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Zu hohe Erwartungen an den Partner: Wie man realistische Ziele setzt

  • Autorenbild: Christian Asperger
    Christian Asperger
  • vor 24 Stunden
  • 12 Min. Lesezeit

Der Partner ist nicht dafür da, Sie glücklich zu machen.

 

Das klingt hart, vielleicht sogar lieblos. Aber es ist eine der wichtigsten Wahrheiten über Beziehungen, die ich meinen Klienten vermitteln muss. Nicht weil ich zynisch bin, sondern weil unrealistische Erwartungen an den Partner die häufigste Ursache für chronische Enttäuschung, Frustration und Beziehungskrisen sind.

 

In meiner Praxis erlebe ich es täglich: Menschen, die leiden, weil der Partner nicht erfüllt, was sie sich erhofft haben. Er sollte ihre Stimmung heben, wenn sie niedergeschlagen sind. Sie sollte ihre Unsicherheit heilen. Er sollte verstehen, was sie brauchen, ohne dass sie es sagen müssen. Sie sollte ihre Leere füllen. Und wenn das nicht passiert – was es nie kann –, folgt Enttäuschung. Manchmal Vorwürfe. Manchmal stilles Leiden. Aber immer das Gefühl: 'Wenn er anders wäre, wäre ich glücklich.'

 

Das ist die Falle: Wir delegieren Verantwortung für unser eigenes Glück an den Partner. Und der Partner – so sehr er sich auch bemüht – wird scheitern. Nicht weil er inkompetent oder lieblos ist, sondern weil niemand eine andere Person glücklich machen kann. Glück ist eine Eigenleistung.

 

Dieser Artikel handelt davon, wie man unrealistische Erwartungen erkennt, woher sie kommen und wie man sie in gesunde, erfüllbare Wünsche verwandelt. Es geht nicht darum, keine Erwartungen zu haben – das wäre auch unrealistisch. Es geht darum, die richtigen Erwartungen zu haben. Und darum, Verantwortung für das eigene Glück zu übernehmen, statt sie an den Partner auszulagern.


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Zu hohe Erwartungen an den Partner – Das Wichtigste in Kürze


  • Zu hohe Erwartungen entstehen oft aus eigenen unerfüllten Bedürfnissen – wir suchen im Partner, was wir uns selbst nicht geben können

  • Unrealistische Erwartungen sind meist unbewusst und unausgesprochen – das macht sie besonders schädlich

  • Bindungsstil beeinflusst stark, welche Erwartungen wir haben (ängstlich, vermeidend, sicher)

  • Der Unterschied zwischen Wünschen und Erwartungen: Wünsche sind flexibel, Erwartungen sind rigide Forderungen

  • Niemand kann eine andere Person glücklich machen – Glück ist eine Eigenleistung, kein Service des Partners

  • Realistische Erwartungen basieren auf dem, wer der Partner wirklich ist – nicht auf dem Idealbild in unserem Kopf

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Inhalt



1. Was sind "zu hohe" Erwartungen?


Zu hohe Erwartungen sind nicht dasselbe wie hohe Standards. Hohe Standards bedeuten: Ich weiß, was mir wichtig ist, und ich suche einen Partner, der dazu passt. Zu hohe Erwartungen bedeuten: Ich erwarte vom Partner Dinge, die er nicht leisten kann – oder die nicht seine Aufgabe sind.

 

Beispiele für unrealistische Erwartungen:

 

Der Partner sollte meine Stimmung regulieren. Wenn ich niedergeschlagen bin, sollte er mich aufheitern. Wenn ich ängstlich bin, sollte sie mich beruhigen. Aber: Emotionsregulation ist primär eine Eigenleistung. Der Partner kann unterstützen, aber nicht ersetzen.

 

Der Partner sollte meine unausgesprochenen Bedürfnisse erraten. 'Wenn er mich wirklich lieben würde, wüsste er, was ich brauche, ohne dass ich es sage.' Aber: Gedankenlesen ist keine Liebeskompetenz. Klare Kommunikation ist es.

 

Der Partner sollte meine Leere füllen. Innere Leere, fehlender Lebenssinn, Selbstzweifel – der Partner sollte das kompensieren. Aber: Diese Themen kann nur man selbst bearbeiten, nicht delegieren.

