Führen in der Dauerkrise: Systemische Strategien für die längste Rezession Österreichs
- Christian Asperger

- 17. Nov. 2025
- 6 Min. Lesezeit
Österreich befindet sich laut WIFO und IHS im dritten Jahr einer außergewöhnlich langen Rezession – einer Dauerkrise, die Führungskräfte, Unternehmer und Selbstständige enorm belastet. Umsätze stagnieren, Planbarkeit fehlt und Teams sind erschöpft. Viele Entscheider berichten, dass sich jede Woche wie ein neues Krisenjahr anfühlt.
In dieser Situation geht es längst nicht mehr nur um Zahlen, sondern um Orientierung, innere Stabilität und die Frage, wie man unter Dauerstress gesund führen kann. Genau hier setzt ein systemischer Coaching-Ansatz an: Er hilft, Komplexität zu sortieren, Entscheidungsspielräume sichtbar zu machen und Führung in instabilen Zeiten wirksam zu gestalten.

Das Wichtigste in Kürze – Führen in der Dauerkrise
Österreich steckt laut WIFO/IHS in der längsten Rezession seit Jahrzehnten – Führung wird dadurch emotional wie strategisch herausfordernder.
Systemisches Coaching unterstützt Führungskräfte dabei, zwischen beeinflussbaren und nicht beeinflussbaren Faktoren zu unterscheiden.
Stabilität entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Klarheit, Priorisierung und bewusste Selbstführung.
Unsicherheit wirkt sich auf Teams, Entscheidungen und Kommunikation aus – systemische Tools schaffen Orientierung.
Drei Coaching-Beispiele zeigen, wie Führungskräfte Ohnmacht, Entscheidungslähmung und Überlastung in Handlungsfähigkeit transformieren können.
Audio Zusammenfassung - Führen in der Dauerkrise
Inhalt
1. Die längste Rezession Österreichs: Warum Führung heute anders funktioniert
Österreich befindet sich laut aktuellen Analysen von WIFO und IHS in der längsten wirtschaftlichen Abschwungsphase seit vielen Jahrzehnten. Unternehmen kämpfen gleichzeitig mit Kostensteigerungen, geringerer Nachfrage, anhaltender Inflation und geopolitischen Unsicherheiten.
Für Führungskräfte bedeutet das:
Entscheidungen müssen schneller getroffen werden
Planbarkeit ist drastisch reduziert
Teams sind erschöpft und verunsichert
klassische Führungsstrategien greifen weniger
„Leadership as usual funktioniert nicht mehr."
Führung braucht heute mehr Reflexion, emotionale Klarheit und die Fähigkeit, sich selbst stabil zu halten, obwohl das Umfeld instabil ist.
2. Auswirkungen der Dauerkrise auf Führungskräfte
Viele meiner Klient:innen beschreiben ähnliche Muster:
1. Permanentes Gefühl von Druck und Alarmbereitschaft
Ständige Veränderungen führen zu einem Zustand innerer Anspannung. Dadurch nimmt die Fähigkeit für langfristiges Denken ab.
2. Entscheidungslähmung durch zu viele Variablen
Wenn Prognosen unsicher sind, entsteht das Gefühl, Entscheidungen könnten „falsch“ sein – und damit riskant.
3. Überforderung durch Verantwortung
Führungskräfte spüren nicht nur ihren eigenen Stress, sondern auch jenen ihres Teams und der Organisation.
4. Verlust von Motivation und Sinn
In Krisenzeiten erleben viele, dass die eigene Leistung kaum Wirkung zeigt. Das frustriert und erschöpft.
5. Emotionale Isolation
Je höher die Position, desto weniger Austauschmöglichkeiten. Viele fühlen sich allein mit ihren Sorgen.
Systemisches Coaching setzt genau hier an.

