top of page

Säulen der Identität: Wie sie unser Selbstbild prägen

  • Autorenbild: Christian Asperger
    Christian Asperger
  • vor 2 Tagen
  • 13 Min. Lesezeit

Es war irgendwann um 2006. Ich stand auf einer Firmenfeier der Telekom und unterhielt mich mit einem Kollegen aus dem Mobilfunkbereich. Um uns herum: Champagner, gute Stimmung, das Gefühl von Aufbruch. Für die Mobilfunk-Leute zumindest. Mein Kollege fragte mich freundlich: 'Du bist doch im Festnetz, oder? Wie lange gibt es das eigentlich noch?' Er meinte es nicht böse. Aber der Satz saß.


Ich arbeitete damals in einem Geschäftsfeld, das langsam starb. Festnetz wurde von Mobilfunk und Internet substituiert - jedes Jahr etwas mehr. Die anderen wurden gefeiert. Wir mussten uns rechtfertigen. Nicht weil wir schlechter waren. Sondern weil die Welt sich drehte. Das war meine erste ernsthafte Begegnung mit einer Frage, die ich damals noch nicht benennen konnte: Was bin ich eigentlich, wenn das, womit ich mich identifiziere, nicht mehr zählt?


Viele Jahre später habe ich das Konzern- und Managerleben hinter mir gelassen - selbst gewählt, nach langer Reflexion - und arbeite heute als systemischer Psychotherapeut und Coach. Aus dieser doppelten Perspektive - Führungskraft und Therapeut - sehe ich täglich, was mit Menschen passiert, wenn ihre berufliche Identität ins Wanken gerät. Und ich weiß aus eigener Erfahrung: Es geht dabei um weit mehr als einen Job.



Kennenlerngespräch
20 Min.
Jetzt buchen


Business Coach Mag. Christian Asperger mit Klient

Das Wichtigste in Kürze – Vertrauen in der Führung


  • Identität ist keine feste Größe: Sie entsteht aus mehreren Säulen - und wenn eine davon wankt, gerät das gesamte Selbstbild unter Druck.

  • Berufliche Identität ist für Führungskräfte besonders zentral: Wer jahrzehntelang über seine Rolle definiert wurde, hat oft wenig alternative Säulen aufgebaut - und ist damit besonders verletzlich.

  • Selbstgewählte vs. erzwungene Transformation: Der entscheidende Unterschied liegt nicht im Wandel selbst, sondern darin, ob er von innen kommt oder von außen aufgezwungen wird.

  • Die fünf Säulen der Identität nach Petzold sind ein nützliches Werkzeug, um zu verstehen, wo man steht - und wo man blinde Flecken hat.

  • Business Coaching hilft, die eigene Identitätsarchitektur zu verstehen: Bevor man Strategien entwickelt, muss man wissen, wer man ist - und wer man sein will.

  • Krisen sind auch Einladungen: Wer eine Identitätskrise durcharbeitet, kommt oft mit einem klareren, stabileren Selbstbild heraus - als vorher.


Podcast - Wer bist du ohne deine Leistung


Wer_bist_du_ohne_deine_Leistung


Inhalt



1. Was sind die Säulen der Identität?

Das Konzept der Säulen der Identität geht auf den deutschen Psychotherapeuten Hilarion Petzold zurück. Er beschreibt Identität nicht als feste Substanz, sondern als ein dynamisches Konstrukt, das von mehreren tragenden Elementen - Säulen - gehalten wird. Fünf dieser Säulen sind besonders zentral:


1. Der Leib: Das körperliche Erleben, Gesundheit, Aussehen, Vitalität. Wer sich in seinem Körper nicht mehr zu Hause fühlt - durch Krankheit, Erschöpfung oder Alter - verliert eine wichtige Grundlage des Selbstgefühls.

