Kein Sex in der Beziehung: Das können Sie tun!

Aktualisiert: vor 2 Tagen
Kein Sex in der Beziehung, und das schon seit Monaten: Oft fällt es an einem ganz gewöhnlichen Abend auf. Sie sitzen nebeneinander auf der Couch, der Fernseher läuft, und Ihnen wird klar, dass Sie sich nicht erinnern, wann Sie zuletzt miteinander geschlafen haben. Keiner von Ihnen spricht es an.
Paare, die zu mir in die Praxis kommen, nennen fehlende Sexualität selten als Erstes. Die Scham ist auf beiden Seiten groß: bei dem, der sich mehr Nähe wünscht, und bei dem, der gerade keine Lust auf Sex hat.
In diesem Artikel geht es darum, welche Ursachen hinter einer Beziehung ohne Sex stehen können, was die Flaute mit beiden macht und welche Schritte helfen, wieder Nähe zu finden.

Das Wichtigste in Kürze: Kein Sex in der Beziehung
Phasen mit wenig oder keinem Sex kennen die meisten langen Beziehungen. Belastend wird es, wenn einer darunter leidet und nicht darüber gesprochen wird.
Häufige Ursachen sind Stress und Erschöpfung, ungelöste Konflikte, körperliche Faktoren und psychische Belastungen.
Plötzlicher Lustverlust, Schmerzen beim Sex oder körperliche Beschwerden gehören zuerst ärztlich abgeklärt.
Aus der Flaute wird oft ein Kreislauf: Einer wirbt, der andere zieht sich zurück, und bald meiden beide auch Zärtlichkeit.
Hilfreich ist, Berührung eine Zeit lang von der Erwartung an Sex zu lösen und über Bedürfnisse zu sprechen, ohne sofort eine Lösung zu verlangen.
Paartherapie setzt bei Mustern und Kränkungen an, Sexualtherapie bei konkreten sexuellen Schwierigkeiten. Beides lässt sich kombinieren.
Eigene Situation einordnen: Sie wünschen sich wieder mehr Nähe oder fühlen sich unter Druck gesetzt und wissen nicht, wie Sie das Thema ansprechen sollen? Im Kennenlerngespräch, 20 Minuten, kostenfrei und unverbindlich, schauen wir gemeinsam, was in Ihrer Beziehung gerade feststeckt und ob eine Paartherapie oder zunächst ein Einzelgespräch der passende Schritt ist.
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Inhalt
1. Kein Sex in der Beziehung: Wie verbreitet ist das?
Wie oft Paare miteinander schlafen, schwankt stark: mit dem Alter, mit kleinen Kindern, mit beruflichen Belastungen, mit Krankheit. Eine Zahl, ab der es „zu wenig“ ist, gibt es nicht. Ausschlaggebend ist, ob beide mit der Situation leben können oder ob einer von beiden darunter leidet.
Eine verbreitete Annahme lautet, dass Männer immer Lust haben und Frauen seltener. In meiner Praxis erlebe ich beide Konstellationen. Männer, die weniger Lust haben als ihre Partnerin, schämen sich dafür oft besonders, weil es so gar nicht zu dem Bild passt, das sie von sich selbst haben. Frauen, die sich mehr Sexualität wünschen, fühlen sich häufig zurückgewiesen und behalten das lange für sich.
2. Ursachen für fehlende Sexualität in der Partnerschaft
Hinter einer Beziehung ohne Sex steht selten nur ein einziger Grund. Meist kommen mehrere Dinge zusammen.
Stress und Erschöpfung
Ein voller Arbeitstag, kleine Kinder, die Pflege der Eltern, finanzielle Sorgen: Wer abends erschöpft ins Bett fällt, hat selten Lust auf Sex. Lust braucht ein Mindestmaß an Entspannung. Fehlt sie über Monate, rückt Sexualität im Alltag immer weiter nach hinten, oft ohne dass einer von beiden das bewusst entschieden hätte.
Ungelöste Konflikte und Kränkungen
Manchmal zeigt sich im Schlafzimmer, was im Alltag nicht ausgesprochen wird. Wer sich mit der Hausarbeit allein gelassen fühlt, wer nach einem Streit nie eine Entschuldigung gehört hat oder wer sich seit Jahren nicht mehr gesehen fühlt, hat wenig Lust auf Nähe. Der Rückzug im Bett ist dann oft eine Antwort auf etwas, das an anderer Stelle passiert ist.

