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Die Entwicklung der Emotionen bei Kindern: Phasen und Förderung

  • Autorenbild: Christian Asperger
    Christian Asperger
  • 1. Aug.
  • 7 Min. Lesezeit

Sozial-emotionale Kompetenz ist laut Forschung des Springer-Verlags einer der stärksten Prädiktoren für Schulerfolg, Lernmotivation und langfristiges Wohlbefinden. Eine internationale OECD-Studie von 2021 bestätigte: Empathie, Gefühlsregulation und Stressresistenz beeinflussen schulische Leistungen – mehr als viele kognitive Fähigkeiten. Die emotionale Entwicklung ist damit keine Soft Skill am Rand des Erziehungsalltags. Sie ist das Fundament.


Und doch wird sie häufig unterschätzt oder dem Zufall überlassen. Dieser Artikel erklärt die Phasen der Entwicklung von Emotionen bei Kindern, zeigt aus systemischer Perspektive, wie Eltern aktiv fördern können – und wann professionelle Unterstützung sinnvoll ist.


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Entwicklung der Emotionen bei Kindern – Das Wichtigste in Kürze


  • Sozial-emotionale Kompetenz ist der stärkste Prädiktor für Schulerfolg, Beziehungsfähigkeit und Gesundheit im Erwachsenenalter.

  • Emotionale Entwicklung passiert nicht im Kind allein – sie entsteht im Kontext von Bindung und Familie.

  • Was Eltern selbst nicht regulieren können, können sie nicht weitergeben: Die eigene emotionale Kompetenz ist das wichtigste Förderinstrument.

  • Jede Entwicklungsphase hat typische emotionale Aufgaben – Trotz und Wut sind Entwicklungsschritte, keine Fehler.

  • Gefühle benennen und validieren ist wirksamer als Emotionen zu beruhigen oder wegzumachen.

  • Wenn emotionale Entwicklung ins Stocken gerät, hilft oft der systemische Blick auf das Familiensystem – nicht nur auf das Kind.

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Inhalt



1. Was emotionale Entwicklung wirklich bedeutet


Emotionale Entwicklung ist die Fähigkeit, eigene Gefühle wahrzunehmen, zu benennen, zu verstehen und zu regulieren und gleichzeitig die Gefühle anderer zu erkennen und darauf einzugehen. Diese Fähigkeiten sind nicht angeboren. Sie werden erlernt. Und sie werden gelernt in Beziehung.


John Bowlby, der Begründer der Bindungstheorie, zeigt: Sichere Bindung ist die Voraussetzung für emotionale Regulation. Ein Kind, das weint und getröstet wird, lernt: Gefühle gehen vorbei. Sie sind aushaltbar. Jemand ist da. Diese Früherfahrung wird zur Grundlage dafür, wie das Kind später mit Stress, Konflikt und Enttäuschung umgeht.


Aus systemischer Sicht entsteht emotionale Entwicklung immer im Kontext. Das Kind lernt nicht abstrakt, was Wut ist – es erlebt, wie die Eltern mit Wut umgehen. Es beobachtet, ob Gefühle im Familienklima willkommen sind oder vermieden werden. Was im System nicht ausgesprochen werden darf, kann das Kind nicht lernen auszudrücken.


Systemische Kernthese: Emotionale Entwicklung bei Kindern ist immer auch ein Spiegel des Familiensystems. Was Eltern selbst nicht regulieren können, können sie nicht weitergeben – das ist keine Schuldzuweisung, sondern der wichtigste Hebel für Förderung.


2. Die Phasen der Entwicklung der Emotionen bei Kindern

Emotionale Entwicklung verläuft in Phasen. Jede Phase hat typische Aufgaben, typische Herausforderungen – und typische Missverständnisse seitens der Erwachsenen.