3. Systemische Perspektive: Kontrolle, Einfluss und Wirkungskreise
Eine zentrale systemische Frage lautet:
„Welche Faktoren liegen in meinem Einflussbereich – und welche nicht?“
Gerade in einer Dauerkrise verschwimmen diese Linien.
Systemisches Coaching hilft,
Komplexität zu sortieren
Einflussbereiche sichtbar zu machen
Prioritäten zu klären
Muster zu erkennen
neue Handlungsoptionen zu entwickeln
Oft zeigt sich: Führungskräfte versuchen, Dinge zu kontrollieren, die nicht kontrollierbar sind (z. B. globale Märkte, politische Entscheidungen, Kundennachfrage). Das bindet Energie – und führt zu Erschöpfung.
Die Lösung ist nicht „mehr Kontrolle“, sondern gezieltes Loslassen.
4. Systemische Strategien für Entscheidungen unter Unsicherheit
1. Entscheidungsrahmen statt perfekter Information
Gute Entscheidungen brauchen nicht alle Daten, sondern klare Kriterien:Was ist das Ziel? Was ist nicht verhandelbar? Was darf flexibel bleiben?
2. Szenarien entwickeln, nicht Prognosen
Systemisch arbeiten heißt: mit mehreren Zukünften rechnen statt sich auf eine Prognose zu verlassen.
3. Handlungsfähigkeit durch kleine Schritte
Große Probleme werden lösbar, wenn man kleine, realistische Schritte definiert.
4. Ambiguitätstoleranz stärken
Führung heißt: Widersprüche aushalten können. Coaching unterstützt dabei, Unsicherheit nicht als Bedrohung, sondern als Führungsrealität anzuerkennen.
5. Entscheidungslogik externalisieren
Ein externer Coach hilft, Entscheidungsprozesse zu sortieren und versteckte Muster sichtbar zu machen.

5. Fallbeispiele aus der systemischen Coaching-Praxis
Beispiel 1: „Ich kann keine Entscheidung treffen – alles fühlt sich riskant an.“
Thomas, 47, Bereichsleiter in einem Industrieunternehmen, kam mit dem Gefühl völliger Entscheidungslähmung ins Coaching. Jeder Schritt wirkte potenziell gefährlich: Investieren? Sparen? Umstrukturieren? Nichts schien richtig.
Im Coaching entwickelte sich heraus, dass Thomas nicht an fehlenden Fakten scheiterte, sondern an inneren Anforderungen wie:
„Ich darf mir keine Fehler erlauben.“
Wir arbeiteten mit einer systemischen Aufstellung seiner Einfluss- und Sorgenfaktoren.
Plötzlich wurde sichtbar:
80 % seiner Sorgen lagen außerhalb seines Einflussbereichs
Entscheidungen mussten nicht „richtig“ sein, sondern „begründet“
sein Team war bereit, Verantwortung zu teilen – er ließ es aber nicht zu
Nach wenigen Wochen gelang es Thomas, einen klaren 3-Monats-Aktionsplan zu formulieren und Verantwortung bewusster zu delegieren. Er berichtete, dass sich seine Entscheidungskraft „endlich wieder normal anfühlte“.
Beispiel 2: „Ich trage das ganze Unternehmen – und niemand sieht es.“
Martina, 39, Geschäftsführerin eines KMU, war emotional erschöpft. Die Rezession hatte sie gezwungen, unangenehme Entscheidungen zu treffen. Sie fühlte sich allein gelassen.
Im Coaching identifizierten wir ein altes Muster:
„Ich muss immer stark sein.“
Durch verschiedene systemische Interventionen (z. B. Rollenklärung, Ressourcenarbeit) entstand ein anderes Bild:
Stärke zeigte sich nicht im Durchhalten, sondern in Transparenz
ihr Team war bereit, Verantwortung zu übernehmen
die Last war großteils selbst zugeschrieben, nicht real auferlegt
Wir erarbeiteten ein neues Kommunikationsformat für ihre Führungsmannschaft, das zu mehr Offenheit führte. Martina berichtete später:
„Ich spüre zum ersten Mal seit Monaten wieder echten Rückhalt.“
Beispiel 3: „Ich habe das Gefühl, mein Team verliert die Hoffnung.“
Alexander, 52, Leiter eines großen Standortes, erlebte massive Stimmungstiefs in seinem Team. Die Krise hatte zu Sparrunden, Umstrukturierungen und Unsicherheit geführt. Sein Team war zwar loyal, aber erschöpft.
Im Coaching entstand die Erkenntnis: Nicht die Fakten führten zur Erschöpfung – sondern der Mangel an Orientierung.
Wir erarbeiteten:
eine klare Kommunikationsstrategie
eine ehrliche, transparente Darstellung der Lage
einen Fokus auf kleine Erfolge, die wieder Zuversicht erzeugten
Wesentlich war, dass Alexander lernte, nicht nur über Probleme zu sprechen, sondern über Verlässlichkeit, Werte und Stabilität. Nach einigen Wochen hellte sich die Stimmung im Team spürbar auf.