 

Der Partner sollte perfekt zu mir passen. Keine Unterschiede, keine Reibung, vollständige Harmonie. Aber: Zwei Menschen passen nie zu 100% zusammen. Unterschiede sind normal, oft sogar bereichernd.

 

Der Partner sollte nie ändern oder enttäuschen. Die Anfangsphase sollte ewig dauern. Aber: Menschen entwickeln sich. Verliebtheit wird zu Liebe. Das ist nicht Enttäuschung, sondern Reifung.


2. Woher kommen unrealistische Erwartungen?

Quelle 1: Eigene unerfüllte Bedürfnisse

 

Was wir uns selbst nicht geben können oder dürfen, suchen wir im Partner. Wer sich selbst nicht beruhigen kann, erwartet es vom Partner. Wer sich selbst nicht wertschätzt, braucht ständige Bestätigung von außen. Das ist nicht Liebe, sondern Kompensation.

 

Quelle 2: Kindheitserfahrungen

 

Was wir als Kind nicht bekommen haben, suchen wir oft unbewusst im Partner. Wurde Liebe an Leistung gekoppelt? Dann erwarten wir vielleicht, dass der Partner uns bedingungslos bewundert. Waren Eltern emotional nicht verfügbar? Dann erwarten wir vielleicht totale Verfügbarkeit vom Partner.

 

Quelle 3: Medien und Romantik-Mythen

 

Filme, Bücher, Social Media – überall wird eine Version von Liebe verkauft, die nicht existiert. Der Partner als Seelenverwandter, der alle Probleme löst. Die perfekte Beziehung ohne Konflikte. Das setzt Maßstäbe, die kein realer Mensch erfüllen kann.

 

Quelle 4: Projektionen

 

Wir sehen im Partner nicht, wer er wirklich ist, sondern ein Idealbild. Wir projizieren unsere Wünsche, Hoffnungen, Fantasien auf ihn. Und wenn er dann nicht diesem Idealbild entspricht, sind wir enttäuscht – dabei war das Idealbild nie real.



Psychotherapeut Mag. Christian Asperger mit Genogramm


3. Fallbeispiel: Anna und die unsichtbare Checkliste

Anna, 33, kam in die Therapie, weil sie 'immer die falschen Männer' anzieht. Sie war in den letzten acht Jahren in drei Beziehungen, alle endeten nach ein bis zwei Jahren. Immer derselbe Ablauf: Anfangs perfekt, dann langsam wachsende Enttäuschung, schließlich Trennung.

 

In der Therapie arbeiteten wir an Annas Erwartungen. Sie hatte eine mentale Checkliste – nie explizit formuliert, aber trotzdem wirksam. Der Partner sollte: erfolgreich sein (aber nicht zu sehr, sonst keine Zeit), emotional verfügbar (aber nicht bedürftig), spontan (aber verlässlich), selbstbewusst (aber nicht arrogant), unabhängig (aber immer für sie da). Die Liste war lang. Und widersprüchlich.

 

Das Grundproblem: Anna suchte im Partner, was sie sich selbst nicht geben konnte. Sie fühlte sich oft einsam, auch in Beziehungen. Sie hatte Schwierigkeiten, sich zu regulieren – Stimmungsschwankungen, Ängste. Sie erwartete vom Partner, das zu kompensieren.

'Wenn er richtig wäre, würde ich mich nicht so fühlen.'

 

Wir nutzten eine Übung: Anna sollte ihre Erwartungsliste aufschreiben. Dann: Welche dieser Erwartungen sind realistisch? Welche sind eigentlich Aufgaben, die sie selbst übernehmen muss? Die Erkenntnis war schmerzhaft: Die meisten ihrer Erwartungen waren Externalisierungen eigener Bedürfnisse. Sie erwartete vom Partner, sie glücklich zu machen – eine Aufgabe, die niemand übernehmen kann.

 

Ein Jahr später, mittlerweile in einer neuen Beziehung, berichtete Anna: 'Ich habe immer noch Momente, in denen ich enttäuscht bin. Aber jetzt frage ich mich: Ist das eine realistische Erwartung? Oder delegiere ich gerade meine Verantwortung? Meistens ist es Letzteres. Und dann übernehme ich sie wieder – selbst. Das ist anstrengend. Aber die Beziehung ist ehrlicher. Und stabiler.'


Klientin sitz auf Couch in  Praxis

4. Bindungsstil und Erwartungen

Die Bindungstheorie (Bowlby, Ainsworth) zeigt: Unser Bindungsstil – geprägt in der Kindheit – beeinflusst stark, welche Erwartungen wir in Beziehungen haben.

