das Wichtigste in Kürze


  • Ein neuer Job kann sich in den ersten Wochen falsch anfühlen, ohne dass die Entscheidung tatsächlich falsch war. Anpassung an neue Strukturen braucht Zeit.

  • Entscheidend ist weniger das Gefühl an sich als die Frage, woran es konkret hängt: an der Aufgabe, am Team, an der Führungskraft oder an etwas, das von Anfang an nicht zur eigenen Lebenssituation gepasst hat.

  • Viele zögern die Entscheidung hinaus, weil ein Eingeständnis vor sich selbst oder anderen schwerfällt, besonders wenn der Wechsel öffentlich als guter Schritt kommuniziert wurde.

  • Ein fixer Zeitpunkt für eine ehrliche Zwischenbilanz hilft mehr als endloses Abwarten.

  • Ein Gespräch mit der direkten Führungskraft ist oft möglich, noch bevor eine Entscheidung feststeht, und verändert manchmal die Ausgangslage.

  • Die Rückkehr zu einem früheren Arbeitgeber ist kein automatischer Rückschritt, wird aber selten gleich zu Beginn realistisch mitgedacht.

  • Eine Kündigung in der Probezeit ist in Österreich rechtlich meist unkompliziert möglich, die genauen Fristen sollten aber individuell geprüft werden.


Podcast - Fehlentscheidung oder nur Stress im neuen Job


Fehlentscheidung_oder_nur_Stress_im_neuen_Job

Inhalt




1. Anpassungsphase oder echte Fehlentscheidung?


Nicht jedes ungute Gefühl in den ersten Wochen bedeutet, dass der neue Job die falsche Entscheidung war. Ein Wechsel bringt neue Abläufe, unbekannte Kolleginnen und Kollegen und eine Kultur, die sich erst erschließen muss. Das kostet Energie, und diese Energie fehlt an anderer Stelle, meist genau dort, wo vorher Sicherheit war.


Dass sich diese Frage überhaupt so oft stellt, zeigt eine aktuelle Studie des AMS-Forschungsnetzwerks: Ein beachtlicher Teil der Erwerbstätigen in Österreich denkt zumindest gelegentlich über einen Berufswechsel nach.


In meiner Praxis in Wien sehe ich häufig, dass Klientinnen und Klienten diese beiden Dinge zunächst nicht auseinanderhalten können: die normale Erschöpfung einer Einarbeitung und ein tieferes Signal, dass diese Stelle strukturell nicht zur eigenen Situation passt. Beides fühlt sich in den ersten Wochen sehr ähnlich an. Der Unterschied zeigt sich meist erst mit etwas Abstand, und an ganz konkreten Stellen.


Hilfreich ist dabei weniger die Frage „Fühlt sich das richtig an?", die in den ersten Wochen fast immer mit Nein beantwortet wird. Aufschlussreicher sind einzelne, beobachtbare Punkte: Wiederholt sich dieselbe Situation in unterschiedlichen Konstellationen, etwa mit mehreren Kolleginnen oder in mehreren Meetings? Betrifft die Unzufriedenheit einen klar benennbaren Bereich, etwa die tägliche Erreichbarkeit oder die Art, wie Entscheidungen getroffen werden? Oder lässt sie sich gar nicht so genau festmachen und zieht sich einfach über den ganzen Tag?


Ein Beispiel aus der Praxis: Jemand bemerkt, dass die eigentliche Aufgabe Spaß macht, aber jedes Gespräch mit der direkten Führungskraft ein flaues Gefühl im Magen hinterlässt. Das ist ein anderer Befund als ein diffuses „Hier stimmt irgendwie nichts", weil sich daraus ableiten lässt, worüber überhaupt gesprochen werden müsste.



2. Warum das Eingeständnis so schwerfällt


Ein Jobwechsel wird selten allein getroffen. Meist gab es Gespräche mit dem Partner oder der Partnerin, vielleicht eine Kündigung beim bisherigen Arbeitgeber, die man sich lange überlegt hat, und einen Post im Netzwerk, der den neuen Job als Chance beschreibt. All das macht es schwerer, sich schon nach wenigen Wochen selbst einzugestehen, dass etwas nicht passt.


