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Anforderungen an die Führungskraft der Zukunft: Was wird erwartet?

  • Autorenbild: Christian Asperger
    Christian Asperger
  • vor 3 Tagen
  • 8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen

"Was erwarten Sie von Führungskräften in fünf Jahren?" Diese Frage stelle ich regelmäßig in Workshops. Die Antworten haben sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Früher ging es um Durchsetzungskraft und Kontrolle. Heute höre ich: Empathie, Agilität, digitale Kompetenz.


Die Anforderungen an die Führungskraft der Zukunft sind fundamental anders als noch vor zehn Jahren. In meinen fast 20 Jahren als Führungskraft habe ich diesen Wandel selbst durchlebt – von klassischen Hierarchien bis zu agilen Teams. Dieser Artikel zeigt, was wirklich zählt.


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Das Wichtigste in Kürze – Anforderungen an die Führungskraft der Zukunft


  • Klassische hierarchische Führung weicht partizipativen, agilen Ansätzen – Kontrolle wird durch Vertrauen ersetzt

  • Digitale Kompetenzen sind Pflicht, aber menschliche Fähigkeiten wie Empathie werden wichtiger, nicht unwichtiger

  • Führungskräfte müssen Unsicherheit aushalten und in VUCA-Umgebungen navigieren können

  • Lebenslanges Lernen, Selbstreflexion und die Bereitschaft, sich selbst zu hinterfragen sind entscheidend

  • Die Rolle wandelt sich vom allwissenden Chef zum Coach, der Potenziale freisetzt


Podcast - Neue Führung in der VUCA Welt meistern


Neue_Führung_in_der_VUCA-Welt_meistern


Inhalt



1. Der Wandel der Führungsrolle

Die Anforderungen an die Führungskraft der Zukunft unterscheiden sich fundamental von traditionellen Erwartungen.

 

Von Command-and-Control zu Enable-and-Empower. Das alte Modell: Der Chef weiß alles, entscheidet alles, kontrolliert alles. Mitarbeitende führen aus. Dieses Modell funktioniert in komplexen, schnelllebigen Umgebungen nicht mehr. Das neue Modell: Die Führungskraft schafft Rahmenbedingungen, in denen Teams selbstorganisiert Spitzenleistung erbringen können.

 

Vom Problemlöser zum Coach. Früher wurde von Führungskräften erwartet, für jedes Problem eine Lösung zu haben. Heute geht es darum, die richtigen Fragen zu stellen.

"Wie würdest du das lösen?"

statt

"Das musst du so machen."

Diese Verschiebung fällt vielen schwer – auch mir fiel sie schwer. Wir sind als Problemlöser groß geworden. Aber Teams entwickeln bessere Lösungen, wenn wir sie lassen.

 

Von Hierarchie zu Netzwerk. Starre Hierarchien werden durch flexible Netzwerke ersetzt. Führungskräfte müssen über Abteilungsgrenzen hinweg denken, cross-funktionale Zusammenarbeit fördern, laterale Einflussnahme beherrschen. Die formale Position zählt weniger, die Fähigkeit zu vernetzen mehr.

2. Zentrale Kompetenzen der Zukunft


Welche konkreten Kompetenzen umfassen die Anforderungen an die Führungskraft der Zukunft?

 

Emotionale Intelligenz


Die Fähigkeit, eigene und fremde Emotionen wahrzunehmen, zu verstehen und angemessen damit umzugehen, wird immer wichtiger. In Zeiten von Veränderung und Unsicherheit brauchen Teams Führungskräfte, die Ängste erkennen und adressieren können.

 

Digitale Kompetenz


Nein, Führungskräfte müssen nicht programmieren können. Aber sie müssen verstehen, wie digitale Technologien funktionieren und Geschäftsmodelle verändern. Sie müssen Data Literacy haben – Daten interpretieren und datenbasiert entscheiden können. Und sie müssen neue Tools nicht fürchten, sondern nutzen.

 

Ambiguität aushalten


Die VUCA-Welt (Volatility, Uncertainty, Complexity, Ambiguity) erfordert, dass Führungskräfte mit Mehrdeutigkeit und Unsicherheit leben können. Nicht alle Antworten zu haben ist okay. Nicht zu wissen, wie die Zukunft aussieht, ist normal. Trotzdem handlungsfähig zu bleiben – das ist die Kunst.

