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Stillstand in der Beziehung: Wie man wieder in Schwung kommt?

  • Autorenbild: Christian Asperger
    Christian Asperger
  • 7. Okt.
  • 7 Min. Lesezeit

Ein Moment der Stille kann heilsam sein — doch wenn aus der Stille Stillstand wird, fühlen sich viele Paare wie in einer Art Wartezustand: das gemeinsame Leben geht weiter, aber das Gefühl von Nähe, Entwicklung und Verbindlichkeit bleibt aus.


Als systemischer Psychotherapeut begegne ich häufig genau diesem Phänomen. In diesem Artikel zeige ich Ihnen praxisnahe Wege aus dem Stillstand in der Beziehung, erkläre typische Ursachen, nenne klare Warnsignale und präsentiere konkret anwendbare Interventionen, die Paare schnell spürbare Veränderung bringen können.


Paar küss sich vor Schriftzug Sex

Stillstand in der Beziehung: Wie man wieder in Schwung kommt? — Kurz & knapp


  • Stillstand in der Beziehung bedeutet fehlende Entwicklung, wiederkehrende Muster und emotionale Distanz.

  • Frühe Anzeichen sind Routine statt Neugier, fehlende Gespräche und seltene Reparaturversuche.

  • Beziehungskiller: chronischer Stress, Machtungleichgewicht, ungelöste Verletzungen, fehlende Grenzen.

  • Entscheidend für Weiterarbeit: gegenseitige Bereitschaft zur Veränderung und grundlegende emotionale Sicherheit.

  • Sofortmaßnahmen: kleine Ritualänderungen, strukturierte Gespräche, Minuten der Wertschätzung, externe Hilfe (Paartherapie/Coaching).

  • Systemische Interventionen (z. B. zirkuläres Fragen, Rollenspiele) schaffen neue Perspektiven und handhabbare Experimente.

  • Praxisbeispiele zeigen: Veränderung ist möglich — oft reichen gezielte Interventionen und verbindliche Hausaufgaben.

Inhalt


1. Was bedeutet Stillstand in der Beziehung?

Stillstand in der Beziehung beschreibt einen Zustand, in dem das partnerschaftliche System stagniert: emotionale Nähe nimmt ab, Routinen ersetzen Gespräche, und Wünsche oder Bedürfnisse bleiben unausgesprochen. Paare erleben, dass Konflikte sich wiederholen, ohne dass echte Veränderungen passieren — es fehlt an Bewegungsenergie, an Neugier aufeinander und an gemeinsamen Zukunftsentwürfen.

2. Welche Anzeichen gibt es — Stillstand in der Beziehung erkennen

Typische Signale:


  • Gespräche drehen sich nur noch um Organisation (Kinder, Haushalt, Termine).

  • Gemeinsame Freizeit ist rar oder begleitet von Gleichgültigkeit.

  • Kritik statt Interesse; oft fehlt die Bereitschaft, sich zu zeigen.

  • Vermeidungsverhalten: einer zieht sich zurück, der andere reagiert mit Kontrolle.

  • Sexuelle Nähe nimmt ab oder wird zur Pflicht. Diese frühe Signale deuten auf Stillstand in der Beziehung hin — je früher sie erkannt werden, desto leichter lässt sich gegensteuern.



Mann auf Couch in Psychotherapie


3. Typische Beziehungskiller, die zu Stillstand in der Beziehung führen können


  • Chronischer beruflicher oder familiärer Stress, der Energien bindet.

  • Rollenkonflikte: ein Part übernimmt hauptsächlich Care-Aufgaben, der andere zieht sich ins Berufliche zurück.

  • Unausgesprochene Kränkungen oder wiederholte Vertrauensbrüche.

  • Ungleiche Erwartungshaltungen und Machtgefälle.

  • Fehlende gemeinsame Rituale und Zukunftsplanung.


Viele dieser Beziehungskiller schleichen sich ein — systemische Arbeit hilft, sie sichtbar und veränderbar zu machen.