Körperliche Faktoren
Hormonelle Veränderungen, etwa in den Wechseljahren oder nach einer Geburt, chronische Erkrankungen, Schmerzen beim Sex und manche Medikamente können das sexuelle Verlangen dämpfen. Ob ein Medikament dabei eine Rolle spielt, klären Sie bitte mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Hat die Lust plötzlich nachgelassen oder kommen körperliche Beschwerden dazu, ist die ärztliche Abklärung der erste Schritt. Ansprechpartner sind etwa eine gynäkologische, urologische oder allgemeinmedizinische Praxis.
Psychische Belastungen
Eine Depression geht häufig mit Lustverlust einher. Auch Ängste, ein geringes Selbstwertgefühl oder frühere belastende Erfahrungen können das Verlangen beeinflussen. Kommt beides zusammen, ist eine psychotherapeutische Begleitung oft hilfreich, gegebenenfalls in Abstimmung mit einer ärztlichen Behandlung.
3. Was eine Beziehung ohne Sex mit beiden macht
Fehlende Sexualität bleibt selten nur im Schlafzimmer. Die Person, die sich mehr wünscht, fragt sich irgendwann, ob sie noch begehrt wird. Die Person mit weniger Lust fühlt sich unter Druck und beginnt, jede Umarmung als versteckte Erwartung zu lesen.
Daraus entsteht oft ein Kreislauf. Einer macht Annäherungsversuche, der andere weicht aus, der erste zieht sich gekränkt zurück. Nach einiger Zeit fallen auch der Kuss zur Begrüßung und die Hand auf dem Rücken weg. Wer sich als Paar schon länger fremd fühlt, findet Anregungen im Artikel über Entfremdung in der Beziehung.

4. Bin ich in meiner Beziehung ohne Sex zufrieden?
Nicht jede Beziehung, in der wenig oder kein Sex stattfindet, ist unglücklich. Manche Paare haben sich bewusst darauf eingestellt und vermissen nichts. Schwierig wird es, wenn einer von beiden still leidet. Diese Fragen helfen bei der Einordnung:
Wie viel bedeutet mir Sexualität, unabhängig davon, was „normal“ wäre?
Vermisse ich vor allem körperliche Nähe, Zärtlichkeit oder das Gefühl, begehrt zu werden?
Kann ich mir vorstellen, dass es länger so bleibt, oder belastet mich die Situation zunehmend?
Weiß mein Partner oder meine Partnerin, wie es mir damit geht?
Paare, die offen darüber sprechen und gemeinsam entscheiden, mit wenig oder keinem Sex zu leben, können eine erfüllte Beziehung führen. Voraussetzung ist, dass es eine gemeinsame Entscheidung ist.
5. Was Sie als Paar konkret tun können
Es gibt kein Programm, nach dem die Lust in einer bestimmten Zahl von Wochen zurückkehrt. Es gibt aber Ansatzpunkte, die sich bei vielen Paaren bewähren.
Den richtigen Moment für das Gespräch wählen
Direkt nach einer Zurückweisung im Bett endet fast jedes Gespräch über Sex im Streit. Besser eignet sich ein ruhiger Moment, etwa ein Spaziergang am Wochenende. Kündigen Sie das Thema ruhig vorher an: „Ich würde gern einmal in Ruhe mit dir über uns reden, auch über Nähe.“
Von sich sprechen statt vom anderen
Ein Satz wie „Du willst ja nie“ macht zu. Ein Satz wie „Ich vermisse unsere Nähe und weiß nicht, wie ich es ansprechen soll“ macht eher auf. Hören Sie danach zu, auch wenn die Antwort anders ausfällt, als Sie gehofft haben.
Zärtlichkeit ohne Erwartung
Wird jede Berührung als Einladung zu Sex gelesen, meidet die Person mit weniger Lust bald jede Berührung. Vielen Paaren hilft eine klare Abmachung für eine gewisse Zeit: Kuscheln, Massagen und Zärtlichkeit ja, Sex nicht. Ohne diesen Druck kann Lust oft erst wieder entstehen.