2. Das soziale Netzwerk: Familie, Freundschaften, Kollegenbeziehungen, Zugehörigkeit. Wer keine tragenden Beziehungen hat oder sie verliert, verliert auch einen wesentlichen Teil seiner sozialen Identität.

3. Arbeit und Leistung: Das, was man tut, schafft, beiträgt. Für die meisten Erwachsenen in westlichen Gesellschaften ist das eine der stärksten Identitätssäulen - manchmal die stärkste überhaupt.

4. Materielle Sicherheit: Wohnen, Einkommen, wirtschaftliche Stabilität. Nicht Reichtum, sondern das Gefühl, für das eigene Leben sorgen zu können.

5. Werte und existenzielle Grundhaltungen: Was einem wichtig ist, woran man glaubt, welchen Sinn man im eigenen Handeln sieht. Diese Säule trägt dann besonders, wenn andere wanken.


Was Petzolds Modell so nützlich macht: Es macht sichtbar, dass Identität immer im Plural gedacht werden muss. Wer auf einer Säule sehr stabil steht - und die anderen vernachlässigt hat - ist in Krisen besonders gefährdet. Denn wenn diese eine Säule wegbricht, bricht das gesamte Selbstbild zusammen.


2. Warum berufliche Identität so viel Gewicht trägt


Für Führungskräfte, Unternehmer und hochqualifizierte Fachleute ist die dritte Säule - Arbeit und Leistung - oft unverhältnismäßig stark ausgebaut. Das ist kein Zufall. Jahrzehntelange Sozialisation in Leistungsumgebungen, in denen Wert über Beitrag definiert wurde, hinterlässt Spuren.


Was sich in der Coaching-Praxis zeigt: Je höher jemand in einer Organisation aufgestiegen ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass Rolle und Identität in seiner eigenen Wahrnehmung verschmolzen sind. 'Ich bin Geschäftsführer' ist nicht nur eine Funktionsbeschreibung - es ist eine Aussage über das Selbst. Wenn diese Funktion wegfällt oder sich radikal verändert, fällt nicht nur der Job weg. Es fällt die Antwort auf die Frage weg: Wer bin ich?


Hinzu kommt die soziale Dimension: Führungskräfte werden häufig über ihre Rolle angesprochen, eingeladen, respektiert. Das soziale Netzwerk ist oft beruflich konstruiert - nicht trotzdem, sondern weil. Wer den Job verliert, verliert damit oft gleichzeitig Teile des sozialen Netzes. Zwei Säulen auf einmal.


Das erklärt, warum Führungskräfte in Übergangsphasen - Ruhestand, Entlassung, Neuorientierung, Verkauf des Unternehmens - so oft in tiefe Krisen geraten, die von außen unverhältnismäßig wirken. Sie sind es nicht. Sie verlieren buchstäblich die Architektur ihrer Identität.



Manager im Coaching bei Mag. Christian Asperger


3. Fallbeispiel: Andrea - Wenn die Rolle wegfällt

Andrea, 54, kommt ins Coaching nach ihrer Freistellung als Head of People & Culture in einem mittelgroßen Technologieunternehmen. Sie war dort elf Jahre lang tätig - hat die Personalorganisation mit aufgebaut, Teams entwickelt, die Unternehmenskultur mitgestaltet. Dann: Restrukturierung, Stellenabbau, Abfindung. Freundlich, professionell, endgültig.


Sie beschreibt die ersten Wochen danach als 'Freischweben'. Nicht unangenehm - eher unwirklich. Dann, langsam, ein Gefühl, das sie nicht einordnen kann: Wozu stehe ich morgens auf? Was bin ich jetzt eigentlich? Nicht die Frage nach dem nächsten Job - die ist pragmatisch und lösbar. Sondern diese tiefere Frage: Wer bin ich, wenn ich nicht mehr die Personalchefin bin?