6. FAQ - Führen in Zeiten anhaltender Unsicherheit
Warum betrifft die Rezession Führungskräfte stärker als Mitarbeiter?
Weil sie gleichzeitig wirtschaftliche, strategische und emotionale Verantwortung tragen.
Kann man in einer Dauerkrise überhaupt gut führen?
Ja – aber nur mit angepassten Erwartungen und systemischer Klarheit.
Wie treffe ich Entscheidungen, wenn Prognosen unsicher sind?
Mit Kriterien, die unabhängig von der Zukunft gelten.
Wie erkenne ich, ob ich mich überfordere?
Warnsignale: Schlafprobleme, Reizbarkeit, Erschöpfung, Rückzug.
Wie kann ich mein Team stabil halten?
Durch Transparenz, Orientierung und regelmäßige Kommunikation.
Wann sollten Führungskräfte Coaching in Anspruch nehmen?
Wenn Druck, Komplexität oder Unsicherheit dauerhaft steigen.
Was unterscheidet systemisches Coaching von Beratung?
Coaching schafft Klarheit – ohne Lösungen vorzuschreiben.
Was tun, wenn das Gefühl von Ohnmacht überwiegt?
Einflussbereiche definieren, Prioritäten klären, kleine Schritte.
Wie wichtig ist Selbstfürsorge?
Zentral – sie ist Voraussetzung für klare Führung.
Kann Coaching die wirtschaftliche Lage ändern?
Nein – aber es verbessert die Handlungsfähigkeit deutlich.
7. Fazit - Was Führungskräfte jetzt wirklich brauchen
Die längste Rezession Österreichs stellt Führung vor neue Herausforderungen – emotional, organisatorisch und strategisch. Systemisches Coaching hilft, Klarheit zu schaffen, Entscheidungen zu stärken und die eigene innere Stabilität wiederzufinden. Führung in der Krise braucht weniger Perfektion und mehr Bewusstheit, Klarheit und Selbstführung.
Führung in einer Dauerkrise erfordert besondere Selbstfürsorge:
innere Ruhe statt Reaktivität
klare Grenzen zwischen Arbeit und Erholung
regelmäßige Reflexion
Austausch mit externen Sparringspartnern
Akzeptanz, dass nicht alles machbar ist
Wer sich selbst nicht führt, kann andere nicht stabil halten. Als systemischer Psychotherapeut, Coach und ehemaliger Konzern-Führungskraft begleite ich Führungskräfte, Unternehmer und Entscheidungsträger durch Krisenzeiten.
In meiner in meiner Coaching-Praxis in 1020 Wien unterstütze ich Sie dabei, Orientierung zu gewinnen, Belastungen zu reduzieren und wirksam zu führen.
8. Über mich: Business Psychologe & Leadership Coach Mag. Christian Asperger

In meiner Rolle als Psychotherapeut integriere ich meine langjährige Erfahrung aus meiner Praxis als Psychotherapeut sowie als Führungskraft in Konzernen mit einer soliden Ausbildung in systemischer Psychotherapie und Coaching.
Mein Ansatz basiert auf dem Verständnis der Menschen im Kontext ihrer sozialen Beziehungen und der Konzentration auf das "Wie" gegenwärtiger Situationen. Ich betrachte Klienten als Experten ihrer eigenen Fälle und vermeide es, Themen zu vertiefen, die sie nicht aktiv einbringen.
Gerne unterstütze ich Sie in meiner Praxis in Wien, um die Arbeit mit Ihrem Thema zu starten. Gemeinsam finden wir Ihren individuellen Weg zu einer glücklichen Beziehung zu sich selbst zurück.


