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Depression und Libidoverlust beim Mann: Was hilft, wenn die Lust fehlt

Autorenbild: Christian Asperger
Christian Asperger
4. Jan. 2025
7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen

„Im Bett geht bei mir gar nichts mehr.“ Lukas, wie ich ihn hier nenne, sagt diesen Satz erst in der vierten Sitzung. Depression und Libidoverlust beim Mann treffen oft zusammen, und kaum ein Thema fällt Männern schwerer anzusprechen.


Dabei ist der Zusammenhang gut bekannt. Eine Depression nimmt vielen die Lust auf Nähe und Sexualität, manche Medikamente dämpfen sie zusätzlich. Belastender als der Verlust selbst ist oft die Scham darüber, und das, was in der Partnerschaft daraus wird.


Sie lesen hier, wie Depression und Lust zusammenhängen, was Sie tun können, wenn Antidepressiva die Libido dämpfen, warum so viele Männer lange schweigen und wie Sie wieder ins Gespräch kommen.


Depression und Libidoverlust beim Mann: Klient im Gespräch in der Psychotherapie in Wien

Das Wichtigste in Kürze


  • Etwa die Hälfte der Menschen mit Depression hat schon vor jeder medikamentösen Behandlung weniger Lust.

  • Manche Antidepressiva können das Verlangen zusätzlich dämpfen. Das gehört in das Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

  • Setzen Sie Medikamente nie auf eigene Faust ab oder um.

  • Libidoverlust kann auch körperliche Ursachen haben. Eine ärztliche Abklärung gehört deshalb dazu.

  • Partnerinnen lesen den Rückzug oft als Ablehnung. Ein klarer Satz dazu entlastet beide.

  • Nähe ohne Erwartung, etwa Hand halten oder gemeinsam spazieren, nimmt Druck heraus.


Eigene Situation einordnen: Die Lust ist weg, und Sie wissen nicht, mit wem Sie darüber sprechen sollen? Im Kennenlerngespräch, 20 Minuten, kostenfrei und unverbindlich, schauen wir gemeinsam, was gerade los ist und ob eine Psychotherapie der passende nächste Schritt ist.


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Inhalt




1. Depression und Libidoverlust: wie beides zusammenhängt


Eine Depression dämpft nicht nur die Stimmung. Sie nimmt vielen Menschen die Freude an Dingen, die ihnen früher gutgetan haben, und dazu gehört oft auch die Sexualität. Fachleute nennen diesen Verlust an Freude und Interesse Anhedonie.


Wie häufig das ist, zeigt ein Bericht der Pharmazeutischen Zeitung: Ungefähr die Hälfte der Menschen mit Depression leidet schon vor einer medikamentösen Behandlung unter Libidoverlust. Dazu kommen Müdigkeit, Schlafprobleme und ein Körper, der sich schwer anfühlt.


Der Zusammenhang wirkt in beide Richtungen. Wer sich als Mann nicht mehr begehrend erlebt, zweifelt schnell an sich. Diese Zweifel drücken wiederum auf die Stimmung. Mehr dazu, wie sich eine Depression im Alltag zeigt, lesen Sie im Artikel Depression und Erschöpfung.



2. Antidepressiva und Libidoverlust: was tun?


Viele Männer merken die Veränderung erst richtig, wenn die Stimmung durch ein Antidepressivum besser wird und die Lust trotzdem ausbleibt. Manche Antidepressiva können das sexuelle Verlangen, die Erregung oder den Orgasmus beeinflussen.


Sprechen Sie das bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt offen an, auch wenn es Überwindung kostet. Für Ärzt:innen ist diese Frage nichts Ungewöhnliches. Ob die Depression selbst oder das Medikament den größeren Anteil hat, lässt sich nur dort klären, ebenso, ob eine Anpassung sinnvoll ist.


Zu Ihrer Sicherheit: Ändern Sie Ihre Medikation nie selbst und setzen Sie sie nicht eigenmächtig ab. Das kann die Depression verschlechtern und unangenehme Absetzbeschwerden auslösen.


Libidoverlust kann auch körperliche Gründe haben, etwa hormonelle Veränderungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes. Eine ärztliche oder urologische Abklärung schafft hier Klarheit.


Antidepressiva und Libidoverlust: Gespräch über Sexualität in der Psychotherapie bei Christian Asperger



3. Warum Männer so lange schweigen


Viele Männer sprechen erst nach Monaten über den Verlust ihrer Lust, manche nie. Sexualität ist für viele eng mit dem Gefühl verbunden, ein Mann zu sein. Fällt sie weg, fühlt sich das schnell wie ein persönliches Versagen an, über das man nicht redet.


