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Trauer belastet die Beziehung: Wie man gemeinsam durch schwere Zeiten kommt

  • Autorenbild: Christian Asperger
    Christian Asperger
  • vor 5 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Wenn Trauer in eine Partnerschaft einzieht, verändert sich alles. Ob nach dem Verlust eines geliebten Menschen, einer Fehlgeburt, einer Trennung oder dem Tod eines Elternteils – Schmerz wirkt in jede Richtung. Manche Paare rücken enger zusammen, andere verlieren sich in der Stille zwischen zwei Welten. Was bleibt, ist oft Sprachlosigkeit: Wie viel Raum darf Trauer haben, ohne die Beziehung zu erdrücken?


In der Paartherapie zeigt sich, dass Trauer nicht nur individuell, sondern immer auch systemisch ist – sie betrifft beide, auch wenn sie unterschiedlich trauern.


traurige Frau

Trauer belastet die Beziehung: Wie man gemeinsam durch schwere Zeiten kommt


Die wichtigsten Punkte im Überblick:


  • Trauer kann Nähe fördern oder Distanz schaffen – je nach Umgang der Partner:innen damit.

  • Unterschiedliche Trauerreaktionen führen oft zu Missverständnissen und Rückzug.

  • Systemische Paartherapie hilft, Trauer als gemeinsamen Prozess zu verstehen.

  • Offene Kommunikation und gegenseitiger Respekt sind entscheidend.

  • Professionelle Begleitung kann helfen, Schmerz zu teilen statt sich daran zu verlieren.

  • Es gibt Wege, wie Paare trotz Verlust wieder in Verbindung treten können.

  • Eine Krise kann zur Chance werden, Beziehung auf neue Weise zu gestalten.

Podcast - Trauer als Sprachlosigkeit zwischen Paaren


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Inhalt



1. Wenn Trauer in die Beziehung kommt

Trauer trifft nie nur eine Person. Wenn ein Mensch leidet, verändert sich das ganze Beziehungssystem. Manche ziehen sich zurück, andere klammern sich an Nähe. Einige sprechen viel über den Verlust, während andere ihn still verarbeiten. Beide Reaktionen sind verständlich – doch sie treffen häufig auf Unverständnis.


„Ich wollte, dass er über seine Gefühle spricht – aber er hat nur funktioniert.“„Ich brauchte Ruhe – sie wollte ständig reden.“

Diese Gegensätze sind typisch. In der systemischen Arbeit geht es nicht darum, „richtig“ oder „falsch“ zu trauern, sondern die verschiedenen Bewältigungsstrategien zu verstehen und zu respektieren.

2. Warum Trauer Paare oft auseinanderdriften lässt


Trauer löst intensive Emotionen aus: Schmerz, Wut, Schuld, Ohnmacht. In Beziehungen zeigt sich das häufig als Kommunikationsblockade.Die Partner:innen erleben denselben Verlust, aber aus unterschiedlichen Rollen heraus: Der eine trauert als Kind, die andere als Partnerin, Elternteil oder Geschwister.


Zudem verändert sich das emotionale Gleichgewicht:


  • Zärtlichkeit und Sexualität verlieren an Bedeutung.

  • Ein Partner übernimmt „funktional“ Verantwortung, während der andere emotional zusammenbricht.

  • Unausgesprochene Erwartungen („Ich brauche, dass du stark bist“) können Druck erzeugen.


Wenn diese Muster nicht besprochen werden, entsteht Entfremdung.


Puzzleteile


3. Wie man gemeinsam trauern kann

Gemeinsam trauern heißt nicht, alles gleich zu empfinden. Es bedeutet, sich gegenseitig Raum zu geben, auch wenn der andere anders fühlt.


Hilfreiche Ansätze aus der systemischen Paartherapie:


  • Rollen klären: Wer übernimmt Verantwortung, wer braucht Halt?

  • Kommunikation üben: Gefühle benennen, statt sie zu interpretieren.

  • Gemeinsame Rituale entwickeln: Erinnerungsrituale, Briefe, Fotos, Gedenktage.

  • Balance finden: Zeit für Rückzug – und Zeit für Begegnung.

  • Externe Unterstützung zulassen: Therapie, Trauergruppen oder Coaching entlasten.


Der zentrale Gedanke: Trauer will gesehen werden. Nicht, um sie zu „lösen“, sondern um sie zu integrieren.



4. Was hilft, wenn Trauer die Beziehung belastet


Hilfreiche Schritte:


  • Akzeptieren, dass Trauer Zeit braucht.

  • Unterschiede im Trauern respektieren. Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“.

  • Über Erwartungen sprechen.

  • Kleine Gesten der Zuwendung pflegen.

  • Sich professionelle Unterstützung holen.

  • Nicht versuchen, die Trauer des anderen zu „lösen“.


Die systemische Perspektive sieht Trauer als Bewegung im Beziehungsnetz. Wenn Paare lernen, diese Bewegung gemeinsam zu gestalten, kann aus Schmerz Verbundenheit entstehen.


Hand auf der Brust



5. Fallbeispiele aus der Praxis der Paartherapie


Beispiel 1 – „Seit dem Verlust sprechen wir kaum noch“


Petra (39) und Daniel (41) verloren ihr zweites Kind kurz nach der Geburt. Seitdem war nichts mehr, wie es war. Daniel warf sich in die Arbeit, Petra zog sich zurück. In der Therapie fiel auf, dass beide versuchten, den anderen zu „schonen“.