4. Mögliche Ursachen und Gründe für Stillstand in der Beziehung

Ursachen sind selten nur individuell; meist sind mehrere Ebenen beteiligt: persönliche Geschichte (Bindungsmuster), externe Belastungen (Beruf, Kinder, Pflege), kommunikative Fehlmuster und unausgesprochene Bedürfnisse.


In meiner Praxis zeigt sich oft, dass ein anfänglich hilfreiches Verhaltensmuster (z. B. Fürsorge oder Perfektionismus) über Jahre hinweg zur Blockade wird und so den Stillstand in der Beziehung stabilisiert.


5. Wann macht es noch Sinn, für die Beziehung zu kämpfen - wann nicht?

Es lohnt sich zu kämpfen, wenn:


  • beide Partner grundlegende Empathie und Respekt zeigen,

  • Verantwortung für den eigenen Anteil möglich ist,

  • eine realistische Bereitschaft zur Arbeit besteht (Therapie, Übungen, Verhaltensänderung)


Es kann ratsam sein, eine Trennung in Erwägung zu ziehen, wenn:


  • andauernde Gewalt oder Missbrauch vorliegt,

  • einer der Partner keinen Willen zur Veränderung zeigt und aktiv sabotiert,

  • psychische/physische Sicherheit dauerhaft gefährdet ist.


Eine professionelle Einschätzung (Paartherapie) hilft hier, Klarheit zu gewinnen.



Frau mit Schild "Speak Positive"


6. Wie man wieder in Schwung kommt: Strategien und mögliche Schritte


Praktische Schritte gegen Stillstand in der Beziehung:


  1. Kleine Experimente planen: z. B. wöchentliche «Beziehungszeit» von 30–60 Minuten ohne Handy.

  2. Strukturiertes Gesprächsformat: 10–20 Minuten pro Person, Ich-Botschaften, keine Lösungen in der ersten Runde.

  3. Rollen und Verantwortungen klären: wer macht was — schriftlich festhalten.

  4. Rituale wiederbeleben/erfinden: Morgenkuss, Monatsdate, Dankbarkeitsritual.

  5. Verletzungen bearbeiten: Anerkennung, Reue, konkrete Reparationen.

  6. Systemische Interventionen: zirkuläres Fragen (Perspektivwechsel), Rollenspiel, Beobachterrolle für emotionale Muster.

  7. Externe Hilfe: Paartherapie, Coaching für einen oder beide Partner.

  8. Kleine, sichtbare Erfolge planen: z. B. ein gemeinsames Projekt (Urlaub planen, Renovierung) — Erfolgserlebnisse stärken das Wir-Gefühl.



7. Erfahrungsberichte aus der Praxis der Paartherapie

Fallbeispiel 1 - "Verlorene Partnerrolle"


Anna (38) und Markus (41) kamen nach der Geburt ihres zweiten Kindes in meine Praxis. Anna war in Elternzeit, während Markus beruflich stark eingespannt war. Sie schilderte, dass sie sich fast ausschließlich als Mutter empfinde, kaum noch als Partnerin oder Frau. Markus wiederum fühlte sich von Anna kaum noch wahrgenommen, seine Versuche, Nähe aufzubauen, wurden oft abgeblockt. Er beschrieb dies als Kränkung und Zurückweisung: „Es ist, als ob ich nur noch der Versorger bin.“


In den Sitzungen machten wir die unterschiedlichen Belastungen sichtbar. Beide konnten zum ersten Mal aussprechen, wie einsam sie sich im Alltag fühlten. Als kleine Schritte führten wir einen wöchentlichen Abend nur für sie beide ein – ohne Kinder, ohne Haushaltsthemen. Nach einigen Wochen erzählten sie, dass es sich wieder „wie ein Paar“ anfühlte, nicht nur wie ein funktionierendes Team.


Fallbeispiel 2 - "Das Redeverbot"


Julia (35) und Thomas (37) lebten seit zehn Jahren zusammen. Beide beschrieben, dass Gespräche regelmäßig in Streit ausarteten. Sie hatten irgendwann aufgehört, über Wichtiges zu sprechen – aus Angst, dass alles eskaliert.  Die Stimmung zuhause war angespannt, als würden sie ständig auf Eiern gehen. Das führte zu einem „Redeverbot“ und immer größerer innerer Distanz.