Im Coaching arbeiten wir mit einer Identitätskarte: Andrea zeichnet ihre fünf Säulen und schätzt ein, wie stark jede davon in den letzten Jahren wirklich getragen hat. Das Bild, das entsteht, überrascht sie: Die Arbeitssäule war enorm - fast alles. Das soziale Netzwerk? Zu 80 Prozent beruflich. Die Wertesäule? Da. Aber wenig gelebt. Der Leib? Vernachlässigt. 'Ich habe nie Zeit gehabt', sagt sie. Und dann, leise: 'Ich habe mir nie Zeit gegeben.'


Die Coaching-Arbeit verschiebt sich von der Frage 'Was mache ich als nächstes?' zur Frage 'Was will ich eigentlich?' Andrea beginnt, die anderen Säulen aktiv zu pflegen - Sport, Freundschaften außerhalb des Berufs, ein ehrenamtliches Projekt, das sie schon lange interessiert hat. Drei Monate später hat sie mehrere Jobangebote. Sie nimmt keines davon sofort an. Zum ersten Mal seit Jahren fragt sie nicht: 'Passt das zu meinem Lebenslauf?' Sondern: 'Passt das zu mir?'



4. Selbstgewählt vs. erzwungen: Der entscheidende Unterschied

In der Arbeit mit Menschen in beruflichen Übergängen ist mir eine Unterscheidung immer wieder als zentral aufgefallen: ob die Veränderung selbstgewählt ist oder von außen aufgezwungen wurde. Das klingt banal - ist es aber nicht.


Der Psychologe Julian Rotter beschrieb die internale vs. externale Kontrollüberzeugung: Menschen mit internaler Überzeugung erleben sich als Gestalter ihres Lebens. Menschen mit externaler Überzeugung erleben sich als Getriebene äußerer Umstände. Bei Identitätstransformationen spielt dieser Unterschied eine fundamentale Rolle.

Wer selbst entscheidet, seine berufliche Identität zu verändern - ein Unternehmen zu verkaufen, eine Führungsrolle abzugeben, einen Berufswechsel einzuleiten - erlebt dies als Abenteuer, auch wenn es anstrengend ist. Man ist Autor der eigenen Geschichte. Man hat Kontrolle über das Tempo, die Richtung, den Prozess.


Wer dagegen von außen aus seiner Rolle gedrängt wird - durch Kündigung, Restrukturierung, Marktveränderungen, disruptive Technologien - erlebt dies als Bedrohung. Die Reaktion des Nervensystems ist eine andere: nicht neugierige Öffnung, sondern Alarmzustand. Dieselbe Veränderung - von A nach B - fühlt sich grundlegend anders an, je nachdem, wessen Entscheidung sie war.


Für die Identitätssäulen bedeutet das: Bei selbstgewählten Übergängen werden die Säulen aktiv umgebaut - man weiß, wohin man will, und kann entsprechend vorbereiten. Bei erzwungenen Übergängen bricht etwas ein. Und das braucht Zeit, Raum - und oft Begleitung.

 


Business Coach Mag.Christian Asperger in seiner Praxis

Kennenlerngespräch
20 Min.
Jetzt buchen

5. Fallbeispiel: Tobias - Immer in Bewegung, nie angekommen


Tobias, 33, Unternehmensberater mit internationalem Profil, kommt ins Coaching mit einer Frage, die er selbst als 'eigentlich lächerlich' bezeichnet: Er hat eine gute Karriere, wird geschätzt, verdient gut. Und trotzdem wechselt er die Stelle alle acht bis zwölf Monate. Jedes Mal gibt es einen plausiblen Grund. Jedes Mal glaubt er, beim nächsten Job werde er sich endlich richtig aufgehoben fühlen. Jedes Mal passiert das nicht.