 

Diversität fördern


Führungskräfte der Zukunft schätzen Vielfalt – in Hintergründen, Perspektiven, Denkweisen. Sie schaffen inklusive Umgebungen, in denen alle ihr Potenzial entfalten können. Das ist nicht nur ethisch richtig, sondern auch ökonomisch klug. Diverse Teams sind innovativer und erfolgreicher.


Puzzleteile


3. Digitale Transformation meistern

Ein zentraler Aspekt der Anforderungen an die Führungskraft der Zukunft ist die Digitalisierung.

 

Nicht gegen, sondern mit der Technologie. Ich erlebe immer wieder Führungskräfte, die neue Technologien als Bedrohung sehen. KI, Automatisierung – "Das nimmt uns die Arbeitsplätze weg." Diese Haltung ist verständlich, aber nicht hilfreich. Erfolgreiche Führungskräfte fragen:

"Wie können wir diese Technologie nutzen, um besser zu werden?"

Sie sehen Chancen, nicht nur Risiken.

 

Remote und hybrid führen. Die Pandemie hat gezeigt: Führung funktioniert auch auf Distanz. Aber sie erfordert andere Skills. Wie schafft man Nähe im virtuellen Raum? Wie hält man Teams zusammen, die sich selten persönlich sehen? Wie führt man asynchron? Diese Fragen bleiben relevant.

 

Digitale Kommunikation beherrschen. Slack, Teams, Zoom – die Tools kennen viele. Aber wie kommuniziert man effektiv in diesen Medien? Wann braucht es einen Video-Call, wann reicht eine Nachricht? Wie schafft man Transparenz ohne Information Overload? Digitale Kommunikationskompetenz ist mehr als Tool-Kenntnis.



4. Menschliche Fähigkeiten in der digitalen Welt

Paradoxerweise werden menschliche Fähigkeiten umso wichtiger, je digitaler die Welt wird.

 

Empathie als Kernkompetenz. Was KI (noch) nicht kann: echtes Einfühlungsvermögen. Führungskräfte, die ihre Mitarbeitenden wirklich verstehen – ihre Motivation, ihre Ängste, ihre Bedürfnisse – werden immer wertvoller. Empathie lässt sich entwickeln, wenn man bereit ist, hinzuhören und sich einzulassen.

 

Kreativität fördern. Routineaufgaben werden automatisiert. Was bleibt: kreative, komplexe Problemlösung. Führungskräfte müssen Umgebungen schaffen, in denen Kreativität gedeiht. Das bedeutet: Fehler tolerieren, Experimente ermöglichen, Diversität nutzen.

 

Sinn vermitteln. Menschen wollen nicht nur arbeiten, sie wollen Sinn in ihrer Arbeit sehen. Besonders jüngere Generationen fragen:

"Warum tun wir das? Was ist der Impact?"

Führungskräfte müssen diese Fragen beantworten können – authentisch, nicht mit Marketing-Phrasen.


Hand auf der Brust

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5. Agilität und Anpassungsfähigkeit


Die Fähigkeit, sich anzupassen, gehört zu den wichtigsten Anforderungen an die Führungskraft der Zukunft.

 

Agile Mindset, nicht nur agile Methoden. Scrum, Kanban, Design Thinking – viele kennen die Methoden. Aber ohne agiles Mindset bleiben sie leere Hülsen. Agiles Mindset bedeutet: Iterativ statt perfektionistisch. Experimentierfreudig statt risikoscheu. Feedbackorientiert statt defensiv.

 

Agile

Schnell entscheiden, schnell korrigieren. In stabilen Umgebungen kann man lange analysieren und dann die perfekte Entscheidung treffen. In dynamischen Umgebungen ist das Luxus, den wir nicht haben. Besser: Schnell entscheiden auf Basis bester verfügbarer Information, dann beobachten und bei Bedarf korrigieren. Fehler sind keine Katastrophe, sondern Lerngelegenheiten.

 

Kontinuierliches Lernen. Was heute gilt, ist morgen überholt. Führungskräfte müssen kontinuierlich lernen – formell und informell. Nicht nur fachlich, auch persönlich. Wer aufhört zu lernen, hört auf zu führen.


6. Sich selbst entwickeln


Wie bereiten Sie sich auf die Anforderungen an die Führungskraft der Zukunft vor?

 

Selbstreflexion


Regelmäßige Reflexion ist essentiell. Was läuft gut? Was nicht? Welche Muster erkenne ich bei mir? Wo sind meine blinden Flecken? Tools wie 360-Grad-Feedback oder Coaching können helfen, aber auch einfaches Journaling ist wertvoll.

