• Christian Asperger

Coaching oder Psychotherapie - wann ist was hilfreich?

Aktualisiert: Sept 17

Für viele Klienten ist es schwer im "Psycho-Angebots-Dschungel" den Überblick zu bewahren. Psychologe, Psychiater, Psychotherapeut, Coach, Lebensberater - zu wem soll ich wann gehen und wem kann ich bei welchem Anliegen vertrauen? Mir ist Transparenz und Klarheit für meine Klienten wichtig, damit sie so die passende Entscheidung für eine hilfreiche Unterstützung treffen können.

Mag. Christian Asperger | Coaching & Psychotherapie

Häufig fragen mich Klienten nach dem Unterschied zwischen Coaching und einer Psychotherapie. Ich versuche das passende Setting im Rahmen eines Erstgesprächs mit meinen Klienten zu klären. In diesem Beitrag möchte ich aber auf ein paar Gemeinsamkeiten und Unterscheidungen der beiden Verfahren eingehen. Prinzipiell haben Coaching und Psychotherapie ein gewisses methodisches und wissenschaftlich fundiertes Naheverhältnis. Gerade im Wirtschaftsbereich greifen die Personal- und Organisationsentwicklung auf viele hilfreiche Konstrukte aus der systemischen Familientherapie zurück. Beispiele dafür sind Organigramme als Anlehnung an das Genogramm, Systemaufstellungen als Abwandlung von Familienaufstellungen oder eben das Personal-Coaching als Entwicklungsmaßnahme für Mitarbeiter und Führungskräfte.


Trotz vorhandener Gemeinsamkeiten lassen sich die Verfahren jedoch relativ klar voneinander abgrenzen. Oft hört man, dass das eingebrachte Thema eine Abgrenzung zulassen würde. So könnte man meinen, berufliche Themen sind eher für ein Coaching und private Themen eher für eine Psychotherapie geeignet. Diese simple Unterscheidung würde aber viel zu kurz greifen. Einerseits arbeiten Coaches nicht nur im Wirtschafts- oder Personalkontext. So gibt es ja beispielsweise Sport Coaches aber auch Life- oder Eltern-Coaches. Andererseits kann auch ein berufliches Thema, z.B. ein Job-Verlust, Menschen in tiefgreifende Probleme, an den Rande eines tiefschwarzen Loches führen. Es braucht also andere Kriterien zur Unterscheidung.





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Beratung, Begleitung oder Behandlung?


Eine gängige Unterscheidung ist jene der Beratung und Behandlung. Ob ich als Klient eher eine Beratung oder eine Behandlung benötigte, hängt vom Anliegen und meinem subjektiven Empfinden ab. Im Falle einer Beratung gibt es zumeist eher ein konkret formuliertes Ziel, welches sich auch anhand der Dimensionen Inhalt, Ausmaß, Zeitbezug messen lässt. Meist besteht in einem Coaching-Auftrag auch eine hohe Eigenmotivation und die Klienten sehen einen direkten Bezug zu dem Problem. Klienten kaufen sich so quasi eine Dienstleistung ein, um Wissen oder Erfahrung in einem spezifischen Kontext übertragen und so ihr Ziel erreichen zu können. Dazu bietet der Coach ein strukturiertes Vorgehen mit einer konsequenten Zielorientierung. Allgemeine Beispiele für solche Beratungsleistungen wären ein Steuerberater oder ein Jurist in rechtlichen Fragestellungen. Man sieht, es kommt sehr auf das Thema oder die Problemstellung an, auf welche Expertise man im jeweiligen Kontext vertrauen möchte.


In meinem Fall wären solche Kompetenzen aus den Bereichen Wirtschaft, Management, Führung sowie Team- oder Organisationsentwicklung zu finden. Hier habe ich neben einer entsprechenden universitären Ausbildung auch jahrelange und umfangreiche Erfahrungen in Unternehmen und entsprechenden Positionen gesammelt. Typische Fragestellungen in meinen Business Coachings wären so z.B. im Kontext der Übernahme einer neuen Funktion oder eines neuen Bereichs, der Entwicklung persönlicher Führungskompetenzen oder der Stärkung betriebswirtschaftlicher Aspekte als Treiber der Unternehmensstrategie zu sehen.