Ich kenne das Gefühl, unter Druck zu stehen und keinen Raum mehr zu haben, aus meinem eigenen Leben. In einer Zeit voller Druck kam in meiner eigenen Therapie das Bild eines Schraubstocks. Ober- und unterhalb der Zwinge ist Luft, und dort konnte ich mir Raum nehmen. Mit Lust ist es ähnlich: Sie kommt selten zurück, solange der Druck groß ist.


Wie Rückzug und Gefühle bei Männern zusammenhängen, beschreibe ich auch im Artikel Er zieht sich zurück, weil er Gefühle hat.



4. Was die Partnerin erlebt


Für die Partnerin sieht der Rückzug oft ganz anders aus. Sie hört darin: Ich bin ihm nicht mehr genug. Sie fragt nach, er weicht aus, aus Scham. Je mehr sie fragt, desto mehr zieht er sich zurück. Je mehr er sich zurückzieht, desto stärker zweifelt sie.


In der Paartherapie nenne ich so ein Muster Vulnerabilitätskreislauf: Beide schützen sich und treffen dabei die Verletzung des anderen. Beide wünschen sich Nähe und entfernen sich doch Schritt für Schritt voneinander.


Vulnerabilitätskreislauf bei Libidoverlust: Rückzug aus Scham und Zweifel der Partnerin, Modell von Christian Asperger

Wie sich eine Depression auf die ganze Beziehung auswirkt, lesen Sie im Artikel Depressionen in der Partnerschaft. Findet in einer Beziehung über längere Zeit kaum noch Sexualität statt, hilft der Artikel Kein Sex in der Beziehung.



5. Was Sie selbst tun können


  • Den ersten Satz sagen. Etwa: „Es hat nichts mit dir zu tun. Mir fehlt gerade die Lust, und ich verstehe selbst noch nicht ganz, warum.“

  • Nähe ohne Ziel. Gemeinsam auf dem Sofa sitzen, die Hand halten, abends spazieren. Wenn aus einer Berührung nichts werden muss, lässt der Druck oft nach.

  • Mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen. Über Nebenwirkungen und über eine körperliche Abklärung.

  • Den Körper unterstützen. Regelmäßige Bewegung und ein fester Schlafrhythmus helfen der Stimmung und oft auch der Lust.

  • Geduld haben. Ob und wann die Lust zurückkommt, lässt sich nicht vorhersagen. Bei vielen kehrt sie mit dem Abklingen der Depression schrittweise zurück.



6. Wie Psychotherapie hilft


In der Psychotherapie geht es zuerst um die Depression selbst und um das, was sie auslöst und aufrechterhält. Die Entscheidung über Medikamente bleibt in ärztlicher Hand. Ich ermutige meine Klienten, das Thema Sexualität dort anzusprechen.


Daneben schauen wir auf die Scham und auf das Muster in der Beziehung. Oft hilft ein einzelner, vorbereiteter Satz an die Partnerin mehr als lange Erklärungen. Manchmal ist ein gemeinsames Gespräch sinnvoll, manchmal eine begleitende Paartherapie.


Viele Klienten merken nach einigen Sitzungen, dass der Druck nachlässt, wenn das Thema einmal ausgesprochen ist. Veränderung braucht trotzdem Zeit, sie ist eine Art Umlernen. Mehr zu meinem Angebot finden Sie auf der Seite Hilfe bei Depression in Wien.


Psychotherapie bei Depression für Männer in Wien: Sitzung bei Mag. Christian Asperger



7. Fallbeispiel aus der Praxis


Lukas ist Ende dreißig, als er in meine Praxis kommt. Seit Monaten schläft er schlecht, spürt kaum noch etwas und schiebt Entscheidungen vor sich her. Nach einigen Wochen beginnt er auf Empfehlung seines Hausarztes mit einem Antidepressivum. Die Stimmung hellt sich auf, der Schlaf wird besser.


In der vierten Sitzung sagt er den Satz, den er schon länger im Kopf hat: „Im Bett geht bei mir gar nichts mehr.“ Die Lust ist vollständig weg, und er schämt sich dafür. Seine Partnerin Eva hat nachgefragt, es gab Streit. Lukas hat die Schultern gehoben und gesagt, er wisse es auch nicht.


Welcher Einfluss bei ihm überwiegt, die Depression oder das Medikament, kann ich von außen nicht beurteilen. Das gehört in die Hände seines Arztes. Ich ermutige ihn, das Thema dort anzusprechen. An der Medikation ändert er nichts auf eigene Faust.


