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Eltern bleiben trotz Trennung: Wie man gemeinsam erzieht

Autorenbild: Christian Asperger
Christian Asperger
vor 17 Stunden
6 Min. Lesezeit

Der Rucksack steht schon am Vorabend gepackt neben der Tür. Am nächsten Morgen wechselt das Kind zwischen zwei Wohnungen, zwischen zwei Erwachsenen, die sich seit einigen Monaten nicht mehr lieben, aber ab jetzt jede Woche wieder miteinander abstimmen müssen.


Genau darin liegt die Aufgabe, wenn Eltern sich trennen: Eltern bleiben trotz Trennung bedeutet nicht, dass die Gefühle für den anderen verschwinden müssen. Es bedeutet, eine Zusammenarbeit aufzubauen, die es vorher als Paar vielleicht nie gebraucht hat.


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Christian Asperger, Psychotherapeut und Business Coach in Wien

Eltern bleiben trotz Trennung: Das Wichtigste in Kürze


  • Eltern bleiben trotz Trennung heißt, Paar-Ebene und Eltern-Ebene bewusst zu trennen, statt sie in jeder Absprache zu vermischen.

  • Reine Kommunikationstipps reichen oft nicht, weil unverarbeitete Trauer über die Beziehung in organisatorische Fragen hineinwirkt.

  • Kinder sollten weder Vertraute noch Boten zwischen den Eltern sein.

  • Feste, sachliche Kommunikationswege entlasten mehr als spontane Nachrichten im Ärger.

  • Nicht jede Erziehungsfrage braucht eine einheitliche Regel, aber Sicherheit und Respekt schon.

  • Wenn ein Elternteil sich der Erziehung entzieht, hilft aktives Einfordern mehr als Abwarten.


Podcast - Paar-Ebene und Eltern-Ebene konsequent trennen


Paar-Ebene_und_Eltern-Ebene_konsequent_trennen

Inhalt




1. Wenn die Paarbeziehung endet, aber die Elternschaft bleibt


In meiner Praxis erlebe ich oft, dass Eltern nach einer Trennung von zwei Dingen gleichzeitig überfordert sind: dem eigenen Trauern über das Ende der Beziehung und der Erwartung, ab sofort professionell und ruhig als Team für das Kind zu funktionieren. Manche schreiben dem Ex-Partner noch um Mitternacht eine wütende Nachricht wegen der Abholzeit und wundern sich am nächsten Tag über die schroffe Antwort. Das gelingt selten von einem Tag auf den anderen.


Viele Eltern gehen mit der stillen Annahme in die Trennung, dass gute Absprachen sich schon irgendwie ergeben, wenn beide es nur gut mit dem Kind meinen. Die Praxis zeigt etwas anderes. Ohne bewusste Vereinbarungen rutschen alte Verletzungen in scheinbar organisatorische Fragen: Wer entscheidet über die Schulwahl, wer zahlt die neuen Schuhe, wer meldet sich zuerst nach dem Streit. Das Kind merkt das, auch wenn niemand vor ihm laut wird.


Diese Dynamik ist kein Randphänomen: Laut Statistik Austria waren 2025 österreichweit 13.101 minderjährige Kinder von der Scheidung ihrer Eltern betroffen – für sie alle stellt sich die Frage, wie Mama und Papa auch getrennt noch gemeinsam Eltern bleiben.


Eltern bleiben trotz Trennung: Paar im Trennungsgespräch in der Praxis



2. Warum reine Kommunikationstipps oft nicht reichen


Die meisten Ratgeber zum Thema Co-Parenting empfehlen offene Kommunikation, feste Absprachen und gemeinsame Kalender-Apps. Das ist grundsätzlich richtig, greift aus meiner Erfahrung aber zu kurz. Kommunikation scheitert nach einer Trennung selten an der Technik. Sie scheitert daran, dass zwei Ebenen unbewusst vermischt werden: die Paar-Ebene und die Eltern-Ebene.