 

Mentoren und Peer-Gruppen


Niemand muss alles allein herausfinden. Mentoren, die den Weg schon gegangen sind, können enorm helfen. Ebenso Peer-Gruppen – andere Führungskräfte, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Der Austausch ist Gold wert.

 

Gezieltes Skill-Building


Identifizieren Sie Ihre Lücken. Wo fehlt es Ihnen an Kompetenz? Digitale Skills? Emotionale Intelligenz? Dann investieren Sie gezielt – in Trainings, Bücher, Podcasts, Blogs. Lernen ist Arbeit, aber sie zahlt sich aus.

 

Experimentieren im Kleinen


Sie müssen nicht alles auf einmal umkrempeln. Probieren Sie neue Ansätze in geschütztem Rahmen aus. Eine neue Meetingstruktur. Ein Experiment mit Delegation. Ein anderer Kommunikationsstil. Beobachten Sie die Wirkung, lernen Sie, passen Sie an.



7. Fallbeispiele aus der systemischen Coaching-Praxis

Drei Beispiele zeigen, wie Führungskräfte mit veränderten Anforderungen umgehen.

 

Fall 1: Der klassische Macher


Ausgangssituation: Thomas (52), seit 25 Jahren im Unternehmen, klassischer "Macher". Hart arbeitend, ergebnisorientiert, hierarchisch denkend. Sein Team funktioniert, aber Fluktuation ist hoch.

 

Herausforderung: Die neue Generation im Team will anders geführt werden. Sie hinterfragen, wollen mitentscheiden, reagieren allergisch auf Command-and-Control. Thomas ist frustriert:

"Die wollen doch nur weichgespült werden."

 

Entwicklung: Im Coaching erkennt Thomas: Sein Stil war in den 90ern erfolgreich, ist heute aber hinderlich. Er beginnt, zuzuhören statt anzuweisen. Er lädt ein Team zu Entscheidungen ein. Am Anfang fühlt es sich falsch an. Aber nach drei Monaten: Das Team entwickelt bessere Lösungen als er allein. Die Fluktuation sinkt.

 

Ergebnis:

"Ich bin nicht überflüssig geworden, wie ich dachte. Aber meine Rolle ist anders. Ich schaffe den Rahmen, das Team schafft die Ergebnisse."

 

Fall 2: Die technikscheue Führungskraft


Ausgangssituation: Andrea (47), Marketing-Leiterin, exzellent in Strategie und Kreativität. Aber digitale Tools sind nicht ihr Ding.

"Ich bin kein Tech-Mensch."

 

Herausforderung: Das Unternehmen investiert massiv in Marketing Automation, Data Analytics, AI-gestützte Tools. Andreas Team ist begeistert. Sie fühlt sich abgehängt.

"Ich verstehe nicht mal, worüber die reden."

 

Entwicklung: Andrea entscheidet: Sie muss keine Expertin werden, aber Grundverständnis braucht sie. Sie lässt sich von einem jungen Teammitglied als "Reverse Mentor" coachen. Sie nimmt an Workshops teil. Sie fragt nach, auch wenn es peinlich ist.

 

Ergebnis: Nach sechs Monaten kann Andrea die richtigen Fragen stellen. Sie muss die Tools nicht selbst bedienen, aber sie versteht die Möglichkeiten und Grenzen. Ihr Team schätzt, dass sie sich entwickelt hat.

 

Fall 3: Der empathische Zauderer


Ausgangssituation: Michael (39), sehr beliebt im Team, hohe emotionale Intelligenz. Aber: Er tut sich schwer mit klaren Entscheidungen.

"Ich will niemandem vor den Kopf stoßen."

 

Herausforderung: In der schnelllebigen Tech-Branche sind zögerliche Entscheidungen tödlich. Michaels Team ist frustriert:

"Wir brauchen Klarheit, nicht endlose Diskussionen."

 

Entwicklung: Michael lernt: Empathie und Entscheidungsfreude schließen sich nicht aus. Er kann einfühlsam kommunizieren UND klar entscheiden. Er etabliert eine Regel: Diskussion bis zum Stichtag, dann entscheidet er. Alle werden gehört, aber am Ende gibt es eine Entscheidung.

 

Ergebnis: Das Team schätzt beides: Dass Michael sie anhört UND dass er entscheidet. Die Balance ist der Schlüssel.