Dann schauen wir auf das, was zu Hause passiert. Eva hört im Rückzug: Ich bin ihm nicht mehr genug. Geht es Lukas schlecht, fühlt sie sich schnell für seine Stimmung verantwortlich und sucht den Fehler bei sich. Ich frage ihn, was er Eva sagen würde, wenn die Scham nicht im Weg stünde. Er überlegt lange. „Dass es nichts mit ihr zu tun hat.“


Wir sprechen darüber, diesen Satz auszusprechen, bevor Eva die Frage wieder mit sich allein ausmacht, und über Formen von Nähe, bei denen nichts passieren muss. Eva ist selbst in Therapie und kann ihre Frage, ob sie die Ursache ist, auch dort mitnehmen. Ob die Lust zurückkommt und wann, klärt Lukas weiter mit seinem Arzt.


Der Satz, den er so lange für sich behalten hat, ist zum ersten Mal laut gesagt.


Meine Situation besprechen: Viele Männer warten Monate, bevor sie über den Verlust ihrer Lust sprechen. Im kostenfreien Kennenlerngespräch schauen wir in 20 Minuten, was Sie gerade belastet und wie ein erster Schritt aussehen kann.


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8. FAQ: Häufige Fragen zu Depression und Sexualität beim Mann


Ist Libidoverlust bei Depression normal?


Ja, er ist häufig. Etwa die Hälfte der Menschen mit Depression berichtet schon vor einer medikamentösen Behandlung von weniger Lust. Das ist ein Teil der Erkrankung und kein persönliches Versagen.


Antidepressiva und Libidoverlust: Was tun?


Sprechen Sie offen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber. Dort lässt sich klären, ob eine Anpassung der Behandlung sinnvoll ist. Ändern oder beenden Sie die Medikation nie selbst.


Kommt die Lust nach einer Depression zurück?


Bei vielen kehrt sie schrittweise zurück, wenn die Depression abklingt. Wann das passiert, lässt sich nicht vorhersagen. Weniger Druck und offene Gespräche helfen dabei.


Wie sage ich es meiner Partnerin?


Kurz und ehrlich, am besten nicht mitten im Streit. Ein Satz wie „Es hat nichts mit dir zu tun“ nimmt ihr eine Last, die sie sonst allein mit sich ausmacht.


Was kostet eine Psychotherapie, und gibt es günstigere Möglichkeiten?


Eine Einzelsitzung von 50 Minuten kostet bei mir 200 €. Für Menschen mit kleinerem Budget gibt es im selben Haus die Praxis NORDSTERN: Dort arbeiten Psychotherapeut:innen in Fachausbildung unter Lehrsupervision, eine Einzelsitzung kostet 100 €. Ich begleite das Team fachlich und als Mentor.


Muss ich sicher wissen, ob ich eine Depression habe, bevor ich komme?


Nein. Viele kommen mit dem Gefühl, dass seit Monaten etwas nicht stimmt. Die Einordnung ist Teil unserer gemeinsamen Arbeit, bei Bedarf gemeinsam mit einer ärztlichen Abklärung.


Kann meine Partnerin auch mitkommen?


Ja. Manchmal ist ein gemeinsames Gespräch hilfreich, damit beide verstehen, was gerade passiert. Wir klären vorher, was Sie beide sich davon wünschen.



9. Fazit


„Im Bett geht bei mir gar nichts mehr.“ Lukas hat Monate gebraucht, um diesen Satz zu sagen. Danach war die Lust nicht einfach wieder da. Aber das Thema hatte endlich einen Ort: bei seinem Arzt, in der Therapie und als nächster Schritt zu Hause bei Eva.


Libidoverlust bei Depression ist häufig und hat meist mehrere Gründe. Je früher Sie darüber sprechen, mit Ihrem Arzt, mit Ihrer Partnerin und bei Bedarf in einer Therapie, desto weniger Raum bekommt die Scham.


Sie haben sich beim Lesen wiedererkannt, im Schulterzucken, wenn die Partnerin fragt, in der Scham oder in der Sorge, ob die Lust je zurückkommt? Kennenlerngespräch vereinbaren: 20 Minuten, kostenfrei und unverbindlich. Wir schauen gemeinsam, was Ihnen jetzt hilft.


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10. Über mich: Psychotherapeut Mag. Christian Asperger


Psychotherapeut Mag. Christian Asperger in seiner Praxis in Wien

Viele Männer sprechen bei mir zum ersten Mal über Dinge, die sie lange für sich behalten haben. Dafür braucht es keine fertigen Worte.


Viele Jahre war ich Führungskraft in der Telekommunikationsbranche, zuletzt als Senior Vice President bei T-Mobile Austria. Seit Ende 2019 arbeite ich als systemischer Psychotherapeut mit Einzelpersonen, Paaren und Familien. Als Wegbegleiter gehe ich ein Stück mit, die Richtung bestimmen Sie.


Mehr zur Psychotherapie bei Depression in Wien finden Sie auf meiner Website. Meine Praxis befindet sich im zweiten Bezirk in Wien.


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