Auf der Paar-Ebene liegt die Geschichte, warum die Beziehung zerbrochen ist. Auf der Eltern-Ebene geht es um Übergabezeiten, Schulaufgaben und Geburtstagsfeiern. Wer diese beiden Ebenen nicht trennt, verhandelt jede Kleinigkeit auf der emotionalen Baustelle der gescheiterten Beziehung. Eine Nachricht über die Kindergartenzeiten wird dann zum Schauplatz für einen alten Streit über Vertrauen oder Anerkennung, obwohl es nur um Uhrzeiten gehen sollte.


Der Reframe, den ich Eltern in dieser Phase anbiete, lautet: Sie müssen sich nicht mehr als Paar verstehen, um als Eltern gut zu funktionieren. Man springt nicht direkt in die perfekte Co-Elternschaft, man baut sie Schritt für Schritt. Die eigene Trauer über die Beziehung bekommt dabei ihren eigenen Platz, statt in die Erziehung hineinzuwirken.


Warum Konflikte in Familien grundsätzlich wiederkehren und was dahinter steckt, beschreibe ich ausführlicher im Artikel Konflikte in der Familie lösen.


Gespräch zwischen getrennten Eltern über die gemeinsame Erziehung



3. Eltern bleiben trotz Trennung: Konkrete Schritte für den Alltag


Aus der Praxis haben sich einige Schritte bewährt, mit denen gemeinsame Elternschaft nach einer Trennung tatsächlich trägt.


Die Ebenen aktiv benennen. Beide Eltern profitieren davon, offen auszusprechen, dass es jetzt eine Paar-Geschichte gibt, die abgeschlossen wird, und eine Eltern-Geschichte, die weitergeht. Das klingt einfach, verändert aber den Ton vieler Gespräche merklich.


Eigene Gefühle nicht über das Kind regulieren. Kinder sind keine Vertrauten, keine Boten und keine Verbündeten gegen den anderen Elternteil. Wer merkt, dass er dem Kind zu viel über die eigene Enttäuschung erzählt, sollte sich eher an Freunde, eine Selbsthilfegruppe oder eine Therapie wenden.


Feste, sachliche Kommunikationswege statt spontaner Nachrichten im Ärger. Ein gemeinsamer Kalender oder feste Termine für organisatorische Absprachen entlasten mehr als jede App. Wichtig ist die Regel dahinter: Organisatorisches läuft über den vereinbarten Kanal, nicht über spontane Nachrichten mitten im Streit.


Sich auf wenige, aber verbindliche Grundregeln einigen. Nicht jede Erziehungsfrage muss identisch gehandhabt werden. Bei Schlafenszeiten, Bildschirmzeit oder Hausaufgaben dürfen beide Haushalte eigene Wege gehen. Bei Sicherheit, Respekt und dem Umgang mit dem anderen Elternteil braucht es dagegen eine gemeinsame Linie.


Nicht schlecht über den anderen Elternteil sprechen, auch nicht andeutungsweise. Kinder übernehmen selten die Wertung direkt, aber sie spüren die Loyalitätsfalle, wenn sie zwischen zwei Erwachsenen vermitteln sollen, die sich gegenseitig abwerten. Wie viel Streit Kinder tatsächlich verkraften, und warum Versöhnung mehr zählt als ein streitfreier Alltag, beschreibe ich im Artikel Streiten vor den Kindern.


Eltern bleiben trotz Trennung: Mutter, Vater und Kind nach der Trennung



4. Wenn ein Elternteil sich zurückzieht: eine Geschichte aus der Praxis


Ein Paar kam nach einer aufgedeckten Affäre in meine Praxis, mit einer kleinen Tochter, die schon mehrere gesundheitlich belastende Jahre hinter sich hatte. Nach der Trennung zog sich der Vater zunehmend zurück, auch von der Tochter, und schlug vor, „einfach befreundet“ zu bleiben, während er sich mit seiner neuen Partnerin weiter traf.