0–2 Jahre: Co-Regulation und Urvertrauen


Säuglinge können Emotionen noch nicht selbst regulieren. Sie sind vollständig auf Co-Regulation angewiesen: Das Nervensystem der Bezugsperson beruhigt das Nervensystem des Kindes. Das ist keine Verwöhnung – es ist Neurobiologie. Wenn das Weinen eines Babys konsequent beantwortet wird, entwickelt sich Urvertrauen: Die Welt ist sicher. Gefühle sind aushaltbar. Grundemotionen wie Freude, Trauer, Angst und Ärger sind von Geburt an vorhanden.


2–4 Jahre: Autonomiephase und erste Emotionsregulation


Die sogenannte Trotzphase ist kein Erziehungsversagen – sie ist ein Entwicklungsschritt. Kinder entdecken ihren eigenen Willen und testen Grenzen. Der präfrontale Kortex, der für Impulskontrolle zuständig ist, ist noch weit von der Reife entfernt. Wutausbrüche sind in dieser Phase neurobiologisch erklärbar und normal. Gleichzeitig beginnen Kinder, erste Worte für Gefühle zu lernen: traurig, wütend, fröhlich. Das Benennen beginnt.


4–7 Jahre: Empathie und soziale Gefühlswelt


In dieser Phase entwickelt sich die Theory of Mind: Kinder verstehen zunehmend, dass andere Menschen andere Gefühle und Gedanken haben können als sie selbst. Empathie Entwicklung beginnt. Kinder lernen, Gefühle bei anderen zu erkennen und darauf zu reagieren. Auch komplexere Emotionen wie Scham, Stolz, Neid und Schuldgefühl tauchen auf. Die soziale Gefühlswelt erweitert sich, besonders durch Peers in Kindergarten und Vorschule.


7–12 Jahre: Emotionsregulation und sozial-emotionale Kompetenz


Schulkinder entwickeln zunehmend Strategien zur Emotionsregulation: Sie lenken sich ab, suchen Distanz, suchen Gespräche. Die sozial-emotionale Kompetenz verfeinert sich. Gleichzeitig steigt der soziale Druck durch Schule und Peergroup. Kinder, die in dieser Phase gelernt haben, Gefühle zu benennen und zu regulieren, sind resilienter gegenüber Schuldruck, Konflikten und Enttäuschungen.

 

Fallbeispiel: Markus (43) – „Mein Sohn weint, und ich weiß nicht, was ich sagen soll.“


Markus kam wegen Erschöpfung in meine Praxis. IT-Projektleiter, drei Kinder, viel Verantwortung – ein Leben, in dem Gefühle keinen Platz hatten. Im dritten Gespräch erwähnte er seinen fünfjährigen Sohn Felix:

„Er weint viel. Ich weiß nie, was ich sagen soll. Also sage ich meistens: Ist doch nicht so schlimm.“

In der Arbeit mit Markus wurde sichtbar, was darunter lag: Markus hatte selbst nie gelernt, Gefühle zu benennen oder anzuerkennen. Sein Vater hatte Emotionen als Schwäche behandelt. Markus hatte das übernommen – nicht aus Bösartigkeit, sondern weil er nichts anderes kannte. Felix spiegelte jetzt, was im System fehlte: einen sicheren Raum für Gefühle.


Die Arbeit verlief auf zwei Ebenen: Ich arbeitete mit Markus an seiner eigenen emotionalen Geschichte und den Mustern, die er unbewusst weitergab. Parallel dazu begann Maximilian Kadletz-Liemmert, direkt mit Felix zu arbeiten – spielerisch, ressourcenorientiert, altersgerecht. Einige Monate später sagte Markus:

„Seit ich selbst aufgehört habe, Gefühle wegzumachen, macht Felix das auch seltener.“

Psychotherapeut Mag. Christian Asperger


3. Wie Eltern die emotionale Entwicklung fördern können

Die wirksamste Förderung findet nicht in speziellen Programmen statt, sondern im Alltag. John Gottman prägte den Begriff des „Emotion Coachings“: Eltern, die die Gefühle ihrer Kinder benennen, ernst nehmen und gemeinsam nach Lösungen suchen, erziehen emotional resilientere Kinder als Eltern, die Gefühle ignorieren oder wegerklären.