Durch das Sichtbarmachen dieser Dynamik entstand wieder Kontakt:„Ich dachte, ich muss stark sein, damit du nicht zusammenbrichst.“„Und ich dachte, ich darf dich nicht belasten.“


Sie begannen, über ihren Schmerz zu sprechen – nicht, um ihn zu heilen, sondern um ihn zu teilen. Nach Monaten der Arbeit fanden sie wieder Wege, Nähe zuzulassen.


Beispiel 2 - „Ich trauere anders als du“


Nach dem Tod von Thomas’ Mutter fühlte sich seine Frau Julia ausgeschlossen. Er sprach kaum, war gereizt und innerlich weit weg. Julia suchte Nähe, Thomas Rückzug.


In der Therapie wurde klar: Thomas hatte gelernt, Schmerz zu kontrollieren – er wollte niemandem zur Last fallen.Julia interpretierte das als Gleichgültigkeit. Erst als beide ihre unterschiedlichen Trauerstrategien verstanden, konnten sie sich wieder begegnen.

Gemeinsame Spaziergänge auf dem Friedhof wurden zu einem neuen Ritual – still, aber verbunden.


Beispiel 3 - „Der Verlust hat uns verändert – aber nicht zerstört“


Stefanie (46) und Martin (48) verloren nach 20 Ehejahren Martins Vater, der eine zentrale Rolle in ihrem Leben spielte. Der Verlust brachte verdrängte Themen ans Licht: Martins Schuldgefühle, Stefanies Überforderung.


In der Paartherapie  entstand ein Prozess der gegenseitigen Anerkennung: Stefanie durfte sagen, dass sie erschöpft ist, Martin durfte trauern, ohne sich schwach zu fühlen.Sie entwickelten eine neue Form von Nähe – ehrlicher, reifer, mit Raum für Trauer und Leben.



6. FAQ: Häufige Fragen und Antworten


Warum belastet Trauer Beziehungen so stark?

Weil sie alte Beziehungsmuster aktiviert – Rückzug, Kontrolle oder Überanpassung.

Ist es normal, dass Partner unterschiedlich trauern?

Ja, jede Person hat eigene Strategien, geprägt durch Erfahrungen und Familiengeschichte.

Wie kann man über Trauer sprechen, wenn Worte fehlen?

Manchmal helfen Symbole, Musik, Fotos oder gemeinsames Schweigen mehr als Sprache.

Wann sollte man professionelle Hilfe suchen?

Wenn Kommunikation dauerhaft abbricht oder Schuldgefühle und Rückzug dominieren.

Wie kann Paartherapie bei Trauer helfen?

Sie bietet einen sicheren Rahmen, um Emotionen auszudrücken und neue Formen von Nähe zu finden.

Was tun, wenn Sexualität und Zärtlichkeit verschwinden?

Druck hilft hier nicht. Nähe beginnt oft mit Vertrauen, Körperkontakt darf sich neu entwickeln.

Sollte man Kinder in den Trauerprozess einbeziehen?

Ja, ehrlich und altersgerecht. Kinder spüren ohnehin, wenn etwas nicht stimmt.

Kann Trauer auch eine Chance sein?

Ja, wenn Paare lernen, authentischer miteinander zu sein und gegenseitige Verletzlichkeit zuzulassen.

Wie lange dauert Trauer?

Es gibt keinen festen Zeitrahmen. Trauer verändert sich – sie wird Teil des Lebens, nicht das ganze Leben.

Was, wenn Trauer zur chronischen Belastung wird?

Dann ist professionelle Begleitung wichtig, um nicht in Depression oder Isolation abzurutschen.



7. Fazit: Gemeinsam durch die Trauer gehen


Trauer kann eine Beziehung zerbrechen – oder sie tiefer werden lassen. Entscheidend ist, ob Paare sich gegenseitig als Verbündete im Schmerz sehen oder als stille Gegner im Schweigen.


In der systemischen Paartherapie zeigt sich immer wieder: Trauer ist kein Feind, sondern ein Teil des Lebens, der Verbindung erfordert. Wer den Mut hat, hinzusehen, schafft Raum für Heilung – individuell und gemeinsam.


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8. Über mich: Psychotherapeut Mag. Christian Asperger


Psychotherapeut Mag. Christian Asperger

Ich bin Psychotherapeut mit Spezialisierung auf systemische Familientherapie und Paartherapie. Ich begleite seit vielen Jahren Menschen in schwierigen Lebensphasen. Gemeinsam mit meiner Co-Therapeutin Kaija und Ihrer Mitarbeit helfe ich Ihnen, Ihre Gefühle und Gedanken zu verstehen, zu verarbeiten und den richtigen Umgang mit Ihnen zu lernen. Dabei sehe ich Psychotherapie nicht nur als Beruf, sondern als meine Leidenschaft und Berufung.

Durch meine langjährige Erfahrung verfüge ich über ein hohes Maß an zwischenmenschlichem Verständnis und praktischer Kompetenz.


Gerne unterstütze ich Sie in meiner Praxis in Wien, um die Arbeit mit Ihrem Thema zu starten. Gemeinsam finden wir Ihren individuellen Weg zu einer glücklichen Beziehung zu sich selbst zurück.







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