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Trauma durch Verlassenwerden: Wie man die Wunden heilt

Autorenbild: Christian Asperger
Christian Asperger
vor 7 Minuten
6 Min. Lesezeit

Er schreibt die dritte Nachricht innerhalb von zehn Minuten. Keine Antwort – und sofort ist da die Angst: Sie hat mich verlassen. Dabei sitzt seine Partnerin vielleicht nur im Zug ohne Empfang.

Was von außen übertrieben wirkt, kann die Folge früher Erfahrungen von Verlassenheit sein. Der Körper reagiert dann weniger auf das Hier und Jetzt als auf alte Verletzungen.


In meiner Praxis in Wien zeigt sich dieses Muster häufig hinter Eifersucht, starker Verlustangst oder Konflikten, die sich plötzlich wie das Ende einer Beziehung anfühlen.


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Psychotherapeutisches Gespräch mit tiergestützter Begleitung durch Kaija bei Verlassenheitstrauma, Praxis Wien


Trauma durch Verlassenwerden – Das Wichtigste in Kürze


  • Ein Verlassenheitstrauma entsteht meist durch reale oder gefühlte Trennungserfahrungen in der Kindheit, nicht erst im Erwachsenenalter.

  • Die Reaktionen darauf (Kontrollverhalten, Rückzug, starke Eifersucht) sind erlernte Schutzstrategien, keine Charakterschwäche.

  • Das Urvertrauen, also die Grundüberzeugung „ich bin sicher gehalten“, wird in den ersten Lebensjahren geprägt und lässt sich auch später noch nachreifen.

  • Traumafokussierte Verfahren wie EMDR können die alte Erfahrung von der aktuellen Beziehung entkoppeln.

  • Der Weg führt selten über einen einzelnen Durchbruch, sondern über viele kleine Momente, in denen Nähe sich sicher anfühlt.




Podcast – Trauma durch Verlassenwerden


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Inhalt




1. Wenn die Angst vor dem Verlassenwerden bleibt


Ein Verlassenheitstrauma zeigt sich selten dort, wo man es erwarten würde. Es meldet sich nicht nur in großen Krisen, sondern in kleinen Alltagsmomenten. Eine unbeantwortete Nachricht. Ein Partner, der einen Abend allein verbringen will. Eine Freundin, die kurz angebunden klingt.


Für Menschen, die früh die Erfahrung gemacht haben, dass wichtige Bezugspersonen unzuverlässig, abwesend oder plötzlich weg waren, sind das keine neutralen Situationen. Der Körper schaltet in einen Alarmzustand, lange bevor der Kopf die Lage einordnen kann. Herzrasen, ein Kloß im Hals, der Impuls, sofort etwas zu tun, um die Distanz zu schließen.


Wichtig zu verstehen: Diese Reaktion ist keine Übertreibung und kein Zeichen von Bedürftigkeit. Sie ist ein gut trainiertes Warnsystem, das in einer früheren Situation überlebenswichtig war. Auch verdrängte Trauer folgt oft einer ähnlichen Logik: Der Körper hält fest, was der Kopf noch nicht verarbeiten konnte.



2. Wie frühe Erfahrungen das Urvertrauen prägen


Der Begriff Urvertrauen beschreibt eine sehr grundlegende Überzeugung, die sich in den ersten Lebensjahren bildet: Wenn ich etwas brauche, kommt jemand. Wenn ich falle, wird mich jemand auffangen. Kinder entwickeln diese Überzeugung nicht durch das, was Eltern sagen, sondern durch das, was tatsächlich passiert, wenn sie Nähe oder Trost brauchen.


Bricht diese Verlässlichkeit früh weg, etwa durch den Tod eines Elternteils, eine Scheidung mit wenig Begleitung, längere Klinikaufenthalte oder emotionale Abwesenheit trotz körperlicher Anwesenheit, verändert sich diese Grundüberzeugung. An ihre Stelle tritt oft ein leiserer Satz: Ich muss auf mich selbst aufpassen, weil ich mich auf niemanden wirklich verlassen kann. Manchmal entwickelt sich daraus auch Bindungsangst, also der Rückzug bei zu viel Nähe, noch bevor Enttäuschung überhaupt möglich wird.