Zeit zu zweit einplanen
Lust entsteht selten zwischen Wäschekorb und Elternabend. Feste Zeiten zu zweit, ohne Handy und ohne Organisationsthemen, klingen wenig romantisch. Für viele Paare sind sie trotzdem der erste Schritt, sich wieder als Paar zu erleben und nicht nur als Team im Alltag.
Über Wünsche sprechen, auch über neue
Manche Paare merken im Gespräch, dass sich ihre Wünsche über die Jahre verändert haben. Darüber offen und auch ein wenig spielerisch zu reden, kann eingefahrene Abläufe lösen. Wie solche Gespräche gelingen, beschreibe ich im Artikel Kommunikation für Paare.
6. Fallbeispiel aus der Paartherapie
Eva und Markus, wie ich sie hier nenne, kommen in die Paartherapie, als ihr Kind vier Jahre alt ist. Seit der Geburt haben beide weniger Zeit füreinander. Eva hat zusätzlich eine hohe berufliche Belastung und hält den Familienalltag zusammen. Für sich selbst bleibt ihr kaum etwas.
Um sichtbar zu machen, was passiert, arbeiten wir mit dem Bild von drei Inseln: der eigenen Insel, der Paarinsel und der Familieninsel. Evas eigene Insel ist über Jahre verwaist. Am Abend ist ihr Akku leer, und auf der Paarinsel bleibt wenig Kraft für Nähe und Sexualität. Dazu kommt etwas, das viele Eltern kleiner Kinder kennen: Das Kind ist den ganzen Tag nah, auf dem Schoß, an der Hand, im Bett. Über ihren eigenen Körper bestimmt Eva seit Jahren kaum noch selbst.
Markus kann mit den Zurückweisungen schwer umgehen. Er fühlt sich nicht mehr begehrt und nicht mehr attraktiv. Er zieht sich zurück, Eva spürt den Druck und weicht noch früher aus. So dreht sich die Spirale weiter, ohne dass einer von beiden das will.
In den Sitzungen legen wir dieses Muster offen. Eva und Markus vereinbaren, wann Zeit für Nähe ist und wann Zeit, über Sexualität zu sprechen, und halten beides auseinander. Am meisten bewegt hat ein anderer Blick auf das Nein: Evas Begehren ist da, im Moment findet es nur kaum Raum. Mit Markus als Mann hat ihr Rückzug wenig zu tun.
Für Markus ist ein Nein am Abend seither leichter zu hören. Es kränkt ihn noch, als Urteil über sich nimmt er es nicht mehr.

Meine Situation besprechen: Das Schweigen über Sex hält sich in vielen Beziehungen jahrelang, weil keiner den ersten Satz findet. Im kostenfreien Kennenlerngespräch klären wir in 20 Minuten, wo Sie als Paar oder allein ansetzen können.
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7. Paartherapie oder Sexualtherapie: Was passt zu Ihnen?
Wann eine Paartherapie hilft
Eine Paartherapie ist sinnvoll, wenn Gespräche über Nähe immer im selben Streit enden, wenn sich über Jahre Kränkungen angesammelt haben oder wenn Sie sich als Paar fremd geworden sind. Wir schauen dabei auf das Muster zwischen Ihnen beiden, auf das, was jeder mitbringt, und auf das, was im Alltag fehlt. Mehr dazu finden Sie auf der Seite Paartherapie in Wien.
Wann eine Sexualtherapie hilft
Eine Sexualtherapie setzt bei konkreten sexuellen Schwierigkeiten an, etwa bei Erektionsproblemen, Schmerzen beim Sex, Orgasmusschwierigkeiten oder großer Angst vor Versagen. Sie wird von speziell ausgebildeten Sexualtherapeut:innen angeboten. Körperliche Ursachen sollten vorher ärztlich abgeklärt sein.
Beides schließt sich nicht aus. Oft beginnt die Arbeit mit der Beziehung, und für einzelne Themen kommt eine Sexualtherapie dazu.

