• Christian Asperger

Innere Konflikte und Lösungsversuche

Aktualisiert: Okt 27

Stress, Belastungen oder Leiden können Ausdruck innerer Konflikte sein. Ein möglicher Lösungsversuch ist die Exploration unserer inneren Persönlichkeitsanteile. Welche systemischen Vorstellungen über die Dynamik des Selbst fließen in die Beschreibung mit ein und welche therapeutischen Modelle und Landkarten rund um unser Selbst beeinflussen die Auflösung innerer Konflikte?


Nach dem von Schwartz formulierten Modell der "Inneren Familie" umfasst das Selbst viele verschiedene Anteile einer Person, deren Entwicklung von ihren biografischen Lebenserfahrungen abhängt. Diese Teilpersönlichkeiten lassen sich als "innere Personen oder Anteile" denken. Diese Anteile verstehen sich als eigene und autonome Denksysteme, die ihre eigenen Emotionen, Ausdruck, Fähigkeiten, Wünsche und Ansichten haben. Mit anderen Worten, es ist, als enthielte jeder von uns mehrere Leute, von denen jeder ein anderes Alter und andere Interessen, Talente und Temperamente hat. All diesen Teilpersönlichkeiten ist ein Selbst übergeordnet.


Im Falle einer "ausgeglichenen Persönlichkeit" ist das Selbst in einer führenden Position. Die verschiedenen Anteile respektieren einander, ihre jeweiligen Bedürfnisse werden vom Selbst berücksichtigt. Das Selbst begegnet den einzelnen Anteilen mit Neugier, Mitgefühl, Ruhe, Zuversicht, Mut und Klarheit. Zwischen den einzelnen Anteilen und dem Selbst entsteht eine Beziehung geprägt von Vertrauen und Verbundenheit.


Am anderen Ende der Skala finden sich psychische Strukturen, in denen Teile der Psyche entweder so extrem gegeneinander abgegrenzt sind, dass sie nicht einmal voneinander wissen, oder so untrennbar symbiotisch miteinander verstrickt sind, dass die Fähigkeit zu situationsangemessenem Verhalten stark beeinträchtig ist. In diesem Falle ist das Selbst in seiner Möglichkeit zu führen stark eingeschränkt oder einzelne Persönlichkeitsanteile übernehmen je nach Situation abwechselnd die Führung.


Im Persönlichkeitsmodell des Inneren Teams von Schulz von Thun wird die Pluralität des Selbst mit der Metapher eines Teams und dessen Leitung beschreiben.


Zwischen den Mitgliedern des inneren Teams herrscht eine ähnliche Gruppendynamik wie innhalb von sozialen Gruppen oder Arbeitsteams.

Die Übergänge zwischen Gesundheit und Krankheit / Leiden korrelieren mit dem Ausmaß der Integration unserer Selbstanteile. In der Psychotherapie soll so das Selbst wieder in eine Führungsposition gebracht werden. Dadurch wird eine Distanzierung von dominanten Anteilen gefördert und die innere Beobachtung gestärkt. Erst in einer gestärkten Haltung des Selbst kann ein verbannter Anteil so mit Mitgefühl, Wohlwollen und Neugierde angesehen werden. Dieser kann so die Last, die er trägt, aussprechen, loslassen, seine ihm vom inneren System aufgezwungene Rolle ablegen und sich in das System der inneren Familie integrieren.



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Integration statt Ausgrenzung innerer Anteile


Werden einzelne Teammitglieder ausgegrenzt, kommt es zu Problementwicklungen. In der Psychotherapie steht daher die Reintegration von Teammitgliedern im Mittelpunkt. Voraussetzung ist eine gute Verbindung zwischen dem Selbst und den einzelnen Anteilen. Je feindseliger, abwehrender oder abwertender das Selbst etwa den körperlichen Impulsen und Bedürfnissen dieser Anteile gegenübertritt, desto eher kommt es zur Entstehung und Chronifizierung biopsychosozialer Symptome (z.B. Magen- oder Kopfschmerzen). Ein Symptom erinnert Menschen daran, ihre Lebensweise zu überprüfen, Ausgelassenes zu integrieren bzw. ihr Leben neu zu beleben.


Keiner der hier miteinander interagierenden Anteile ist per se problematisch. Sie sind Teilaspekte des menschlichen Lebens und spiegeln unsere innere Ambivalenz wider. Problemfördernd wirkt in diesem Zusammenhang vielmehr eine dominante Entweder-Oder-Logik, die zu einem Ausschluss einzelner Anteile bzw. zu einer Dissoziation vom Selbst führt. Im Mittelpunkt der Psychotherapie steht daher auch die Förderung des Dialogs der einzelnen Anteile. So sollen neue Perspektiven und verbindende Geschichten ermöglicht werden. Bisher dominante Sichtweisen auf Defizite, Versagen oder Schuld eines Anteils wirken als häufig abwertende Erfahrungen der Vergangenheit auf die Wahrnehmung in der Gegenwart oder (un)mögliche Veränderung in der Zukunft. Die gemeinsame Wiederentdeckung alternativer Geschichten ermöglicht so ein zu Tage bringen bisher überdeckter Stärken, Fähigkeiten und Ressourcen dieser Anteile.


Zur Lösung innerer Konflikte oder Spannungen wird unserem übergeordneten Narrativen Selbst eine koordinierende, integrierende oder steuernde Funktion in Bezug auf unsere prozessualen Selbstanteile zugeschrieben.


Suchen Sie das Gespräch. Wenden Sie sich hierzu an eine Psychotherapeuten, dem Sie Ihre Gedanken und Gefühle anvertrauen können, der Ihnen zuhört. Eine Person, die einen distanzierteren Blick auf die Situation hat, erkennt häufig auch Lösungswege, auf die Sie vielleicht niemals kommen würden.


* Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit verwende ich abwechselnd die weibliche oder männliche Form. Männer und Frauen sind natürlich gleichermaßen angesprochen. Gerne kann der Artikel auch über soziale Netzwerke geteilt werden.

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Kontakt

Mag. Christian Asperger

Systemischer Coach &

Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision

 

Praxis für Coaching, Psychotherapie & Paartherapie

1020 Wien

Mühlfeldgasse 3 | 4.Stock | Tür29

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