Die Bindungsforschung, die maßgeblich auf den britischen Psychiater John Bowlby zurückgeht, beschreibt genau diesen Mechanismus: Frühe Bindungserfahrungen werden zu einem inneren Muster, an dem spätere Beziehungen gemessen werden, meist unbewusst. Das erklärt, warum manche Menschen selbst in stabilen, liebevollen Partnerschaften weiter mit einem Gefühl von Unsicherheit leben.


Tiergestützte Psychotherapie mit Kaija in der Praxis von Christian Asperger in Wien – Vertrauensaufbau bei Bindungstrauma


3. Wie sich das Verlassenheitstrauma im Alltag zeigt


In der Praxis sehe ich sehr unterschiedliche Ausprägungen. Manche Klient:innen werden bei drohender Nähe unruhig und ziehen sich zurück, noch bevor sie enttäuscht werden können. Andere klammern sich an eine Beziehung und nehmen dabei viel in Kauf, aus Angst, dass ein Konflikt automatisch zur Trennung führt. Diese Dynamik zeigt sich häufig auch als Verlustangst mit körperlichen Symptomen, etwa Herzrasen oder innere Unruhe bei kleinsten Anzeichen von Distanz.


Wieder andere haben früh gelernt, niemandem zur Last zu fallen. Sie wirken nach außen extrem unabhängig, übernehmen viel Verantwortung und tun sich schwer damit, überhaupt um Hilfe zu bitten. Diese Strategie schützt vor erneuter Enttäuschung, kostet aber auf Dauer viel Kraft.


Was diese Muster verbindet: Sie folgen nicht der aktuellen Beziehung, sondern einer alten Gleichung. Ein Streit wird zur potenziellen Trennung, eine kurze Funkstille zum Beweis, nicht wichtig genug zu sein. Erst wenn dieser Automatismus sichtbar wird, lässt sich an ihm arbeiten.



4. Der Weg zu mehr Sicherheit in Beziehungen


Ein Verlassenheitstrauma verschwindet nicht durch Einsicht allein. Zu wissen, woher die Reaktion kommt, hilft, verändert aber noch nicht automatisch das Nervensystem. In der Therapie arbeite ich deshalb meist auf mehreren Ebenen gleichzeitig, manchmal auch gemeinsam mit Klient:innen, die zuvor eine destruktive Beziehung verarbeiten mussten, bevor an alten Bindungsmustern gearbeitet werden konnte.


Traumafokussierte Verfahren wie EMDR helfen dabei, ein zentrales Erlebnis des Verlassenwerdens so zu verarbeiten, dass es seine emotionale Wucht verliert. Die Erinnerung bleibt bestehen, verliert aber die Fähigkeit, die Gegenwart zu überschreiben. Mehr zur Methode erklärt auch das EMDR Institut Deutschland.


Parallel dazu geht es um sehr konkrete Fähigkeiten: Unterscheiden zu lernen zwischen einer alten Verletzung und der aktuellen Situation. Aushalten zu lernen, dass eine Partnerin oder ein Partner kurz nicht erreichbar ist, ohne das sofort zu deuten. Und Grenzen zu setzen, ohne befürchten zu müssen, dafür verlassen zu werden.


Diese Schritte lassen sich nicht erzwingen. Sie brauchen Zeit und, das ist wichtig, wiederholte Erfahrungen von Sicherheit, die dem alten Muster widersprechen.



5. Aus der Praxis: Allein zurechtkommen müssen


Ein Klient kam zunächst gemeinsam mit seiner Partnerin in die Praxis, wegen wiederkehrender Krisen und eines Vertrauensbruchs in der Beziehung. Im Verlauf der Gespräche wurde klar, dass ein großer Teil davon mit seiner eigenen Geschichte zu tun hatte. Als Teenager hatte sich sein Vater das Leben genommen. Die Mutter starb einige Jahre später an einer schweren Krankheit. Er wuchs danach großteils auf sich allein gestellt auf.


Reagierte seine Partnerin nicht sofort, fühlte er sich zurückgewiesen und wertlos, ganz ähnlich wie damals als Jugendlicher. Aus dieser alten Verletzung heraus entstand schnell Wut, die eigentlich aus einer anderen Zeit stammte. Gleichzeitig hatte er gelernt, niemandem zur Last zu fallen, und übernahm deshalb lieber selbst die Kontrolle, auch wenn ihn das erschöpfte.