In der Therapie probierten wir einfache Gesprächsrituale: Einer spricht, der andere hört nur zu. Anfangs war es ungewohnt, aber schon nach kurzer Zeit erlebten beide, dass sie wieder gehört wurden. Julia meinte nach einer Sitzung: „Das ist das erste Mal seit Jahren, dass ich ohne Angst erzählen konnte, was in mir vorgeht.“ Langsam kam wieder Vertrauen zurück – und damit auch mehr Leichtigkeit.


Fallbeispiel 3 - "Enerieverlust duch Beruf"


Sophie (42) und Daniel (45) sind Gründer eines Start-ups. Beide arbeiteten 60–70 Stunden pro Woche. Zuhause ging es fast nur noch um Arbeitsthemen, die Beziehung war zum „Projekt“ geworden. Körperliche Nähe und gemeinsames Freizeitgefühl waren fast erloschen.


In der ersten Sitzung war sofort klar: Erschöpfung dominierte. Im Gespräch wurde klar: Beide sehnten sich nach einer Pause vom Dauerstress. Wir vereinbarten kleine Veränderungen, etwa ein Wochenende im Monat komplett ohne Arbeit. Schon nach dem ersten Versuch erzählten sie begeistert, wie befreiend es war, einfach spazieren zu gehen, zu kochen und zu lachen. Nach einigen Monaten berichtete Daniel: „Wir haben uns wiedergefunden – nicht als Geschäftspartner, sondern als Paar.“



Paar umarmt sich auf Couch


8. FAQ: Häufige Fragen rund um Stillstand in der Beziehung

Wie merke ich, dass meine Beziehung im Stillstand ist?

Typische Anzeichen für Stillstand in der Beziehung sind: Gespräche drehen sich nur noch um Alltagsorganisation, Nähe und Intimität nehmen ab, Konflikte wiederholen sich ohne Lösung, und es gibt kaum gemeinsame Zukunftspläne. Viele Paare beschreiben den Alltag als „funktionierend, aber leblos“.

Was tun, wenn Stillstand in der Beziehung entsteht?

Der erste Schritt ist, den Stillstand bewusst wahrzunehmen. Dann helfen kleine Veränderungen: regelmäßige Paarzeit, offene Gespräche, klare Absprachen. Wenn Sie merken, dass Sie allein nicht weiterkommen, ist Paartherapie eine gute Möglichkeit, neue Perspektiven und Methoden kennenzulernen.

Ist Stillstand in der Beziehung normal?

Ja, fast jede längere Beziehung erlebt Phasen von Stillstand. Entscheidend ist, wie Paare damit umgehen: Bleibt es bei einer kurzen „Durststrecke“ oder verfestigen sich Muster? Frühzeitiges Handeln macht es leichter, wieder Schwung hineinzubringen.

Wie lange kann eine Beziehung Stillstand aushalten?

Das hängt stark von der individuellen Situation ab. Manche Paare halten Stillstand über Jahre aus, fühlen sich aber innerlich zunehmend entfremdet. Andere spüren schon nach wenigen Monaten starken Leidensdruck. Je früher beide den Stillstand in der Beziehung ansprechen, desto besser sind die Chancen auf positive Veränderung.

Wann ist es besser, eine Beziehung zu beenden statt weiterzukämpfen?

Wenn grundlegender Respekt fehlt, wiederholt Gewalt im Spiel ist oder einer der Partner keinerlei Bereitschaft zur Veränderung zeigt, kann eine Trennung gesünder sein als das Festhalten an einer stagnierenden Beziehung. Auch in diesem Fall kann therapeutische Begleitung helfen, Klarheit zu gewinnen und den Prozess fair zu gestalten.

Hilft Paartherapie wirklich bei Stillstand in der Beziehung?

Ja, Paartherapie kann sehr wirksam sein. Sie bietet einen geschützten Rahmen, um festgefahrene Muster sichtbar zu machen und neue Wege auszuprobieren. Viele Paare berichten, dass sie dadurch wieder in Dialog kommen, Verletzungen bearbeiten können und konkrete Werkzeuge für den Alltag erhalten.