Business Coach Mag. Christian Asperger


8. FAQ - Häufig gestellte Fragen


Muss ich alles können, was in diesem Artikel steht?

Nein, niemand ist in allem perfekt. Es geht um Bewusstsein und kontinuierliche Entwicklung. Identifizieren Sie Ihre Stärken und Lücken. Arbeiten Sie an den wichtigsten Lücken, nutzen Sie Ihre Stärken bewusst.

Ist klassische Führung tot?

Nein, aber sie muss ergänzt werden. In bestimmten Situationen – Krisen, klare Prozesse – ist direktive Führung weiter sinnvoll. Aber sie kann nicht mehr die einzige Art sein, wie Sie führen. Flexibilität im Führungsstil ist der Schlüssel.

Wie überzeugt man Senior Management, dass Führung sich ändern muss?

Mit Ergebnissen. Pilot-Projekte sind hilfreich. Zeigen Sie: Teams, die partizipativ geführt werden, sind produktiver, innovativer, haben weniger Fluktuation. Daten überzeugen oft mehr als Argumente.

Was, wenn mein Team den neuen Führungsstil nicht will?

Führen Sie Gespräche. Erklären Sie, warum Sie Ihren Stil verändern. Hören Sie zu: Was braucht das Team wirklich? Manchmal wollen Teams gar keine Partizipation, sondern Klarheit. Führung muss zum Kontext passen.

Kann man Empathie lernen?

Ja! Empathie ist keine angeborene Eigenschaft, sondern eine Fähigkeit, die entwickelt werden kann. Durch bewusstes Zuhören, Perspektivwechsel-Übungen, Feedback. Es erfordert Übung, aber es ist möglich.

Wie wichtig ist formale Weiterbildung?

Hilfreich, aber nicht ausreichend. Formale Trainings geben Grundlagen und Frameworks. Aber echte Entwicklung passiert durch Praxis, Reflexion, Feedback. 70% Lernen on the job, 20% von anderen, 10% formal – diese Regel gilt auch für Führungskräfte.



9. Fazit


Die Anforderungen an die Führungskraft der Zukunft sind anspruchsvoll, aber erfüllbar. Sie erfordern die Bereitschaft, sich selbst zu hinterfragen und kontinuierlich zu entwickeln.

 

Klassische Führung – hierarchisch, kontrollierend, allwissend – hat ausgedient. An ihre Stelle tritt ein Führungsmodell, das auf Vertrauen, Partizipation und Agilität setzt. Führungskräfte werden zu Coaches, die Potenziale freisetzen statt Anweisungen zu geben.

 

Digitale Kompetenz ist notwendig, aber menschliche Fähigkeiten werden paradoxerweise wichtiger, nicht unwichtiger. Empathie, Kreativität, Sinnvermittlung – das kann (noch) keine Technologie ersetzen.

 

Die gute Nachricht: Sie müssen nicht perfekt sein. Niemand erfüllt alle Anforderungen zu 100%. Es geht um die Richtung, nicht um Perfektion. Um Lernbereitschaft, nicht um Allwissenheit. Um Authentizität, nicht um das Spielen einer Rolle.

 

Beginnen Sie klein. Identifizieren Sie eine Fähigkeit, die Sie entwickeln wollen. Holen Sie sich Feedback. Experimentieren Sie. Reflektieren Sie. Und dann: den nächsten Schritt. Führung ist eine Reise, kein Ziel.


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10. Über mich: Business Coach Mag. Christian Asperger


Psychotherapeut Mag. Christian Asperger

In meiner Rolle als Psychotherapeut integriere ich meine langjährige Erfahrung aus meiner Praxis als Psychotherapeut sowie als Führungskraft in Konzernen mit einer soliden Ausbildung in systemischer Psychotherapie und Coaching.


Mein Ansatz basiert auf dem Verständnis der Menschen im Kontext ihrer sozialen Beziehungen und der Konzentration auf das "Wie" gegenwärtiger Situationen. Ich betrachte Klienten als Experten ihrer eigenen Fälle und vermeide es, Themen zu vertiefen, die sie nicht aktiv einbringen.



Gerne unterstütze ich Sie in meiner Praxis in Wien, um die Arbeit mit Ihrem Thema zu starten. Gemeinsam finden wir Ihren individuellen Weg zu einer glücklichen Beziehung zu sich selbst zurück.







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