Im Coaching wird schnell sichtbar, was hinter dem Muster steckt: Tobias hat seine Identität fast ausschließlich über Leistung und Erfolg definiert - eine einzige, extrem ausgebaute Säule. Jede neue Stelle bietet zunächst den Kick der Bestätigung: Er ist gefragt, er ist gut, er wird gelobt. Sobald die Anfangseuphorie nachlässt und Alltag einkehrt, folgt dasselbe Gefühl: Irgendwie nicht wirklich hier. Irgendwie nicht wirklich ich.


Die Coaching-Arbeit fokussiert auf eine Frage, die Tobias zunächst überfordert: Wer bist du, wenn du nichts leistest? Nicht als Vorwurf - sondern als echte Erkundung. Was macht ihm Freude, unabhängig von Erfolg? Welche Beziehungen hat er, die nichts mit seiner Karriere zu tun haben? Was würde er tun, wenn niemand es bewertet? Diese Fragen sind ungewohnt - und aufschlussreich.


Tobias entdeckt im Coaching, dass er Wurzeln vermisst - nicht im Sinne von Sesshaftigkeit, sondern im Sinne von Zugehörigkeit. Er beginnt, gezielt in Beziehungen zu investieren, die nicht instrumental sind. Sein Wechselimpuls beim nächsten Job kommt nach acht Monaten wieder. Diesmal erkennt er ihn. Und bleibt - nicht aus Pflicht, sondern weil er zum ersten Mal sieht: Das Gefühl der Leere kommt nicht vom Job. Es kommt von innen.


6. Die Festnetz-Falle: Was ich aus meiner Konzernzeit gelernt habe


Was ich damals auf dieser Firmenfeier gespürt habe, war nichts anderes als eine Erschütterung meiner dritten Säule - Arbeit und Leistung. Nicht weil meine Arbeit schlechter geworden war. Sondern weil das Umfeld begann, ihr einen anderen Wert zuzuschreiben. Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied.


In den Jahren danach habe ich in einem Unternehmen gearbeitet, das kontinuierlich schrumpfte. Festnetz verlor Marktanteile an Mobilfunk und Internet - jedes Jahr ein bisschen mehr. Was das mit einer Belegschaft macht, die täglich mit dem Signal konfrontiert wird 'Euer Bereich ist sterbend': Es erzeugt eine permanente Grundangst. Nicht die heiße Angst der akuten Bedrohung - sondern die kalte Angst des langsamen Verlustes. Man gewöhnt sich daran, sich zu rechtfertigen. Man gewöhnt sich daran, weniger zu sein als die anderen.


Als ich viele Jahre später entschied, die Konzernwelt zu verlassen und Psychotherapeut zu werden, war das eine fundamental andere Erfahrung. Ich war der Autor dieser Veränderung. Es war anstrengend, ungewiss, manchmal erschreckend - aber es gehörte mir. Dieser Unterschied zwischen 'Die Welt verändert mich' und 'Ich verändere mich' ist einer der tiefgreifendsten Unterschiede, den ich aus eigener Erfahrung kenne.


Was ich heute als Coach und Therapeut daraus mitnehme: Identitätssicherheit entsteht nicht aus stabilen äußeren Umständen. Sie entsteht aus der Überzeugung, auch in instabilen Umständen Gestalter zu sein. Wer seine Identität auf mehrere Säulen verteilt und wer eine klare innere Haltung zu dem hat, was er wirklich will - der kann auch Erschütterungen standhalten. Nicht ohne Schmerz. Aber ohne zu zerbrechen.



7. Fallbeispiel: Martin - Der Unternehmer, der sich selbst verlor

Martin, 58, hat sein Beratungsunternehmen nach 24 Jahren erfolgreich verkauft. Finanziell abgesichert, gut verhandelt, rechtzeitig. Alles, wie es sein sollte. Sechs Monate später sitzt er im Coaching und kann nicht erklären, warum er sich so leer fühlt. 'Ich habe alles richtig gemacht', sagt er. 'Warum fühlt sich das so falsch an?'