Kann man allein etwas gegen Stillstand in der Beziehung tun?

Auch wenn der Partner oder die Partnerin nicht mitmachen möchte, können Sie allein Veränderungen anstoßen: Kommunikationsmuster hinterfragen, neue Impulse in die Beziehung bringen, Grenzen klarer setzen. Oft zieht eine Veränderung bei einer Person auch Bewegung beim anderen nach sich.

Wie finde ich heraus, ob wir eine Beziehungskrise oder nur Stillstand haben?

Eine Krise ist meist akuter: starke Konflikte, Vertrauensbrüche oder Trennungsgedanken. Stillstand dagegen ist oft leiser, aber nicht weniger belastend: es fehlt Entwicklung, Neugier, Energie. Eine Paartherapie kann helfen, beides voneinander zu unterscheiden.

Welche Übungen helfen sofort gegen Stillstand in der Beziehung?

  • Einmal pro Woche bewusst Paarzeit einplanen.

  • Tägliche kleine Gesten der Wertschätzung (ein Dankeschön, eine Berührung).

  • Ein 10-Minuten-Gespräch, bei dem nur einer spricht und der andere zuhört.

  • Gemeinsam an ein schönes Erlebnis zurückdenken und es nacherzählen.Diese Übungen sind kleine Schritte, die oft schnell spürbare Veränderungen bringen.

Wie rede ich mit meinem Partner über Stillstand in der Beziehung?

Wichtig ist, keine Vorwürfe zu machen. Besser sind Ich-Botschaften: „Ich fühle mich gerade, als würden wir auf der Stelle treten.“ Suchen Sie einen ruhigen Moment ohne Ablenkung und schlagen Sie konkrete erste Schritte vor, zum Beispiel ein Gespräch bei einem Spaziergang oder die Unterstützung durch eine Paartherapie.

Kann Stillstand in der Beziehung auch eine Chance sein?

Ja. Stillstand zwingt Paare, innezuhalten und ehrlich zu prüfen: Was fehlt uns? Was wünschen wir uns? Oft entstehen aus dieser Phase neue Klarheit, bewusstere Entscheidungen und ein stärkeres „Wir-Gefühl“.

Was tun, wenn nur ein Partner möchte?

Auch Einzelsitzungen können viel bewirken — oft ändern sich Kommunikationsmuster und ziehen den anderen nach.



9. Fazit: Stillstand in der Beziehung: Wie man wieder in Schwung kommt?


Wenn Sie das Gefühl haben, in einem Stillstand in der Beziehung zu stecken, lade ich Sie herzlich zu einem unverbindlichen Erstgespräch in meiner Praxis in 1020 Wien ein.


Gemeinsam klären wir, welche Schritte für Sie sinnvoll sind — Paartherapie, individuelles Coaching oder eine kombinierte Begleitung. Meine Arbeit verbindet systemische Methoden mit pragmatischen, alltagsnahen Interventionen, speziell passend für beruflich vielbeschäftigte Paare und Führungskräfte.



10. Über mich: Paartherapeut Mag. Christian Asperger


Paartherapeut Mag. Christian Asperger

Ich bin Psychotherapeut mit Spezialisierung auf systemische Paar- und Familientherapie und begleite seit vielen Jahren Paare in schwierigen Lebensphasen. Mein Ziel ist es, Ihnen dabei zu helfen, Beziehungsprobleme offen anzusprechen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln. Dabei sehe ich Psychotherapie nicht nur als Beruf, sondern als meine Leidenschaft und Berufung.

Durch meine langjährige Erfahrung verfüge ich über ein hohes Maß an zwischenmenschlichem Verständnis und praktischer Kompetenz.



Gerne unterstütze ich Sie in meiner Praxis in Wien, um Ihre Beziehungskrise zu überwinden und neue Nähe und Intimität zu schaffen. Gemeinsam finden wir Ihren individuellen Weg zu einer glücklichen Partnerschaft zurück.







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