Aus meiner eigenen beruflichen Geschichte kenne ich diesen Punkt gut. Fast zwanzig Jahre war ich in der Telekommunikationsbranche tätig, zuletzt als Marketingleiter bei der Deutschen Telekom. Auch dort gab es Etappen, in denen eine neue Position sich anders anfühlte als erwartet, und in denen es leichter gewesen wäre, weiterzumachen und zu hoffen, dass es besser wird, als offen hinzuschauen, was tatsächlich nicht passte.


Dazu kommt ein ganz praktischer Punkt: Wer den Job wechselt, hat meist Kosten eingegangen, nicht nur finanziell. Ein Umzug, ein Ausstieg aus einem eingespielten Team, manchmal auch der Verzicht auf eine andere Option. Je größer dieser Einsatz war, desto schwerer fällt es, ihn nach kurzer Zeit infrage zu stellen. Die Entscheidungspsychologie beschreibt diesen bekannten Effekt unter dem Begriff der kognitiven Dissonanz: Nach einer Entscheidung neigen Menschen dazu, diese im Nachhinein positiver zu bewerten, als es die tatsächlichen Erfahrungen zunächst hergeben.


Diese Dynamik zeigt sich nicht nur bei einem Jobwechsel, sondern auch bei der Entscheidung für oder gegen die Selbstständigkeit, oder bei anderen einschneidenden beruflichen Weichenstellungen.


Wenn Sie sich in dieser Situation gerade wiederfinden und merken, dass Sie sich selbst und anderen den neuen Job schönreden, kann ein Coaching-Gespräch helfen, diesen Druck herauszunehmen und die eigene Situation nüchtern zu betrachten, unabhängig davon, wie die Entscheidung am Ende ausfällt.


Coaching-Gespräch zwischen zwei Männern im Business-Kontext

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3. Was jetzt konkret helfen kann


Ein guter erster Schritt ist ein fixer Zeitpunkt für eine ehrliche Zwischenbilanz, etwa nach sechs oder acht Wochen, statt sich in einem offenen „Mal schauen, wie es sich entwickelt" zu verlieren. An diesem Termin lohnt es sich, konkret aufzuschreiben, was in der Zwischenzeit tatsächlich passiert ist: welche Situationen sich wiederholt haben, in welchen Momenten die Unzufriedenheit am stärksten war und wann sie kaum spürbar war.


Häufig zeigt sich dabei, dass eine oder zwei Personen einen überproportionalen Anteil an der Unzufriedenheit haben, etwa eine Führungskraft mit einem bestimmten Kommunikationsstil. In diesem Fall ist ein offenes Gespräch mit genau dieser Person oft der wirksamere nächste Schritt als eine grundsätzliche Entscheidung über den ganzen Job. Ein solches Gespräch hat dabei oft mehr mit dem Ziehen klarer Grenzen zu tun als mit einer grundsätzlichen Kritik am Job. Es muss nicht mit einer Beschwerde beginnen. Es reicht oft, konkret zu benennen, was in der Zusammenarbeit anders laufen müsste, damit die Einarbeitung gelingt.


Parallel dazu lohnt sich ein Blick auf eine Option, die in der ersten Verunsicherung selten mitgedacht wird: die Rückkehr zum vorherigen Arbeitgeber. Viele schließen das von vornherein aus, weil es sich wie ein Rückschritt anfühlt. Dabei reagieren frühere Chefs oder Chefinnen auf eine solche Anfrage oft offener, als man vermutet, besonders wenn der Abschied im Guten erfolgt ist. Diese Option verdient eine nüchterne Abwägung, bevor sie vorschnell ausgeschlossen wird.


Sollte sich nach dieser Zwischenbilanz zeigen, dass es tatsächlich nicht passt, ist eine Kündigung während der Probezeit in Österreich in der Regel unkompliziert möglich, meist ohne Einhaltung einer Frist. Details dazu, insbesondere zur genauen Dauer und zu Sonderfällen, sind auf den Seiten des Arbeitsmarktservice nachzulesen. Diese Informationen ersetzen keine individuelle arbeitsrechtliche Beratung im konkreten Fall.




Fallbeispiel aus der Praxis


Eine Klientin kam etwa drei Monate nach ihrem Wechsel in eine Führungsposition bei einem mittelständischen Unternehmen zu mir. Den Wechsel hatte sie sich selbst gewünscht, nach Jahren in einer Position, die ihr zu klein geworden war. In den ersten Wochen schob sie das ungute Gefühl weg, auch weil sie selbst so sehr für diesen Schritt geworben hatte. Erst als sie merkte, dass sie sonntagabends regelmäßig Kopfschmerzen bekam, obwohl objektiv nichts Dramatisches passiert war, sprach sie es gegenüber einer Freundin zum ersten Mal offen aus.