Martin hat sein Unternehmen nicht nur geführt - er war es. Sein Name stand an der Tür. Seine Werte prägten die Kultur. Sein Netzwerk war das Unternehmensnetzwerk. Er hat 24 Jahre lang Identität und Rolle so eng verflochten, dass er den Unterschied nicht mehr wahrnahm - bis beides auf einmal weg war.


Im Coaching arbeiten wir zunächst mit der Identitätssäulen-Analyse: Martin erkennt, dass drei seiner fünf Säulen nahezu ausschließlich durch das Unternehmen getragen wurden. Arbeit, soziales Netz, materielle Identität - alles war das Unternehmen. Was blieb: der Leib (den er vernachlässigt hatte) und Werte (die er hatte, aber selten ausgelebt hatte).


Die entscheidende Coaching-Frage für Martin lautet nicht: Was machst du als nächstes? Sie lautet: Wer warst du vor dem Unternehmen - und wer willst du nach ihm sein? Das ist eine biographische Frage, keine Karrierefrage. Martin beginnt, alte Interessen wieder aufzunehmen - Architektur, Reisen, ein Mentoring-Programm für junge Gründer. Kein neues Unternehmen. Aber eine Identität, die wieder auf mehreren Beinen steht. Zwei Jahre nach dem Verkauf beschreibt er sich als 'zum ersten Mal wirklich frei'. Nicht weil er kein Unternehmen mehr hat. Sondern weil er weiß, wer er auch ohne eines ist.



8. Was ein stabiles Selbstbild ausmacht


Aus der Coaching-Arbeit und aus der eigenen Biografie lassen sich einige Merkmale destillieren, die ein stabiles Selbstbild von einem fragilen unterscheiden - auch und gerade in Zeiten von Veränderung.


Mehrere Säulen, keine monolithische. Wer seine Identität bewusst auf verschiedene Bereiche verteilt - Beruf, Beziehungen, Körper, Werte, Sicherheit - hat ein breiteres Fundament. Wenn eine Säule erschüttert wird, tragen die anderen mit.


Innere Haltung statt äußerer Bestätigung. Ein stabiles Selbstbild speist sich nicht primär aus dem, was andere zurückspiegeln - Status, Titel, Anerkennung. Es speist sich aus einer inneren Überzeugung darüber, wer man ist und was man wertschätzt. Diese innere Haltung ist robuster gegenüber äußeren Veränderungen.


Biographische Kontinuität. Wer eine kohärente Geschichte über sich selbst erzählen kann - woher ich komme, was mich geprägt hat, wohin ich will - hat ein narratives Fundament. Der Psychologe Dan McAdams spricht von der narrativen Identität: Ich bin der Autor meiner Geschichte, auch wenn ich nicht alle Kapitel kontrolliere.


Flexibilität bei stabilen Kernwerten. Stabiles Selbstbild bedeutet nicht Starrheit. Es bedeutet, klare Werte zu haben, die sich nicht von jeder Veränderung erschüttern lassen - und gleichzeitig flexibel genug zu sein, neue Rollen, neue Kontexte, neue Lebensabschnitte anzunehmen.


Umgang mit Enttäuschung und Verlust. Wer gelernt hat, Verluste zu integrieren ohne zusammenzubrechen - Misserfolge, Veränderungen, das Ende von Rollen - hat eine Resilienz entwickelt, die das Selbstbild langfristig stärkt.



Klientin im Business Coaching bei Mag. Christian Asperger


9. Was Business Coaching zur Identitätsarbeit beitragen kann


Business Coaching wird häufig mit konkreten Themen assoziiert: Führungskompetenz, Kommunikation, Strategie, Konfliktlösung. Das alles gehört dazu. Aber die tiefere Dimension, die in meiner Coaching-Praxis regelmäßig relevant wird, ist die Identitätsfrage. Nicht als Selbstzweck - sondern weil nachhaltige berufliche Entscheidungen nur auf dem Boden einer klaren Identität entstehen.