 

Ängstlicher Bindungsstil

 

Menschen mit ängstlichem Bindungsstil haben oft die Erwartung: Der Partner sollte mich komplett beruhigen, ständig verfügbar sein, meine Ängste vor Verlassenwerden heilen. Sie brauchen viel Bestätigung, reagieren stark auf Distanz, interpretieren Rückzug als Ablehnung. Die Erwartung: 'Wenn er mich wirklich liebt, sollte ich nie Angst haben müssen.'

 

Das Problem: Kein Partner kann diese Angst heilen. Sie kommt nicht aus der Beziehung, sondern aus der eigenen Geschichte. Der Partner kann unterstützen – aber die Arbeit an der Angst muss man selbst leisten.

 

Vermeidender Bindungsstil

 

Menschen mit vermeidendem Bindungsstil haben oft die Erwartung: Der Partner sollte meine Autonomie nie bedrohen, nie zu viel Nähe fordern, nie abhängig von mir sein. Sie reagieren allergisch auf Bedürftigkeit, ziehen sich zurück, wenn es emotional wird. Die Erwartung: 'Wenn sie mich wirklich liebt, lässt sie mir Raum.'

 

Das Problem: Beziehungen bedeuten Interdependenz. Man kann nicht totale Autonomie haben und gleichzeitig tiefe Nähe. Gesunde Erwartung wäre: Balance zwischen Nähe und Raum – ausgehandelt, nicht einseitig diktiert.

 

Sicherer Bindungsstil

 

Menschen mit sicherem Bindungsstil haben realistischere Erwartungen. Sie erwarten Verfügbarkeit, aber nicht ständige Verschmelzung. Sie erwarten Unterstützung, aber nicht Rettung. Sie können Bedürfnisse kommunizieren, ohne zu fordern. Sie akzeptieren, dass der Partner auch eigene Bedürfnisse hat.

 

Die gute Nachricht: Bindungsstil ist nicht festgeschrieben. Durch Therapie, Beziehungserfahrungen und Selbstreflexion kann man von unsicher zu sicher wechseln.


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5. Wünsche vs. Erwartungen: Der entscheidende Unterschied


Der Unterschied zwischen Wünschen und Erwartungen klingt subtil, ist aber entscheidend:

 

Ein Wunsch ist flexibel.

'Ich würde mich freuen, wenn du heute Abend Zeit für mich hast – aber wenn nicht, ist das auch okay.'

Es ist eine Präferenz, keine Forderung. Wenn der Wunsch nicht erfüllt wird, ist man vielleicht enttäuscht, aber nicht verletzt.

 

Eine Erwartung ist rigide.

'Du solltest heute Abend Zeit für mich haben. Wenn nicht, bedeutet das, dass ich dir nicht wichtig bin.'

Es ist eine Forderung, oft unausgesprochen. Wenn die Erwartung nicht erfüllt wird, folgt Enttäuschung, Vorwurf, Kränkung.

 

Erwartungen sind gefährlich, weil sie implizite Verträge sind. Der Partner hat nie zugestimmt – aber wir erwarten trotzdem Erfüllung. Und wenn sie ausbleibt, fühlen wir uns betrogen, obwohl es nie eine echte Vereinbarung gab.

 

Gesunde Beziehungen basieren auf Wünschen, nicht Erwartungen. Man kommuniziert, was man sich wünscht. Man respektiert, dass der Partner eigene Bedürfnisse hat. Man verhandelt, statt zu fordern.



6. Fallbeispiel: Robert und die Enttäuschungsspirale


Robert, 41, war seit fünf Jahren mit seiner Partnerin zusammen. Er beschrieb die Beziehung als 'okay, aber nicht erfüllend'. Er war chronisch enttäuscht – nicht über einzelne Dinge, sondern über... alles. Sie war nicht emotional genug. Sie verstand ihn nicht. Sie war zu pragmatisch, zu wenig romantisch.

 

In der Therapie zeigte sich: Robert hatte ein Idealbild im Kopf, wie seine Partnerin sein sollte. Dieses Bild hatte er nie kommuniziert – teils, weil er es selbst nicht klar formulieren konnte, teils, weil er dachte:

'Wenn sie mich wirklich kennt, sollte sie es wissen.'