In der Zwischenbilanz nach acht Wochen zeigte sich kein einzelner Auslöser. Am meisten wog eine Geschäftsführung, die Entscheidungen anders traf, als im Bewerbungsgespräch dargestellt worden war, dazu ihr eigener Anspruch, von der ersten Woche an alles richtig zu machen. Ein klärendes Gespräch mit der Geschäftsführung veränderte einiges, aber nicht alles. Sie blieb, mit einem nüchternen Blick statt der Begeisterung vom Anfang. Ob es die richtige Entscheidung war, fragt sie sich nach eigener Aussage immer noch gelegentlich, nur nicht mehr mit Panik im Bauch.



4. FAQ: Häufig gestellte Fragen


Wie unterscheide ich eine normale Anpassungsphase von einer echten Fehlentscheidung?

Eine Anpassungsphase betrifft meist mehrere Bereiche gleichzeitig und wird über die Wochen spürbar leichter. Bleibt die Unzufriedenheit dagegen an einem klar benennbaren Punkt hängen, etwa an einer bestimmten Person oder einer wiederkehrenden Situation, spricht das eher für ein strukturelles Problem als für reine Eingewöhnung.

Nein. Für ein erstes Gespräch reicht es, wenn Sie merken, dass sich der neue Job falsch anfühlt und Sie selbst noch nicht einordnen können, ob das an der Situation liegt oder an einer normalen Eingewöhnung. Genau diese Einordnung kann Teil des Gesprächs sein.

Es gibt keine allgemeingültige Zahl, sechs bis acht Wochen haben sich in der Praxis aber als sinnvoller Zeitraum für eine erste ehrliche Zwischenbilanz erwiesen. Bei sehr komplexen Positionen kann das auch länger dauern.

In Österreich ist das in der Regel möglich, meist ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist. Die genauen Regelungen hängen vom jeweiligen Dienstverhältnis ab und sollten im Zweifel individuell geprüft werden, etwa über das Arbeitsmarktservice.

Nicht zwangsläufig. Viele frühere Arbeitgeber reagieren auf eine solche Anfrage pragmatischer, als man annimmt, vor allem wenn der ursprüngliche Abschied im Guten war. Ob es die richtige Option ist, hängt von den konkreten Gründen für den Wechsel ab.

Das kommt auf die Beziehung und den konkreten Punkt an. Ein Gespräch über eine bestimmte Erwartung oder Arbeitsweise ist meist eher möglich als ein Geständnis genereller Unzufriedenheit. Ein Coaching-Gespräch kann helfen, vorher zu klären, was genau angesprochen werden sollte.



  1. Fazit


Ob das Diensthandy auf dem Nachttisch in einem Jahr noch dasselbe Gefühl auslöst, lässt sich nach drei Wochen nicht beantworten. Was sich beantworten lässt: woran genau die Unruhe hängt, und ob sie mit der Zeit weniger wird oder gleich bleibt. Manche stellen nach der ehrlichen Zwischenbilanz fest, dass sie der neuen Stelle noch eine echte Chance geben wollen. Andere sprechen mit ihrer alten Führungskraft und finden dort eine Tür, die offener war als gedacht. Und manche kündigen tatsächlich in der Probezeit, ohne dass daraus im Rückblick eine dramatische Geschichte wird, sondern einfach eine Korrektur.


  1. Über mich


Ich bin Mag. Christian Asperger, systemischer Psychotherapeut und Business Coach in meiner Praxis in Wien. Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, war ich selbst fast zwanzig Jahre in der Telekommunikationsbranche tätig, unter anderem als Marketingleiter bei der Deutschen Telekom. Diese Erfahrung mit Konzernstrukturen, Umstrukturierungen und eigenen beruflichen Richtungsentscheidungen bringe ich in die Arbeit mit Klientinnen und Klienten ein, die aktuell selbst vor einer beruflichen Weggabelung stehen.


Wenn Sie sich in diesem Artikel wiederfinden: Ein erstes Gespräch ist möglich, vertraulich und unverbindlich, unabhängig davon, ob es um die aktuelle Stelle geht oder um die Frage, was als Nächstes kommt.


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