Was Business Coaching im Bereich Identität konkret leisten kann:


  • Säulen sichtbar machen: Welche Bereiche tragen meine Identität - und wie stark? Wo sind Ungleichgewichte, die ich bisher nicht gesehen habe?

  • Rollen und Identität trennen: Was von dem, was ich tue, bin wirklich ich - und was ist Rolle? Diese Unterscheidung ist der erste Schritt zu echten Entscheidungen.

  • Biographische Arbeit: Was hat mich geprägt? Welche Überzeugungen über mich selbst stammen aus Erfahrungen, die ich nie hinterfragt habe? Wer wollte ich werden - und wer bin ich geworden?

  • Innere Haltung stärken: Was sind meine tatsächlichen Werte - nicht die, die ich kommuniziere, sondern die, nach denen ich lebe? Wo gibt es Diskrepanz?

  • Übergänge gestalten: Ob Stellenwechsel, Ruhestand, Unternehmensnachfolge oder Neuorientierung - wie bleibt man in Übergangsphasen mit sich verbunden?

 

Was Coaching dabei nicht ersetzt:


Psychotherapie, wenn Identitätskrisen tiefere Wurzeln haben - frühe Prägungen, unverarbeitete Verluste, anhaltende Erschöpfung.


In meiner Praxis arbeite ich mit Führungskräften und Unternehmern sowohl als Coach als auch als Therapeut - und die Grenze zwischen beiden Formaten ist fließend. Was zählt, ist nicht das Label. Sondern die Frage: Hilft es?



10. FAQ - Häufig gestellte Fragen


Was bedeutet 'Säulen der Identität' konkret?

Das Konzept nach Hilarion Petzold beschreibt Identität als ein Konstrukt aus fünf tragenden Bereichen: Leib, soziales Netzwerk, Arbeit und Leistung, materielle Sicherheit sowie Werte und existenzielle Grundhaltungen. Je stabiler und ausgeglichener diese fünf Säulen sind, desto widerstandsfähiger ist das Selbstbild gegenüber Belastungen und Veränderungen.

Warum geraten Führungskräfte nach dem Ruhestand so häufig in Krisen?

Weil für viele Führungskräfte die berufliche Rolle die dominierende Identitätssäule war - und mit dem Ruhestand nicht nur ein Job endet, sondern das Selbstbild. Titel, Netzwerk, Tagesstruktur, Bestätigung - all das geht gleichzeitig verloren. Wer frühzeitig andere Säulen aufbaut, ist deutlich besser vorbereitet.

Was ist der Unterschied zwischen einem Selbstbild und einer Rolle?

Eine Rolle ist eine soziale Funktion - Geschäftsführer, Projektleiter, Elternteil. Das Selbstbild ist das innere Bild von sich selbst, das über Rollen hinausgeht. Problematisch wird es, wenn Rolle und Selbstbild so eng verschmelzen, dass man sich ohne die Rolle nicht mehr kennt.

Wie erkenne ich, dass meine Identität zu stark auf der Arbeit beruht?

Einige Hinweise: Ohne Arbeit wissen Sie nicht, wie Sie den Tag verbringen sollen. Ihr soziales Netzwerk besteht fast ausschließlich aus beruflichen Kontakten. Sie definieren sich in Gesprächen fast immer über Ihren Job. Urlaub fühlt sich nach kurzer Zeit sinnlos an. Bei Jobverlust bricht nicht nur eine Einkommensquelle weg, sondern das Gefühl für sich selbst.

Was ist der Unterschied zwischen selbstgewählter und erzwungener Identitätstransformation?

Bei selbstgewählten Übergängen bleibt das Gefühl der Selbstwirksamkeit erhalten - man ist Gestalter. Bei erzwungenen Übergängen entsteht Kontrollverlust, der das Nervensystem in Alarmbereitschaft versetzt. Dieselbe Veränderung fühlt sich fundamental anders an, je nachdem, wessen Entscheidung sie war.