Also erwartete er, ohne zu kommunizieren. Und war enttäuscht, wenn seine unausgesprochenen Erwartungen nicht erfüllt wurden.

 

Wir arbeiteten mit einer Übung: Robert sollte seine Erwartungen explizit machen. Aufschreiben. Dann: Welche davon hat er je kommuniziert? Keine. Welche davon hatte seine Partnerin je die Chance zu erfüllen, wenn sie nicht davon wusste? Keine.

 

Zweiter Schritt: Welche dieser Erwartungen sind realistisch? Welche basieren auf einem Idealbild, nicht auf der realen Person? Die meisten basierten auf dem Idealbild. Robert erkannte: 'Ich bin nicht in Beziehung mit meiner Partnerin. Ich bin in Beziehung mit einer Version von ihr, die ich mir ausgedacht habe. Und dann bin ich enttäuscht, dass die echte Person nicht dieser Version entspricht.'

 

Die Arbeit bestand darin, die reale Partnerin kennenzulernen – nicht das Idealbild. Ihre Stärken anzuerkennen (loyal, verlässlich, humorvoll), statt ihre vermeintlichen Schwächen zu beklagen (nicht emotional genug). Und: Seine Bedürfnisse klar zu kommunizieren, statt telepathische Erfüllung zu erwarten.

 

Sechs Monate später: 'Die Beziehung ist nicht perfekt. Aber sie ist ehrlicher. Ich habe aufgehört, sie mit einem Phantom zu vergleichen. Und ich habe angefangen, auszusprechen, was ich brauche. Manchmal erfüllt sie es, manchmal nicht. Aber wenigstens weiß sie jetzt, was ich mir wünsche.'

 


7. Fünf Schritte zu realistischen Erwartungen


Schritt 1: Machen Sie Ihre Erwartungen bewusst

 

Schreiben Sie auf: Was erwarte ich von meinem Partner? In Bezug auf Zeit, Aufmerksamkeit, emotionale Unterstützung, Haushalt, Finanzen, Sex, Kommunikation? Seien Sie ehrlich – auch wenn manche Erwartungen sich unrealistisch anfühlen.

 

Schritt 2: Unterscheiden Sie zwischen Wünschen und Erwartungen

 

Gehen Sie Ihre Liste durch. Welche Punkte sind flexible Wünsche ('Wäre schön, wenn...'), welche sind rigide Erwartungen ('Er sollte...', 'Sie muss...')? Verwandeln Sie Erwartungen in Wünsche.

 

Schritt 3: Fragen Sie sich: Woher kommt diese Erwartung?

 

Für jede Erwartung: Suche ich im Partner, was ich mir selbst nicht geben kann? Projiziere ich ein Idealbild? Kompensiere ich Kindheitserfahrungen? Wenn ja: Das ist Ihr Thema, nicht das des Partners. Arbeiten Sie daran – in Therapie, in Selbstreflexion, in eigener Entwicklung.

 

Schritt 4: Kommunizieren Sie Ihre Wünsche klar

 

Gedankenlesen funktioniert nicht. Wenn Sie sich etwas wünschen, sagen Sie es – klar, ohne Vorwurf, als Wunsch (nicht Forderung). 'Ich würde mich freuen, wenn...' statt 'Du solltest...' Geben Sie dem Partner die Chance, zu reagieren.

 

Schritt 5: Akzeptieren Sie den realen Partner

 

Ihr Partner ist nicht Ihr Idealbild. Er hat Stärken und Schwächen. Manche Ihrer Wünsche wird er erfüllen, manche nicht. Das ist okay. Die Frage ist nicht: Ist er perfekt? Die Frage ist: Ist er gut genug? Passen seine Stärken zu meinen wirklich wichtigen Bedürfnissen? Kann ich mit seinen Schwächen leben?


Psychotherapeut Mag. Christian Asperger


8. Fallbeispiel: Lisa und die Verantwortungsübernahme


Lisa, 29, kam mit der Frage: 'Ist er der Richtige oder sollte ich mich trennen?' Sie war seit zwei Jahren in einer Beziehung, aber haderte. Er war nett, verlässlich, liebevoll. Aber: 'Er macht mich nicht glücklich.'

 

Ich fragte: 'Was müsste er tun, damit Sie glücklich sind?' Lisa überlegte lange. 'Er sollte... ich weiß nicht. Einfach mehr für mich da sein. Mich besser verstehen. Mich zum Lachen bringen.' Ich fragte weiter: 'Macht er das alles nie?' 'Doch, schon. Aber nicht genug.' 'Was wäre genug?' Schweigen.