Gefühle benennen und validieren


Der einfachste und wirksamste Schritt: Gefühle mit Worten spiegeln. Nicht „Stell dich nicht so an“, sondern: „Du bist gerade sehr wütend, weil das nicht funktioniert hat.“ Kinder, die hören, dass ihr Erleben benännbar und normal ist, lernen: Meine Gefühle sind real. Ich werde gesehen. Das ist das Fundament der sozial-emotionalen Kompetenz.


Eigenes emotionales Vorbild sein


Kinder lernen Emotionsregulation durch Beobachtung. Eltern, die eigene Gefühle benennen („Ich bin gerade gestresst und brauche einen Moment“), zeigen, wie das geht. Das ist keine Schwäche – es ist das wirksamste Pädagogik-Tool, das Eltern haben. Was im Familienklima nicht vorkommen darf, kann das Kind nicht lernen.


Raum für alle Gefühle schaffen


Positive Gefühle zu begrüssen, ist einfach. Die eigentliche Herausforderung: Auch Wut, Trauer, Neid und Angst willkommen zu heißen. Die Botschaft ist wichtig: Das Gefühl ist immer okay. Das Verhalten kann Grenzen haben. „Du darfst wütend sein. Du darfst nicht schlagen.“ – diese Unterscheidung ist fundamental für die gesunde Entwicklung der Emotionen bei Kindern.


Empathie Entwicklung unterstützen


Empathie wächst durch Erfahrung. Bilderücher mit emotionalen Themen, Fragen wie „Wie könnte das das andere Kind gefühlt haben?“, das Modellieren von Rücksichtnahme im Alltag – all das stärkt die Empathie-Fähigkeit langfristig. Studien zeigen: Kinder mit hoher Empathie haben bessere soziale Beziehungen, weniger Konflikte und höhere Schulleistungen.


4. Wenn emotionale Entwicklung ins Stocken gerät

Nicht immer verläuft emotionale Entwicklung reibungslos. Manche Kinder ziehen sich emotional zurück, andere eskalieren regelmäßig. Warnzeichen, die professionelle Unterstützung sinnvoll machen:


  • Anhaltendes emotional-rückgezogenes Verhalten oder ausgeprägte Stimmungsschwankungen

  • Starke Trennungsangst über das altersgemäße Maß hinaus

  • Intensive Wutausbrüche, die trotz konsistenter Begleitung nicht abklingen

  • Soziale Isolation, Schwierigkeiten mit Gleichaltrigen

  • Körperliche Symptome wie Schlafstörungen, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen ohne organischen Befund

 

Aus systemischer Sicht ist die erste Frage nicht: Was ist falsch mit diesem Kind? Sondern: Was zeigt das Kind für das System? Wenn emotionale Entwicklung ins Stocken gerät, ist das fast immer ein Signal – und das Signal gilt dem Kontext, nicht nur dem Kind.


In unserer Praxis arbeiten wir auf zwei Ebenen: Ich begleite Eltern dabei, eigene emotionale Muster zu verstehen, die sie unbewusst weitergeben.


Gleichzeitig arbeitet Maximilian Kadletz-Liemmert direkt mit dem Kind – altersgerecht, spielerisch, ressourcenorientiert. Diese Kombination ist oft wirksamer als eine isolierte Kindertherapie, weil sie das System als Ganzes adressiert.


Psychotherapeut mit Kind in der Praxis Nordstern

Therapeut für Kinder und Jugendliche in unserer Praxis Nordstern


Maximilian Kadletz-Liemmert ist Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision mit Schwerpunkt Kinder, Jugendliche und Familien sowie Psychosomatik. Er ist sowohl vor Ort in Wien als auch online verfügbar.


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5. FAQ: Häufig gestellte Fragen


Ab wann beginnt die emotionale Entwicklung bei Kindern?

Von Geburt an. Säuglinge empfinden bereits Grundemotionen und reagieren auf die Emotionen ihrer Bezugspersonen. Die ersten Lebensjahre sind entscheidend für die Entwicklung des emotionalen Grundgerüsts – deshalb ist die Qualität der frühen Bindung so bedeutsam.

