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Mag. Christian Asperger

Systemischer Coach &

Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision

 

Praxis

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1020 Wien

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© 2019 | Mag. Christian Asperger

  • Christian Asperger

Was ist systemische Familientherapie?

Muss ich mit meiner ganzen Familie nun zur Therapie kommen? Und was bitte hat ein System damit zu tun?



Systemische Familientherapie bedeutet, Menschen im Kontext ihrer sozialen Beziehungen zu verstehen: in der therapeutischen Arbeit wird darauf geachtet, wie Personen über sich und andere denken und kommunizieren. Was sie für falsch und richtig halten, welche Bedeutung sie einer Handlung geben, unter welchen äußeren und inneren Einflüssen sie stehen. In der Therapie können so neue Sicht- und Verhaltensweisen angeregt werden.


“Von einem entweder / oder zu einem sowohl / als auch.”

Systemisches Denken ist von Konzepten wie Zirkularität und Selbstorganisation geprägt. Wichtige Bezugspersonen und der jeweilige Kontext der Situation sind dabei von großer Bedeutung. Dies können Interaktionen mit Mitgliedern der Herkunftsfamilie, der eigenen Familie oder andere relevante Bezugssysteme wie Freunde, Bekannte oder Arbeitskollegen sein.


Darüber hinaus ist Frage nach dem "Wie“ und der Gegenwart wichtiger als jene nach dem "Warum“ von Verhaltensweisen und der Vergangenheit. Von einer scheinbar linearen "entweder / oder" Denkweise geht es auch darum, alternative Handlungsspielräume in einem "sowohl / als auch" zu ermöglichen.


Warum ist die systemische Haltung bzw. das zugrundeliegende Menschenbild für mich passend?


Es gibt mehrere Gründe, warum ich mich für das Fachspezifikum der systemischen Familientherapie entschieden habe. Zunächst war es sicher der Konnex zu einer vorangegangenen Ausbildung im systemischen Coaching. Hier bin ich zum ersten Mal mit wichtigen Eckpfeilern der systemischen Grundhaltung in Berührung gekommen. Die stark ressourcenorientierte Haltung erschien mir hier zu Beginn als besonders hilfreich. In Kombination mit den vielen für mich logischen Methoden gab es dazu auch noch praktische Beispiele, wie ich das erlernte Wissen einsetzen konnte. Im Rahmen des psychotherapeutischen Propädeutikums versuchte ich meine Neugier für andere Psychotherapierichtungen, die ich noch nicht kannte, zu öffnen. Ironischerweise war gerade die Neugier eine weitere wichtige systemische Grundhaltung und so hatte ich auch hier bald Gewissheit, dass ich in dieser Fachrichtung gut aufgehoben bin.


Ein weiterer wichtiger, theoretischer Hintergrund der systemischen Familientherapie ist der Konstruktivismus. Die Konstruktion der eigenen Wirklichkeit und das Wissen darum ist für mich ein weiteres Fundament der systemischen Grundhaltung. Die Offenheit für unterschiedliche Wirklichkeiten und somit auch die Abkehr von der EINEN Wahrheit ist hierbei für mich ein wesentlicher Kern. In meinem beruflichen Umfeld wurde ich immer wieder mit Entscheidungen konfrontiert. Dabei verbrachten wir manchmal Stunden in Meetings oder mit Konzepten und Business Plänen, um objektiv die eine - und gleichzeitig auch richtige - Entscheidung herbeiführen zu können. Doch genau an diesem Punkt nahm das Verhängnis seinen Lauf. Es gibt zwei Arten von Entscheidungen, nämlich jene, die man trifft oder jene, die man eben nicht trifft. Anstatt die ganze Energie in Analysen, Simulationen oder Diskussionen zu stecken, geht es darum, in die individuelle Wirklichkeit des Anderen eintauchen zu können und jedem Menschen mit Neugier und aufrichtigem Interesse zu begegnen.



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Muss ich in einer systemischen Familietherapie alle Themen meiner Kindheit und Familie bearbeiten?


“If it is not broken, do not fix it.”

Unsere Klienten sind die Experten. Solange sie nicht darauf bestehen ein bestimmtes Thema tiefer ergründen zu wollen, bewegen wir uns als systemische Psychotherapeuten weg davon. Es ist auch meiner Ansicht nach absolut nicht notwendig bei KlientInnen Fenster oder Türen zu öffnen, die in unserem "Haus" für reichlich Zugluft sorgen und uns viel Mühe bereiten genau jene Öffnungen wieder sorgfältig zu schließen. Eine systemische Psychotherapie soll nicht länger als nötig laufen. Die Klienten entscheiden wann, wie lange und wie oft sie kommen möchten.


Es geht uns darum gemeinsam in der Therapie eine Sprache in der Lösungsentwicklung zu etablieren. Dies ist eine andere als die zur Beschreibung eines Problems. Es ist eine positive, hoffnungs- und zukunftsorientierte Sprache. Keine Probleme existieren fort- und immerwährend. Es gibt immer Ausnahmen, mögen diese auch noch so klein sein, wo wir als PsychotherapeutInnen unterstützen können, diese wahrzunehmen. Auch wenn ein dickes Wolkenfeld die Sonne im Augenblick verdecken mag, so ist dieses trotzdem da. Vielleicht kann man es zu dieser Zeit nur von einem anderen Ort oder aus dem Flugzeug aus sehen. Aber so sicher wie die Wolken gekommen sind, so sicher ziehen sie auch wieder weiter.


Genau jene Ereignisse und Ausnahmen sind es, die uns Zuversicht, Hoffnung und Energie geben. In der Klienten-Psychotherapeuten-Beziehung kann sich durch eine detaillierte Beschreibung dieser Ereignisse ein besonders wertvolles Ressourcenfeld entwickeln. Der Transfer der Zuversicht in den Alltag und in herausfordernde Situationen sind dann der nächste Schritt. Auch kleine Schritte können zu großen Veränderungen führen und eine weitere wichtige Erkenntnis der lösungsorientierten Therapie ist, dass die Zukunft sowohl etwas Geschaffenes als auch etwas Verhandelbares ist.


* Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit verwende ich abwechselnd die weibliche oder männliche Form. Männer und Frauen sind natürlich gleichermaßen angesprochen.