8. FAQ: Häufige Fragen, wenn in der Beziehung kein Sex mehr ist
Ist es normal, in einer Beziehung keinen Sex mehr zu haben?
Phasen ohne oder mit wenig Sex kommen in vielen langen Beziehungen vor, etwa nach der Geburt eines Kindes, in belastenden Lebensphasen oder bei Krankheit. Zum Problem wird es, wenn einer oder beide darunter leiden und das Thema nicht mehr besprechbar ist.
Wie lange kein Sex in der Beziehung ist normal?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Manche Paare haben über Monate keinen Sex und finden danach wieder zueinander, andere leiden schon nach wenigen Wochen. Mehr Aussagekraft als die Dauer hat die Frage, ob Sie beide noch darüber sprechen können.
Wie oft ist Sex in einer Beziehung normal?
Auch hier gibt es keine Zahl, die für alle gilt. Manche Paare sind mit Sex einmal im Monat zufrieden, andere wünschen sich deutlich mehr. Für die Zufriedenheit zählt, ob die Häufigkeit für beide passt.
Was bedeutet es, wenn mein Partner kein sexuelles Interesse mehr zeigt?
Das kann viele Gründe haben: Erschöpfung, gesundheitliche Ursachen, eine Depression, eine Kränkung oder ein Thema in der Beziehung, das noch nicht ausgesprochen ist. Ein Urteil über Sie als Person ist es selten. Fragen Sie in einem ruhigen Moment nach, ohne Vorwurf, und bieten Sie Nähe ohne Erwartung an.
Muss ich sicher wissen, ob unsere Beziehung noch eine Zukunft hat, bevor ich komme?
Nein. Viele kommen mit dieser offenen Frage. Im Kennenlerngespräch erzählen Sie, wo Sie stehen, und wir schauen gemeinsam, ob Paartherapie, Einzeltherapie oder zunächst eine ärztliche Abklärung der passende nächste Schritt ist.
Kann ich auch allein kommen, wenn mein Partner nicht mitkommen möchte?
Ja. Oft beginnt die Person, die mehr leidet, allein. In Einzelsitzungen lässt sich klären, was Sie selbst brauchen und wie Sie das Thema ansprechen können. Eine gemeinsame Paartherapie kann später dazukommen.
9. Fazit
Kein Sex in der Beziehung beginnt selten mit einer Entscheidung. Bei Eva und Markus hat das Begehren nie aufgehört, es fand zwischen Kind, Beruf und leerem Akku nur keinen Platz mehr. Das Schweigen darüber hat die Distanz größer gemacht.
Ob Stress, eine alte Kränkung oder eine körperliche Ursache dahintersteht, lässt sich herausfinden. Der erste Schritt ist meist ein ehrlicher Satz, ohne Vorwurf, an einem ruhigen Abend.
Wer diesen Satz nicht allein findet, muss es nicht allein versuchen. Kennenlerngespräch vereinbaren: 20 Minuten, kostenfrei und unverbindlich, zu zweit oder allein. Wir schauen gemeinsam, was Ihre Beziehung gerade braucht.
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10. Über mich: Business Coach & Psychotherapeut Mag. Christian Asperger

Wie es ist, wenn eine lange Beziehung zu Ende geht und eine neue beginnt, weiß ich aus eigener Erfahrung. Heute erlebe ich als Vater von zwei Söhnen selbst, wie viel Nähe, Organisation und Müdigkeit ein Familienalltag mit sich bringt und wie schnell die Paarinsel dabei zu kurz kommt.
Viele Paare kommen zu mir in einem Moment, in dem der Alltag gut organisiert ist und die Nähe trotzdem fehlt. Ich verstehe mich dann als Wegbegleiter: Ich gebe den Gesprächen eine Ordnung und lasse den Gefühlen ihren Platz.
Bevor ich mich Ende 2019 als systemischer Psychotherapeut und Paartherapeut selbstständig gemacht habe, war ich viele Jahre Führungskraft in der Telekommunikationsbranche, zuletzt als Senior Vice President bei T-Mobile Austria. Aus beiden Welten weiß ich, wie viel Druck von außen in einer Beziehung landen kann.
Mehr zur Paartherapie in Wien finden Sie auf meiner Website. Meine Praxis befindet sich im zweiten Bezirk in Wien.