 

In der Arbeit zeigte sich: Lisa war grundsätzlich unglücklich – nicht wegen der Beziehung, sondern in ihrem Leben. Sie mochte ihren Job nicht, hatte wenig Freunde, fühlte sich oft leer. Und sie erwartete vom Partner, das zu kompensieren.

'Wenn die Beziehung richtig wäre, würde ich mich nicht so fühlen.'

 

Wir arbeiteten daran, dass Lisa Verantwortung für ihr eigenes Glück übernahm. Was macht sie glücklich – unabhängig vom Partner? Was fehlt in ihrem Leben? Was kann sie ändern? Sie begann, neue Hobbys zu versuchen, alte Freundschaften wiederzubeleben, über einen Jobwechsel nachzudenken.

 

Sechs Monate später: 'Ich habe immer noch die Momente, in denen ich denke: Ist das alles? Aber jetzt erkenne ich: Das ist nicht die Frage an die Beziehung, sondern an mein Leben. Und mein Partner kann mein Leben nicht für mich leben. Das muss ich selbst tun. Seitdem fühlt sich die Beziehung leichter an. Weil ich nicht mehr erwarte, dass er mich rettet.'



9. Wenn Erwartungen nicht erfüllt werden: Konstruktiv damit umgehen


Selbst realistische Erwartungen werden nicht immer erfüllt. Wie geht man damit um?

 

1. Prüfen Sie: War die Erwartung realistisch? Manchmal denken wir, eine Erwartung sei realistisch – ist sie aber nicht. Beispiel: 'Er sollte immer merken, wenn ich schlecht drauf bin.' Das ist Gedankenlesen, keine realistische Erwartung.

 

2. Haben Sie es kommuniziert? Unausgesprochene Erwartungen können nicht erfüllt werden. Wenn Sie es nie gesagt haben, können Sie dem Partner nicht vorwerfen, es nicht zu wissen.

 

3. War es ein Wunsch oder eine Forderung? Wenn Sie es als Wunsch formuliert haben, ist Nicht-Erfüllung enttäuschend, aber okay. Wenn Sie es als Forderung formuliert haben, eskaliert es zum Konflikt.

 

4. Können Sie es selbst erfüllen? Manche Bedürfnisse müssen Sie selbst erfüllen. Wenn Sie Aufmunterung brauchen: Rufen Sie eine Freundin an, gehen Sie spazieren, machen Sie etwas, das Ihnen guttut. Der Partner kann unterstützen, aber nicht alles leisten.

 

5. Ist es ein Deal-Breaker? Manche Bedürfnisse sind so wichtig, dass ihre Nicht-Erfüllung die Beziehung in Frage stellt. Beispiel: Kinderwunsch. Das ist okay. Aber unterscheiden Sie: Deal-Breaker oder Wunsch, den Sie auch anders erfüllen können?



10. FAQ: Häufig gestellte Fragen


Bedeutet 'realistische Erwartungen' keine Erwartungen zu haben?

Nein. Gesunde Beziehungen haben Erwartungen – gegenseitiger Respekt, Treue, grundlegende Verlässlichkeit. Aber: Diese Erwartungen sind explizit, realistisch und erfüllbar. Zu hohe Erwartungen sind implizit, unrealistisch und oft widersprüchlich.

Wie unterscheidet man zwischen hohen Standards und zu hohen Erwartungen?

Hohe Standards: 'Ich brauche einen Partner, der emotional intelligent und kommunikativ ist.' (Beschreibt, wen Sie suchen.) Zu hohe Erwartung: 'Er sollte immer wissen, was ich fühle, ohne dass ich es sage.' (Verlangt Unmögliches vom konkreten Partner.)

Was, wenn mein Partner meine realistischen Erwartungen trotzdem nicht erfüllt?

Dann haben Sie drei Optionen: (1) Akzeptieren, dass dieser Bedürfnisbereich nicht durch den Partner erfüllt wird, und es anders lösen. (2) Verhandeln – vielleicht kann er einen Teil erfüllen? (3) Wenn es ein Deal-Breaker ist: Trennung in Betracht ziehen.

Ist es egoistisch, Erwartungen zu haben?