Die Mutter stand plötzlich vor zwei Aufgaben gleichzeitig. Sie musste den eigenen Vertrauensbruch verarbeiten. Gleichzeitig wollte sie verhindern, dass ihre Tochter auch noch den Vater verliert. In der Einzelarbeit half es ihr, klare Grenzen zu setzen, statt auf seine Entscheidung zu warten. Sie bestand darauf, dass er sich den Teilen der Elternschaft stellte, die er bisher vermieden hatte: feste Zeiten für die Tochter, nicht nur wohlwollende Absichten.


Ein rundes Happy End gibt es in dieser Geschichte nicht. Der Vater blieb lange zögerlich, manche Wochen liefen gut, andere nicht. Was sich verändert hat, ist die Haltung der Mutter: Sie wartete nicht mehr darauf, dass er sich von selbst erinnert, Vater zu sein, sondern machte seine Mitverantwortung zur klaren Erwartung. Genau das ist oft der Unterschied zwischen einer Elternschaft, die nach einer Trennung langsam wieder Tritt fasst, und einer, die ganz auf einer Seite hängen bleibt.



5. FAQ


Nein. Auf der Eltern-Ebene braucht der andere Elternteil Informationen, die das Kind betreffen, etwa Termine, Schule oder Gesundheit. Alles, was rein die Paar-Ebene betrifft, muss nicht geteilt werden.

Klar benennen, was fehlt, und um eine verbindliche Regelung bitten, notfalls über eine Familienberatung oder rechtlich über die Obsorge. Abwarten, dass sich die Situation von selbst löst, verstärkt sie meist nur.

Gelegentliche, sachlich ausgetragene Meinungsverschiedenheiten sind kein Problem. Belastend wird es, wenn Kinder wiederholt Zeugen eskalierender Streits werden oder in Loyalitätskonflikte geraten.

Wenn Gespräche über das Kind immer wieder in alten Konflikten enden, wenn ein Elternteil sich zunehmend entzieht, oder wenn das Kind selbst Anzeichen von Belastung zeigt, ist eine Beratung oder Therapie sinnvoll.

Bei Grundfragen wie Schule, Gesundheit oder Sicherheit ja. Bei alltäglichen Entscheidungen im jeweiligen Haushalt darf jeder Elternteil eigenständig handeln.



6. Fazit


Eltern bleiben trotz Trennung ist kein Zustand, der sich automatisch einstellt, sondern eine Beziehung, die aktiv neu gebaut wird, während die alte endet. Wer Paar-Ebene und Eltern-Ebene bewusst trennt, entlastet nicht nur sich selbst, sondern vor allem das Kind, das ohnehin schon genug zu verarbeiten hat.


Die Geschichte aus meiner Praxis zeigt, dass dieser Prozess selten geradlinig verläuft. Manchmal muss ein Elternteil die Mitverantwortung des anderen aktiv einfordern, statt auf Einsicht zu warten. Bei der Mutter aus dem Beispiel war genau das der Moment, an dem sich etwas zu verschieben begann, nicht der Moment, an dem alles gut wurde.

Wächst das Kind später in die Pubertät, verändert sich diese Zusammenarbeit oft noch einmal. Mehr dazu im Artikel Trennung der Eltern in der Pubertät.



7. Über mich - Systemischer Familientherapeut Mag. Christian Asperger


Christian Asperger, Psychotherapeut und Business Coach in Wien

Ich bin Christian Asperger, systemischer Paar- und Familientherapeut Psychotherapeut in Wien. In meiner Praxis begleite ich Eltern durch Trennungen und die Phase danach, wenn aus einer Paarbeziehung eine reine Erziehungspartnerschaft werden muss. Dabei geht es mir nicht um schnelle Lösungen, sondern darum, gemeinsam mit Ihnen einen Weg zu finden, der für Ihr Kind trägt.


Sie möchten über Ihre Situation sprechen? Vereinbaren Sie gerne ein Erstgespräch in meiner Praxis in Wien.


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