Ab wann braucht man Coaching statt Eigenreflexion?

Wenn die Fragen zu groß werden, um sie allein zu bearbeiten. Wenn man in Mustern feststeckt, die sich allein nicht lösen. Wenn berufliche Entscheidungen immer wieder an derselben Stelle stocken. Coaching schafft einen strukturierten Rahmen für Reflexion - mit einer Außenperspektive, die der Spiegel nicht bietet.

Ist Identitätsarbeit im Coaching oder in der Therapie besser aufgehoben?

Das hängt von der Tiefe ab. Bei akuten Übergängen, Neuorientierungen und beruflichen Entscheidungen: Coaching. Wenn dahinter tiefere Muster stecken - frühe Prägungen, anhaltende Erschöpfung, wiederkehrende Krisen - kann Psychotherapie sinnvoller sein. Beides kann sich ergänzen.

Wie lange dauert es, eine neue berufliche Identität aufzubauen?

Das ist individuell sehr unterschiedlich und hängt davon ab, wie stark die alte Identität war, wie viel Reflexionsarbeit jemand schon geleistet hat und welchen Kontext die Veränderung hat. In meiner Erfahrung: erste spürbare Verschiebungen nach drei bis sechs Monaten, tiefere Stabilisierung nach einem bis zwei Jahren.



11. Fazit: Säulen der Identität


Der Kollege auf der Telekom-Feier hat nicht ahnen können, welche Frage er mit seinem beiläufigen Satz in mir ausgelöst hat. Eine Frage, die mich durch den Konzernalltag begleitet hat, durch den Wechsel in die Selbständigkeit, durch die Ausbildung zum Therapeuten - und die ich heute mit meinen Klienten bearbeite: Wer bin ich wirklich, wenn die Rolle weg ist?


Andrea hat gelernt zu fragen, was zu ihr passt - statt was zu ihrem Lebenslauf passt. Tobias hat entdeckt, dass die Leere, die er immer wieder floh, in ihm war - nicht im Job. Martin hat nach 24 Jahren Unternehmen zum ersten Mal erlebt, wer er ohne es ist. Alle drei mussten dafür innehalten - und sich eine Frage stellen, für die im Alltag selten Zeit ist.


Die Säulen der Identität sind kein abstraktes Modell. Sie sind ein Spiegel. Wer ehrlich hineinschaut, sieht schnell, wo er steht - und wo er blinde Flecken hat. Das kann unbequem sein. Aber es ist die Voraussetzung für Entscheidungen, die wirklich die eigenen sind.


Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre Identität gerade unter Druck steht - durch Veränderung, Verlust oder einfach durch die Frage: Ist das wirklich das Leben, das ich will? - dann könnte ein Gespräch der Anfang von etwas sein.


Kennenlerngespräch
20 Min.
Jetzt buchen


12. Über mich: Business Coach Mag. Christian Asperger


Business Coach Mag. Christian Asperger

In meiner Rolle als Psychotherapeut integriere ich meine langjährige Erfahrung aus meiner Praxis als Psychotherapeut sowie als Führungskraft in Konzernen mit einer soliden Ausbildung in systemischer Psychotherapie und Coaching.


Mein Ansatz basiert auf dem Verständnis der Menschen im Kontext ihrer sozialen Beziehungen und der Konzentration auf das "Wie" gegenwärtiger Situationen. Ich betrachte Klienten als Experten ihrer eigenen Fälle und vermeide es, Themen zu vertiefen, die sie nicht aktiv einbringen.


Gerne unterstütze ich Sie in meiner Praxis in Wien, um die Arbeit mit Ihrem Thema zu starten. Gemeinsam finden wir Ihren individuellen Weg zu einer glücklichen Beziehung zu sich selbst zurück.







bottom of page