Selbstständig: Ja oder nein? Wie man die richtige Entscheidung trifft
- Christian Asperger

- 8. Sept. 2025
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Nov. 2025
Der Gedanke, sich selbstständig zu machen, löst bei vielen Menschen gleichzeitig Begeisterung und Verunsicherung aus. Einerseits lockt die Freiheit, eigene Ideen umzusetzen, die Kontrolle über die eigene Zeit zu haben und unabhängig Entscheidungen zu treffen. Andererseits stehen die Ungewissheit, finanzielle Risiken und die Frage im Raum: Bin ich wirklich der Typ dafür?
Als Business Coach und Psychotherapeut erlebe ich in meiner Praxis regelmäßig, wie ambivalent Menschen diesem Thema begegnen. Manchmal ist es ein leises Ziehen im Inneren – eine Stimme, die sagt: „Da könnte noch mehr in meinem Leben möglich sein.“ Und gleichzeitig die Angst, etwas Sicheres aufzugeben. Die Entscheidung „Selbstständig: ja oder nein?“ ist selten eine rein wirtschaftliche. Sie betrifft die ganze Persönlichkeit – von den eigenen Stärken und Schwächen über die Lebensumstände bis hin zum Umgang mit Unsicherheit.

Das Wichtigste in Kürze – Selbstständig: Ja oder nein? Wie man die richtige Entscheidung trifft
Selbstständigkeit bringt Freiheit, aber auch Verantwortung – beides will bewusst getragen werden.
Eine ehrliche Selbstreflexion zu Motivation, Risikobereitschaft und Persönlichkeit ist entscheidend.
Geschäftsidee und Markt müssen realistisch geprüft werden – Enthusiasmus allein reicht nicht.
Wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen bilden das Fundament.
Persönliche Lebenssituation (z. B. Familie, finanzielle Verpflichtungen) beeinflusst die Tragfähigkeit.
Unterstützung durch Coaching, Netzwerke und Mentoren erhöht die Erfolgschancen.
Fallbeispiele zeigen: Zweifel sind normal – Klarheit entsteht im Prozess.
Inhalt
1. Vor- und Nachteile der Selbstständigkeit
Vorteile:
Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen
Flexibilität in der Gestaltung von Arbeit und Freizeit
Möglichkeit, persönliche Visionen umzusetzen
Direkte Verantwortung und Selbstwirksamkeit
Potenziell höhere Einkommenschancen
Nachteile:
Finanzielle Unsicherheit, besonders zu Beginn
Hohe Verantwortung für alle Aspekte des Geschäfts
Abhängigkeit vom Markt und Kundenakquise
Gefahr von Überlastung oder Isolation
Ständige Notwendigkeit zur Weiterentwicklung
Die ehrliche Auseinandersetzung mit beiden Seiten ist der erste Schritt zu einer fundierten Entscheidung.
2. Selbstreflexion: Bin ich der Typ für die Selbstständigkeit?
Hier lohnt es sich, einige Kernfragen zu stellen:
Motivation: Geht es mir darum, etwas Eigenes zu gestalten – oder nur darum, einer unbefriedigenden Situation zu entkommen?
Risikobereitschaft: Kann ich mit Unsicherheit umgehen, ohne dass mich diese lähmt?
Persönlichkeit: Bin ich eher ein Gestalter oder ein Bewahrer?
Fehlende Stärken: Habe ich blinde Flecken (z. B. Buchhaltung, Vertrieb) und wie kann ich sie ausgleichen?
Eine meiner Klientinnen, eine Ärztin Mitte 40, wollte aus dem Krankenhausalltag aussteigen. In den ersten Sitzungen ging es weniger um ihre Geschäftsidee als um ihre innere Frage: „Bin ich bereit, die Verantwortung für alle Entscheidungen selbst zu tragen?“ Erst nachdem sie diese Auseinandersetzung geführt hatte, konnte sie eine klare Richtung entwickeln.