Nein. Die sogenannte Trotzphase (etwa 2–4 Jahre) ist ein normaler und notwendiger Entwicklungsschritt. Das Kind entdeckt seinen eigenen Willen. Der präfrontale Kortex – für Impulskontrolle zuständig – ist noch nicht ausgreift. Intensive Reaktionen sind neurobiologisch erklärbar, nicht Ausdruck von Versagen.

Im Alltag: Gefühle laut benennen, die Sie bei sich und Ihrem Kind wahrnehmen. Bücher mit emotionalen Themen lesen. Beim Konflikt mit Gleichaltrigen fragen: „Wie könnte das die andere Person gefühlt haben?“ Das Wichtigste: Alle Gefühle willkommen heißen – auch die schwierigen.

Empathie-Entwicklung ist ein Prozess, der Zeit braucht. Bis etwa 4 Jahre können Kinder noch nicht wirklich perspektivwechseln. Ab dem Schulalter wird Empathie zunehmend verfügbar. Wenn ein Kind im Grundschulalter konsequent keine Empathie zeigt, ist eine fachliche Einschätzung sinnvoll.

Wenn emotionale Auffälligkeiten über mehrere Wochen anhalten, das Sozialleben oder die Schule beeinträchtigen oder wenn Sie als Elternteil das Gefühl haben, nicht mehr heranzukommen. Frühe Unterstützung ist wirksamer als abwarten.

Das hängt vom Einzelfall ab. Häufig ist es wirksam, zunächst mit den Eltern zu arbeiten – denn wenn sich das Familiensystem verändert, verändert sich das Kind mit. Manchmal ist auch direkte Arbeit mit dem Kind sinnvoll. In unserer Praxis besprechen wir das im Erstgespräch und empfehlen den passenden Weg..


6. Fazit


Die Entwicklung der Emotionen bei Kindern ist keine Aufgabe, die sich von selbst erledigt. Sie braucht Beziehung, Kontext und Begleitung. Eltern, die Gefühle benennen, Raum für Trauer und Wut lassen und ihr eigenes emotionales Erleben nicht verstecken, geben ihren Kindern das wirksamste Werkzeug mit, das es gibt: ein Beispiel.


Was Kinder in den ersten Jahren an emotionaler Kompetenz aufbauen, trägt sie durch Schule, Beziehungen und Beruf. Und wenn dieser Aufbau ins Stocken gerät, ist das kein Versagen – sondern ein Signal, das Aufmerksamkeit verdient.


Wenn Sie sich fragen, wie es Ihrem Kind emotional geht – oder wie Sie selbst mit Gefühlen umgehen – ist das ein guter Ausgangspunkt für ein Gespräch.


7. Über mich: Psychotherapeut Mag. Christian Asperger


Psychotherapeut Mag. Christian Asperger

Ich bin Mag. Christian Asperger, systemischer Psychotherapeut und Business Coach in meiner Praxis in Wien 1020. In meiner Arbeit mit Familien erlebe ich regelmäßig, dass die emotionale Entwicklung von Kindern und das emotionale Erleben der Eltern untrennbar verbunden sind. Der systemische Blick – nicht das Kind allein, sondern das System als Ganzes – eröffnet hier oft die wirksamsten Wege.


In der Praxis Nordstern arbeite ich mit sorgfältig ausgewählten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Ausbildung zusammen, die ich persönlich begleite und supervidiere. So profitieren meine Klientinnen und Klienten von einem erweiterten therapeutischen Angebot, das meinen qualitativen Standards entspricht.


Therapeut für Kinder und Jugendliche in unserer Praxis Nodrstern


Für Kinder, Jugendliche und Familien steht in unserer Praxis Maximilian Kadletz-Liemmert zur Verfügung — Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision mit Schwerpunkt Kinder, Jugendliche und Psychosomatik, sowohl vor Ort in Wien als auch online.


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