Wie sieht es aber nun mit höchst persönlichen Anliegen aus? Braucht man hierzu einen Psychotherapeuten? Nun, auch hier entscheidet das Anliegen in Kombination mit dem subjektiven Empfinden. Nehmen wir als Beispiel die Trennung einer Partnerschaft. Fühle ich mich als Klient eher gestärkt, sehe meine eigene Verantwortung und möchte mir Klarheit über die notwendige Schritte und deren Auswirkungen machen, so kann dies im Rahmen einer Beratung oder eines Coaching durchaus erfolgen. Aufgrund der klaren Zielorientierung kann ein strukturierter Prozess als Leitfaden hilfreich sein um etwaige blinde Flecken abzudecken (z.B. was braucht es, damit ich eine Trennung gut bewältigen kann). Stellt hingegen das aktuelle Beziehungsleben für den Klienten eine große Belastung dar, fühlt er sich unsicher und weiss nicht genau, was er tun kann oder will und spürt somit einen hohen psychischen oder eventuell auch schon somatischen Leidensdruck, dann wäre eher eine psychotherapeutische Behandlung und Begleitung zu empfehlen.


Psychotherapie ist ein gesetzlich geschütztes Gesundheitsverfahren, für das es eine jahrelange Ausbildung bedarf. Auch wenn es für Außenstehende manchmal verwirrend erscheinen mag, so gibt es aber auch eine klare Abgrenzung zu einer psychologischen Beratung, die zum Beispiel von Lebens- und Sozialberatern (Coaches) angeboten wird. Für die ganzheitliche Behandlung braucht es eben eine eigene Qualifikation, anderes Wissen, aber auch eine andere Haltung als in der Beratung. Klienten, die in eine Psychotherapie kommen, können meistens gar keinen so klaren Auftrag, wie es in einer Beratung notwendig ist, formulieren. Sie können vielleicht von einer anstrengenden Belastung verbunden mit bestimmten Symptomen oder vorherrschenden Gefühlen wie Angst, Traurigkeit, Verzweiflung oder einer Hilf- und Kraftlosigkeit berichten. So haben die Klienten meist ein eher negativ gefärbtes Selbstbild und fühlen eine starke Unsicherheit. Probleme werden als äußere Ereignisse wahrgenommen, zu denen der innere Bezug vielleicht noch komplett fehlt.


Als geschulter Psychotherapeut hilft mir das Wissen und meine Erfahrung zur Gestaltung des Prozesses. Hierzu ist es immens wichtig zunächst einmal auf der persönlichen Ebene ein Vertrauensverhältnis herzustellen, damit eventuelle schamhafte Gefühle oder für die Klienten traumatische Erlebnisse zugänglich werden können. Dafür entscheidend ist die persönliche Haltung und das Menschenbild des Psychotherapeuten bzw. wie anschlussfähig dies für die Klienten ist. Erst im Dialog können so mit den Klienten Veränderungsaufträge erarbeitet werden, die sich aber auch über die Dauer der Psychotherapie entwickeln oder ändern können. So kann am Beginn einer Psychotherapie ein anderes Ziel (z.B. ich will mich nicht mehr so ausgelaugt fühlen) als im weiteren Verlauf (z.B. ich möchte etwas Neues entdecken) stehen. Die Arbeit eines Psychotherapeuten ist somit im Unterschied zu jener eines Coaches auch vergleichsweise offener und erlebnisorientierter am Klienten und damit meistens auch zeitintensiver und länger.


Für die Individuelle Abklärung des passenden Verfahrens, würde ich Ihnen wie oben beschrieben immer ein unverbindliches Erstgespräch empfehlen. Wir könnten dies sehr gerne telefonisch, per Video aber auch vor Ort in meiner Praxis führen. Neben der Klärung des Anliegens ist es aber vor allem auch eine gute Möglichkeit zum persönlichen Kennenlernen - schließlich ist bei der Arbeit mit Menschen der persönliche Zugang entscheidend.



* Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit verwende ich abwechselnd die weibliche oder männliche Form. Männer und Frauen sind natürlich gleichermaßen angesprochen. Gerne kann der Artikel auch über soziale Netzwerke geteilt werde.

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Kontakt

Mag. Christian Asperger

Systemischer Coach &

Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision

 

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