Geschäftsidee und Markt realistisch prüfen
Selbsttätig zu sein bedeutet nicht nur, ein Talent oder eine Leidenschaft zu haben – entscheidend ist, ob es einen Markt dafür gibt.
Hilfreiche Fragen:
Wer ist meine Zielgruppe, und welches Problem löse ich?
Gibt es genügend Nachfrage – und wie sieht der Wettbewerb aus?
Was ist mein Alleinstellungsmerkmal?
Ein Klient, ehemaliger IT-Manager, wollte ein Café eröffnen. Sein Traum war es, „etwas ganz anderes“ zu machen. Erst die Marktanalyse zeigte: In seiner Umgebung gab es bereits eine hohe Dichte an Cafés. Der Coaching-Prozess half ihm, nicht nur seinem Wunsch nach Neuem zu folgen, sondern auch eine tragfähige Idee zu entwickeln – letztlich gründete er erfolgreich ein Beratungsunternehmen für digitale Transformation.
Wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen
Neben der Geschäftsidee braucht es ein stabiles Fundament:
Finanzplanung: Kapitalbedarf, Rücklagen, Liquidität
Rechtliche Aspekte: Gewerbeanmeldung, Steuern, Rechtsform
Versicherungen: Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung
Förderungen und Finanzierungsmöglichkeiten
Ein fundierter Businessplan schafft hier Klarheit – nicht nur für Banken oder Investoren, sondern vor allem für sich selbst.
5. Persönliche Passung: Lebenssituation und Anforderungen
Selbstständigkeit betrifft nicht nur den Beruf, sondern auch das Privatleben. Fragen, die helfen:
Passt die Selbstständigkeit zu meiner aktuellen Lebensphase?
Wie wirkt sie sich auf Familie und Partnerschaft aus?
Habe ich ausreichend Rückhalt im persönlichen Umfeld?
Ein Beispiel: Ein 35-jähriger Jurist, verheiratet, zwei Kinder, kam zu mir mit der Frage „Selbstständig: ja oder nein?“. Für ihn war entscheidend, ob seine Frau den Schritt mitträgt. Erst nach offenen Gesprächen zu den gemeinsamen finanziellen und emotionalen Ressourcen konnte er eine Entscheidung treffen.

6. Unterstützung suchen: Mentoren, Netzwerke und Coaching
Keiner muss diesen Weg allein gehen. Austausch und Begleitung sind Schlüssel zum Erfolg:
Mentoren: Menschen, die den Weg bereits gegangen sind
Netzwerke: Branchenverbände, Gründerinitiativen, Mastermind-Gruppen
Coaching: Professionelle Begleitung zur Reflexion und Entscheidungsfindung
Gerade Coaching kann helfen, die eigenen blinden Flecken zu erkennen und Klarheit in komplexen Fragen zu gewinnen.
7. Fallbeispiele aus der Praxis
Fall 1: Die Ärztin auf der Suche nach Autonomie:
Sie wollte ihre eigene Praxis eröffnen, hatte aber Angst vor der finanziellen Belastung. Über mehrere Sitzungen lernte sie, ihre Ängste zu benennen und Schritt für Schritt realistische Maßnahmen zu entwickeln. Heute führt sie erfolgreich eine Gemeinschaftspraxis.
Fall 2: Der Start-up-Gründer mit Selbstzweifeln
Ein junger Unternehmer hatte eine innovative App-Idee, zweifelte aber ständig an sich selbst. Im Coaching ging es weniger um die App als um sein Selbstbild. Erst als er lernte, seine Stärken anzuerkennen, konnte er den nächsten Schritt gehen.
Fall 3: Die Lehrerin mit dem Traum vom eigenen Bildungsinstitut
Sie wollte neue Lernmethoden verbreiten, hatte aber das Gefühl, „nicht die Unternehmerin zu sein“. Im Coaching wurde klar: Sie musste sich Mitgründer mit betriebswirtschaftlichem Know-how suchen. Gemeinsam fanden wir Wege, wie sie ihre Vision realisieren konnte.