Nein. Bedürfnisse zu haben ist nicht egoistisch. Aber: Sie zu kommunizieren ist Ihre Aufgabe. Zu erwarten, dass der Partner sie telepathisch erfüllt, ist unrealistisch. Und: Sie müssen auch die Bedürfnisse des Partners respektieren.

Wie gehe ich mit Enttäuschung um, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden?

Prüfen Sie: War die Erwartung realistisch? Haben Sie sie kommuniziert? Ist es ein Wunsch oder eine Forderung? Können Sie das Bedürfnis selbst erfüllen? Ist es ein Deal-Breaker? Je nach Antwort: Loslassen, neu verhandeln oder Konsequenzen ziehen.

Sollte man Erwartungen am Anfang der Beziehung besprechen?

Grundlegende Erwartungen: Ja. Treue, Zukunftsvorstellungen (Kinder, Wohnort), Werte. Aber: Nicht als Checkliste. Sondern als offener Austausch – wer bin ich, was ist mir wichtig, was brauchst du? Das entwickelt sich auch über Zeit.

Kann man Erwartungen komplett ablegen?

Erwartungen komplett ablegen ist nicht realistisch (und auch nicht gesund). Aber: Sie können lernen, zwischen realistischen Erwartungen, flexiblen Wünschen und unrealistischen Forderungen zu unterscheiden. Und Verantwortung für eigenes Glück zu übernehmen.


11. Fazit: Zu hohe Erwartungen an den Partner


Die Kernbotschaft: Der Partner ist nicht dafür da, Sie glücklich zu machen. Glück ist eine Eigenleistung, keine Service-Dienstleistung. Zu hohe Erwartungen entstehen oft, weil wir im Partner suchen, was wir uns selbst nicht geben können – Sicherheit, Wert, Lebenssinn. Aber das kann niemand von außen liefern.

 

Realistische Erwartungen basieren auf dem, wer der Partner wirklich ist – nicht auf einem Idealbild. Sie sind explizit kommuniziert, nicht telepathisch vorausgesetzt. Sie sind Wünsche, keine Forderungen. Sie sind erfüllbar, nicht widersprüchlich. Und sie respektieren, dass der Partner eigene Bedürfnisse hat.

 

Die fünf Schritte – Erwartungen bewusst machen, Wünsche von Forderungen unterscheiden, Herkunft hinterfragen, klar kommunizieren, realen Partner akzeptieren – sind nicht einfach. Sie brauchen Selbstreflexion, Ehrlichkeit und manchmal therapeutische Unterstützung. Aber sie lohnen sich.

 

Die drei Fallbeispiele zeigen: Anna mit ihrer unsichtbaren Checkliste, Robert mit seiner Enttäuschungsspirale, Lisa mit ihrer delegierten Verantwortung – alle drei mussten lernen, Verantwortung für eigenes Glück zu übernehmen. Das ist nicht egoistisch, sondern notwendig. Nur wer sich selbst vervollständigen kann, kann in einer Beziehung wirklich geben und nehmen – statt zu fordern.

 

Wenn Sie chronisch enttäuscht sind in Beziehungen, fragen Sie sich: Erwarte ich vom Partner, mich zu retten? Erwarte ich telepathische Erfüllung unausgesprochener Bedürfnisse? Vergleiche ich den realen Partner mit einem Phantom? Wenn ja: Das ist Ihr Arbeitsfeld. Nicht der Partner muss sich ändern – sondern Ihre Erwartungen.

 

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12. Über mich: Psychotherapeut Mag. Christian Asperger


Psychotherapeut Mag. Christian Asperger

In meiner Rolle als Psychotherapeut integriere ich meine langjährige Erfahrung aus meiner Praxis als Psychotherapeut sowie als Führungskraft in Konzernen mit einer soliden Ausbildung in systemischer Psychotherapie und Coaching.


Mein Ansatz basiert auf dem Verständnis der Menschen im Kontext ihrer sozialen Beziehungen und der Konzentration auf das "Wie" gegenwärtiger Situationen. Ich betrachte Klienten als Experten ihrer eigenen Fälle und vermeide es, Themen zu vertiefen, die sie nicht aktiv einbringen.


Gerne unterstütze ich Sie in meiner Praxis in Wien, um die Arbeit mit Ihrem Thema zu starten. Gemeinsam finden wir Ihren individuellen Weg zu einer glücklichen Beziehung zu sich selbst zurück.





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