In Einzelsitzungen haben wir mit EMDR ein zentrales Erlebnis des Alleingelassenwerdens bearbeitet. Parallel sind wir Fragen der Selbstfürsorge, des Grenzensetzens und des Aufbaus eines tragfähigeren Beziehungsnetzwerks nachgegangen, weil er zu lange versucht hatte, alles allein zu bewältigen.


Nach dieser Arbeit gelang es ihm zunehmend, im Moment zu bleiben, statt in Gedankenkreisen und Wut abzurutschen. Er konnte Grenzen setzen, auch wenn seine Partnerin darauf zunächst enttäuscht reagierte, ohne sich dafür sofort schuldig zu fühlen. Ein einfacher Weg war das nicht, und ist es bei den meisten Klient:innen auch nicht.


Wenn Sie das Gefühl haben, dass alte Verlusterfahrungen Ihre heutigen Beziehungen mitbestimmen, kann eine traumafokussierte Einzeltherapie helfen, diese Muster zu erkennen und schrittweise zu verändern.


Einzeltherapie mit tiergestützter Begleitung in der Praxis von Christian Asperger, Wien – Weg zu mehr Sicherheit nach Verlassenheitstrauma

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6. FAQ – Häufige Fragen zu Verlassenheitstrauma


Was ist ein Verlassenheitstrauma genau?

Ein Verlassenheitstrauma bezeichnet die psychischen Folgen einer realen oder subjektiv erlebten Trennungserfahrung in einer Lebensphase, in der ein Kind auf verlässliche Bindungspersonen angewiesen ist. Es zeigt sich meist als starke Angst vor Zurückweisung oder Verlust im Erwachsenenleben.

Ja. Neben klaren Ereignissen wie Tod oder Scheidung kann auch anhaltende emotionale Abwesenheit von Bezugspersonen, etwa durch Krankheit, Sucht oder Überforderung, ein solches Muster auslösen.

Typische Hinweise sind starke emotionale Reaktionen auf kleine Anzeichen von Distanz, Schwierigkeiten, allein zu sein, sowie das Gefühl, Beziehungen ständig kontrollieren oder absichern zu müssen.

EMDR ist ein gut untersuchtes Verfahren zur Traumaverarbeitung, aber nicht die einzige wirksame Methode. Ob es passt, hängt von der individuellen Situation ab und wird im Erstgespräch gemeinsam geklärt.

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Manche Klient:innen bemerken erste Veränderungen nach wenigen Monaten, bei anderen dauert der Prozess länger. Entscheidend ist weniger die Geschwindigkeit als die Richtung.



7. Fazit: Trauma durch Verlassenwerden


Ein Verlassenheitstrauma ist keine Charakterschwäche und kein Beweis dafür, nicht liebenswert zu sein. Es ist eine gelernte Reaktion auf eine reale frühere Erfahrung, die sich mit der richtigen Unterstützung verändern lässt. Der Weg dorthin führt selten über einen einzigen Wendepunkt, sondern über viele kleine Erfahrungen, in denen sich Nähe zum ersten Mal wieder sicher anfühlt.



8. Über mich: Psychotherapeut & Business-Coach Mag. Christian Asperger


Mag. Christian Asperger, Psychotherapeut und Business Coach in Wien

In meiner Arbeit als Psychotherapeut in Wien begegne ich häufig Menschen, deren aktuelle Beziehungsmuster sich erst durch ihre Geschichte wirklich erklären lassen. Meine Ausbildung in systemischer Psychotherapie und traumafokussierten Verfahren wie EMDR erlaubt es mir, sowohl die aktuelle Beziehungsdynamik als auch die zugrunde liegende Verletzung in den Blick zu nehmen.


Klient:innen sind für mich Expert:innen ihrer eigenen Geschichte. Meine Aufgabe ist es, gemeinsam mit ihnen die Verbindung zwischen früher Erfahrung und heutigem Verhalten sichtbar zu machen, ohne dabei etwas zu beschönigen oder zu dramatisieren.


Sie möchten über Ihre Situation sprechen? Vereinbaren Sie gerne ein Erstgespräch in meiner Praxis in Wien.


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