8. Mein persönlicher Weg in die Selbstständigkeit
Auch für mich war die Frage „Selbstständig: ja oder nein?“ nicht leicht zu beantworten. Ich wusste lange nicht, was genau ich in der Selbstständigkeit machen wollte. Die Ausbildung zum Psychotherapeuten hatte ich ursprünglich aus Neugier und persönlichem Interesse begonnen – nicht mit dem Ziel, daraus eine berufliche Laufbahn zu machen.
Erst im Laufe der Zeit wurde mir klar, dass ich meine Erfahrung aus fast 20 Jahren in der Wirtschaft – als Führungskraft und Marketing-Experte – mit meinem psychologischen Know-how verbinden kann. Heute weiß ich: Genau diese Kombination ist mein Alleinstellungsmerkmal. Ich kann mich in viele meiner Klienten hineinversetzen, weil ich ihre Zweifel, Ängste und Fragen selbst durchlebt habe.
FAQ: Selbstständig ja oder nein?
Woran erkenne ich, ob ich für die Selbstständigkeit geeignet bin?
Wenn du Freude daran hast, Verantwortung zu übernehmen, Unsicherheit auszuhalten und gleichzeitig Initiative und Gestaltungswille mitbringst.
Was mache ich, wenn ich Angst vor dem Scheitern habe?
Ängste sind normal. Entscheidend ist, ob du sie blockierend wirken lässt – oder ob du sie als Hinweis für gute Vorbereitung nutzt.
Ist Selbstständigkeit für introvertierte Menschen geeignet?
Ja. Wichtig ist, das Geschäftsmodell an die eigene Persönlichkeit anzupassen. Introvertierte punkten oft mit Tiefe, Empathie und Ausdauer.
Wie gehe ich mit dem Druck um, mein eigener Chef zu sein?
Indem du Routinen entwickelst, gesunde Grenzen setzt und regelmäßig reflektierst. Selbstfürsorge ist so wichtig wie Strategie.
Wie finde ich den Mut, den ersten Schritt zu gehen?
Mut entsteht durch kleine Schritte und realistische Experimente. Klarheit kommt oft erst durch das Handeln.
Wie viel Startkapital brauche ich?
Das hängt stark von Branche und Geschäftsmodell ab. Als Faustregel: Plane Rücklagen für mindestens 6–12 Monate Fixkosten und Lebenshaltung.
Wie lange dauert es, bis sich eine Selbstständigkeit trägt?
Meist zwischen 12 und 24 Monaten. Manche Branchen brauchen länger, andere können schneller profitabel werden.
Welche rechtlichen Schritte sind notwendig?
Abhängig von der Tätigkeit: Gewerbeanmeldung, Auswahl der Rechtsform (z. B. Einzelunternehmen oder GmbH), Steuerfragen und Versicherungen.
Wie wichtig ist ein Businessplan?
Sehr wichtig. Er gibt dir selbst Klarheit und ist Grundlage für Banken, Förderstellen und mögliche Investoren.
Gibt es Förderungen oder Unterstützungen für Gründer?
Ja, z. B. von Wirtschaftskammern, Förderbanken oder Gründerinitiativen. Beratung lohnt sich – viele Angebote werden zu wenig genutzt.
Wie finde ich heraus, ob es für meine Idee einen Markt gibt?
Durch Marktanalysen, Interviews mit potenziellen Kunden, Pilotprojekte oder Testangebote. Praxisfeedback ist wichtiger als reine Theorie.
Was passiert, wenn meine Geschäftsidee nicht funktioniert?
Dann war es ein Lernprozess. Viele erfolgreiche Unternehmer:innen haben mehrere Anläufe gebraucht, bis sie die passende Nische gefunden haben.
Was unterscheidet erfolgreiche von gescheiterten Selbstständigen?
Oft nicht die Idee, sondern Resilienz, Lernbereitschaft, Anpassungsfähigkeit und ein gesunder Umgang mit Rückschlägen.
Was ist, wenn ich keine Vertriebserfahrung habe?
Vertrieb kann man lernen. Alternativ können Kooperationen helfen oder externe Experten eingebunden werden. Offenheit und Übung sind entscheidend.
Kann ich mich selbstständig machen, wenn ich nicht genau weiß, was ich will?
Ja – viele starten mit einer Richtung und finden ihre eigentliche Nische erst im Tun. Der Weg entsteht beim Gehen.
Soll ich kündigen, bevor ich starte?
Nicht zwingend. Viele beginnen nebenberuflich, um Risiken zu reduzieren. Der richtige Zeitpunkt hängt von deiner finanziellen Lage ab.
Wie vereinbare ich Selbstständigkeit mit Familie?
Durch klare Absprachen, transparente Kommunikation und realistische Zeitplanung. Unterstützung im Umfeld ist entscheidend.
Was, wenn ich die Selbstständigkeit später wieder aufgeben will?
Das ist möglich – und kein Versagen. Viele steigen nach einer Selbstständigkeit wieder in Unternehmen ein und profitieren dort von ihren Erfahrungen.
Brauche ich einen Coach?
Nicht zwingend, aber Coaching kann helfen, blinde Flecken zu erkennen, komplexe Entscheidungen zu sortieren und Klarheit zu gewinnen.
Welche Unterstützung ist am wichtigsten?
Ein Mix aus Mentoren, Netzwerken und Coaching. Mentoren geben Erfahrung weiter, Netzwerke öffnen Türen, Coaching sorgt für persönliche Klarheit.
Fazit - Selbstständig: Ja oder nein? Wie man die richtige Entscheidung trifft
Die Entscheidung „Selbstständig: ja oder nein?“ ist komplex – sie betrifft weit mehr als betriebswirtschaftliche Fragen. Sie fordert Selbstreflexion, Mut, realistische Planung und Unterstützung. Zweifel und Unsicherheiten sind normal – entscheidend ist, wie man mit ihnen umgeht.
Selbsttätig zu werden heißt, Verantwortung für das eigene Leben und Arbeiten zu übernehmen. Wer diesen Schritt bewusst und gut vorbereitet geht, kann nicht nur wirtschaftlich, sondern auch persönlich stark wachsen.
Über mich: Business Coach Mag. Christian Asperger

In meiner Rolle als Psychotherapeut integriere ich meine langjährige Erfahrung aus meiner Praxis als Psychotherapeut sowie als Führungskraft in Konzernen mit einer soliden Ausbildung in systemischer Psychotherapie und Coaching.
Mein Ansatz basiert auf dem Verständnis der Menschen im Kontext ihrer sozialen Beziehungen und der Konzentration auf das "Wie" gegenwärtiger Situationen. Ich betrachte Klienten als Experten ihrer eigenen Fälle und vermeide es, Themen zu vertiefen, die sie nicht aktiv einbringen.
Gerne unterstütze ich Sie in meiner Praxis in Wien, um die Arbeit mit Ihrem Thema zu starten. Gemeinsam finden wir Ihren individuellen Weg zu einer glücklichen Beziehung zu sich selbst zurück.



